DAX +0,71 % 26.325,73 Pkt 15:51:30 MDAX -0,35 % 32.317,19 Pkt 15:51:32 Euro Stoxx 50 +0,10 % 6.530,62 Pkt 15:51:30 Dow Jones +0,06 % 53.917,91 Pkt 16:06:31 S&P 500 +0,68 % 7.762,37 Pkt 16:06:30 Nasdaq +1,25 % 26.677,70 Pkt 16:06:21 Nikkei +2,08 % 66.970,22 Pkt 08:45:03 Gold -0,43 % 4.380,70 USD 15:56:21 Silber +0,67 % 63,93 USD 15:56:29 Brent +3,20 % 86,22 USD 15:56:29 WTI +3,35 % 80,80 USD 15:56:31 Bitcoin -0,01 % 64.841,08 USD 15:07:14 EUR/USD +0,22 % 1,15500 USD 16:06:21 EUR/GBP -0,22 % 0,85460 GBP 16:06:31 EUR/CHF -0,13 % 0,93500 CHF 16:06:31 EUR/JPY +0,57 % 183,575 JPY 16:06:31

KI-Boom in Deutschland: So profitieren die Firmen vom Hype

Wirtschaft

Abkühlung aus Hamburg Nicht nur Menschen rauchen manchmal die Köpfe, auch Elektronik läuft heiß, wenn sie herausfordernde Aufgaben zu bewältigen hat. Das Hamburger Familienunternehmen Stulz hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Abkühlung zu sorgen. Bereits seit den Siebzigern ist das Unternehmen auf Kühlsysteme in Rechenzentren und in der Industrie spezialisiert. Dabei hatte es zunächst Haushaltsgeräte verkauft. Beim Multifunktionsgerät Piccolo fühlen sich nicht nur Loriot-Fans an den Saugblaser Heinzelmann erinnert: Als Entsafter, Bodenbürste, Mixer, Säge oder Rasenmäher – überall kam das Gerät zum Einsatz. Dank der Umorientierung setzt das Unternehmen heute Milliarden um und profitiert zusätzlich vom KI-Boom. Denn der führt dazu, dass nicht nur mehr, sondern auch bessere Kühlsysteme benötigt werden. Einem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge steigern sich die zu bewältigenden Wärmelasten in Rechenzentren perspektivisch um das Fünf- bis Zwölffache. Der Trend geht daher zu komplexen Systemen, die auf flüssige Kühlung direkt am Chip setzen. Erst im letzten Jahr hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, die Produktion von solchen Liquid-Cooling-Systemen am Hauptsitz Hamburg auszubauen. Angst vor Zöllen muss es dabei keine haben. In den USA hat Stulz noch im gleichen Jahr ein Werk eröffnet. Es ist dort bereits das dritte. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Maschinen aus Garching Deutsche Industrie ist out, KI ist in. Das ist oft die gefühlte Wirklichkeit, die die Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beherrscht. Dass KI und Maschinenbau Hand in Hand gehen können, zeigt Suss Microtec. Das in Garching bei München beheimatete Unternehmen fertigt Anlagen für die Chipherstellung. Besonders herausfordernd ist dabei die enorm hohe Präzision, die die Bearbeitung der sensiblen Produkte erfordert. Für KI-Chips besonders relevant sind die Maschinen für das sogenannte Bonding. Damit lassen sich mehrere Wafer, also die Scheiben, aus denen später die Chips ausgeschnitten werden, übereinanderstapeln und nahtlos verbinden. Dabei geht es auch um die Verbindung von Rechen- und Speicherchips. Denn auch der hochleistungsfähigste KI-Prozessor bleibt ungenutzt, wenn er die nötigen Informationen nicht schnell genug abrufen kann. Zur Ausweitung der Produktion hat Suss 2025 auch einen Standort in Taiwan eröffnet. Der Aktienkurs hat sich seit einem Jahr mehr als verdoppelt. Suss stieg jüngst in den M-Dax auf. Dass für dieses Jahr ein Umsatzrückgang prognostiziert wird, erklärt Suss-Chef Burkhardt Frick gegenüber dem „Manager Magazin“ mit einem „strategisch wichtigen Übergangsjahr“. Effizienter Strom aus Herzogenrath Anfang des Jahres schien es, als sei die KI-Euphorie bei Aixtron schon wieder vorbei. Mehr als zehn Prozent der Beschäftigten am Hauptstandort in Herzogenrath mussten aufgrund der schwachen Nachfrage gehen. Seitdem hat sich die Stimmung um das Unternehmen jedoch gedreht. Der Aktienkurs schoss seit Jahresbeginn um zwischenzeitlich mehr als 200 Prozent in die Höhe. Grund dafür sind die kräftig gestiegenen Aufträge für den Anlagenhersteller. „Das war in der Höhe nicht abzusehen“, so ein Unternehmenssprecher. War der Auftragsrückgang auf die schwächelnde Autoindustrie zurückzuführen, profitiert das Unternehmen nun zunehmend vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Zurückzuführen ist das Auftragswachstum auf das Geschäft mit Anlagen für Optoelektronik. Im ersten Quartal entfielen auf diese Sparte knapp zwei Drittel der Aufträge. Der weit überwiegende Teil ist mit dem Ausbau von Rechenzentren verbunden. Dort lösen aufgrund der höheren Leistungsdichte Laserverbindungen das klassische Kupferkabel zunehmend ab. Aixtron liefert dafür die Anlagen. Weitere Hoffnungsträger des Unternehmens sind Anlagen zur Herstellung von Galliumnitrid. Das Material ist ein Halbleiter, der für weniger Energieverluste und eine geringere Wärmeentwicklung als Silizium sorgt. Damit adressiert es zwei der Hauptprobleme von Rechenzentren. Aixtron vermutet, dass Galliumnitrid bei der Stromversorgung von Rechenzentren zunehmend zum Einsatz kommen wird. Das Unternehmen verdient damit nicht direkt an KI-Chips, sondern an den Voraussetzungen für deren Einsatz. Je größer KI-Rechenzentren werden, desto wichtiger werden eine effiziente Stromversorgung, schnelle Datenverbindungen und damit Aixtron. Das hoffen zumindest die Anleger. Messgeräte aus Wettenberg Im April vergangenen Jahres hatte die F.A.Z. noch bemerkt, dass der KI-Hype an PVA Tepla vorbeigegangen war. Das lässt sich nun nicht mehr behaupten: Mittlerweile hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Das Unternehmen aus Wettenberg profitiert davon, dass gleich beide Geschäftsbereiche von KI profitieren. Im Bereich der „Material Solutions“ entwickelt es Anlagen für die Verarbeitung von Wertstoffen, beispielsweise zur Zucht von Indiumphosphid-Kristallen. Dieses Material kommt unter anderem in Laserchips zum Einsatz, die für die schnelle Datenübertragung unerlässlich sind. Auch im Bereich der Metrologie profitiert das Unternehmen vom KI-Boom. Hochsensible KI-Chips stellen klassische Messgeräte vor große Herausforderungen. Einerseits bedürfen sie einer sehr genauen Untersuchung, um Mängel feststellen zu können. Andererseits darf die Überprüfung selbst keine Schäden verursachen. Bei den neuesten Chipgenerationen werden zudem mehrere Chips übereinandergestapelt. Für ein Messgerät heißt das: Es muss per Ultraschall in die Chips hineinschauen. Einen KI-Anteil am Umsatz kann das Unternehmen nicht herausrechnen. „Aber KI beschleunigt viele technologische Anforderungen, von denen wir profitieren“, äußert sich ein Sprecher gegenüber der F.A.S. Und tatsächlich: Das Auftragsvolumen von PVA Tepla hat sich im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Rückgänge verzeichnete das Unternehmen jedoch bei Umsatz und Gewinn. Auch die Dividende für die Aktionäre wurde gestrichen. Grund dafür sei die stärkere Fokussierung auf Geschäftsbereiche, die in Zukunft großes Wachstumspotential bieten. Schaltschränke aus Herborn Rittal ist in der Welt der Rechenzentren kein Newcomer. Seit 1969 produziert das Familienunternehmen aus Herborn Serverschränke in Serie. Damals waren sie damit weltweit die Ersten. Mit den gestiegenen Anforderungen an die physische Verpackung von Elektronik hat sich auch die Produktpalette deutlich erweitert. Innovationstreiber ist zurzeit die KI. Damit die Produkte von Rittal mit den Entwicklungen Schritt halten können, setzen die Hessen auf Kooperationen mit Siemens und dem Technologieunternehmen ABB. Der Gedanke dahinter ist, die unterschiedlichen Bestandteile für die Rechenzentren der Generation KI direkt aufeinander abstimmen zu können. Besonderer Fokus lag in den letzten Jahren in der Integration von Kühlsystemen in die Serverschränke. Gemeinsam mit dem GSI Helmholtz-Zentrum in Darmstadt und dem Start-up Etalytics hat Rittal ein eigenes anwendungsfertiges Liquid-Cooling-System entwickelt, das auf kleinstem Raum Leistungen von einem Megawatt erreicht, dreihundertmal so viel wie eine handelsübliche Klimaanlage. Einer der größten Vorteile von Rittal sind die bereits bestehenden Kundenbeziehungen. 180.000 Schaltschränke liefert das Unternehmen jährlich allein an die wichtigsten Anbieter von Cloud-Infrastruktur in Asien und Amerika. Rechenzentren aus Essen Auf den ersten Blick wirkte die Meldung vielleicht etwas enttäuschend: Hochtief steht vor dem Aufstieg in den Dax. Der ein oder andere Beobachter mag da gedacht haben: Woanders gewinnt Big Tech hinzu, in Deutschland ist es ein Bauunternehmen, gegründet noch bevor Alexander Graham Bell das Telefon patentierte. Doch es lohnt ein zweiter Blick, denn das Essener Unternehmen verdient längst am KI-Boom mit. Im ersten Halbjahr 2026 konnte Hochtief den Auftragseingang um 25 Prozent steigern, der Gewinn wuchs gar um 35 Prozent. Haupttreiber ist die US-Tochter Turner, einer der führenden Spezialisten im Bau von Rechenzentren. Für Hochtief machen Rechenzentren derzeit über ein Viertel des gesamten Auftragsbestands aus. Dabei erwartet das Unternehmen eine Vervierfachung der Investitionen in diesem Bereich bis 2035. Und Hochtief profitiert nicht nur vom Bau der Rechenzentren. Als Infrastrukturunternehmen ist es gleich mehrfach am KI-Bauboom beteiligt. Schließlich müssen auch Stromnetze und Energiequellen für die KI ausgebaut werden. Freuen dürfte das auch Florentino Pérez, den Präsidenten von Real Madrid. Der Spanier ist Chairman und größter Anteilseigner der Grupo ACS, die 80 Prozent der Aktien von Hochtief besitzt. Spiegel aus Oberkochen Kommt im Bereich KI die Sprache auf Europa, gilt oft das niederländische Unternehmen ASML als einziger Leuchtstreifen am Horizont. ASML beliefert Unternehmen wie Nvidia mit Anlagen zur Chipherstellung. Allerdings produziert ASML diese Maschinen nicht allein, sondern in Kooperation mit anderen Unternehmen, darunter auch einigen aus Deutschland. Langjähriger Partner der Niederländer ist das deutsche Optikunternehmen Zeiss. Seit 1997 arbeiten beide im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zusammen. 2016 sicherte sich ASML 24,9 Prozent der Anteile an Zeiss. Die Halbleitersparte des Konzerns liefert ASML die optischen Bestandteile der Maschinen, zum Beispiel Spiegel. Bei der Chipproduktion lenken diese Spiegel dann das ultraviolette Licht eines Hochleistungslasers um wenige Nanometer genau auf den Wafer. Schrittweise wird so aus dem bloßen Halbleitermaterial ein Chip. Für diese Technologie gewann das Unternehmen bereits mehrere Preise, gemeinsam mit Trumpf, das den dazugehörigen Laser herstellt. Bei Zeiss ist die Halbleitersparte Antreiber einer ansonsten überwiegend stagnierenden Entwicklung des Konzerns. Mittlerweile macht der Umsatz der Halbleitersparte 45 Prozent des Umsatzes aus. Zeiss ist zudem nicht der einzige KI-Profiteur, der aus dem 1846 von Carl Zeiss gegründeten Unternehmen hervorging. Jenoptik, 1991 aus dem DDR-Kombinat VEB Carl Zeiss ausgegliedert, beliefert ASML ebenfalls mit optischen und photonischen Bauteilen. Zuletzt konnte das börsennotierte Unternehmen ein Auftragswachstum von über 70 Prozent vermelden. Zur Ausweitung der Produktion eröffneten die Thüringer im vorigen Jahr ein neues Werk in Dresden. Turbinen aus München Siemens Energy ist vielleicht der prominenteste deutsche KI-Profiteur. Die Geschichte lässt sich eindrücklich am Aktienkurs erzählen: Wer im Herbst 2023 Anteile der Firma kaufte, kann sich heute über eine Verzwanzigfachung seiner Investition freuen. Dahinter steckt der Stromhunger der KI. Ein Viertel der Aufträge im Gasgeschäft von Siemens Energy geht allein auf Rechenzentren zurück. Das Unternehmen aus München steht vor allem vor dem Problem, mit der Nachfrage nach seinen Gasturbinen Schritt zu halten. Die Auftragsbücher sind teilweise bis 2030 gefüllt. Kunden zahlen mittlerweile Reservierungsgebühren, um sich Produktionskapazitäten zu sichern. Dabei kann eine einzelne Turbine je nach Größe bereits über 100 Millionen Euro kosten. Auch die Stromnetz-Sparte Grid Technology profitiert durch KI. „Wir werden in den nächsten 15 Jahren weltweit Investments in das Netz sehen, die so groß sind wie die der letzten 150 Jahre“, erklärte Vorstandsmitglied Tim Holt noch 2024. Gewachsen ist die Firma seitdem jedoch größtenteils aufgrund des florierenden Geschäfts in den USA. Saubere Luft aus Dresden Wie gut sich Vögel für Geschichten eignen, weiß nicht nur Alfred Hitchcock. In der Unternehmenslegende von DAS Environmental Expert spielen sie auch eine zentrale Rolle: Unternehmensgründer Horst Reichardt soll die Vielzahl toter Vögel rund um den Schornstein der Siliziumfabrik, in der er damals arbeitete, zum Nachdenken gebracht haben. Und schließlich dazu, kurz nach der Wende eine Firma zu gründen, die sich den Umweltproblemen annimmt. Das Unternehmen aus Dresden liefert Abwasseranlagen für unterschiedliche Branchen. Bei ihrem Geschäft mit Abgasen sind die Dresdner fast ausschließlich auf die Halbleitersparte spezialisiert. Denn dort werden ganz bestimmte Chemikalien eingesetzt, die hinterher wieder herausgefiltert werden müssen. So kommen die Anlagen an ganz unterschiedlichen Stellen zum Einsatz und sind auf die einzelne Fabrik abgestimmt. Das macht den Markt für Generalisten so schwierig. Aufgrund der hohen Nachfrage der Halbleiterfirmen plant das Unternehmen, die Produktion auszuweiten. Mitarbeiter findet es dafür vermehrt in der schwächelnden Automobilindustrie. Das Unternehmen berichtet von einer Vielzahl an Bewerbungen von Baden-Württembergern, die sich einen Umzug nach Sachsen vorstellen können. DAS profitiert vom Technologienetzwerk Silicon Saxony, in dem fast all seine Zulieferer Mitglied sind. Die Kundschaft sitzt hingegen überwiegend im Ausland, besonders in Asien. Die Exportquote des Unternehmens liegt bei circa 90 Prozent.

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