KI-Boom kostet Milliarden - jetzt wird die Finanzierung zum Problem
Die Finanzierung des KI-Booms sorgt zunehmend für Nervosität am Kreditmarkt. Die Credit Default Swaps (CDS) großer Technologieunternehmen und KI-Infrastruktur-Anbieter haben sich zuletzt deutlich ausgeweitet. Besonders im Fokus steht Oracle: Die Absicherungskosten gegen einen möglichen Zahlungsausfall des Konzerns sind auf ein Rekordniveau gestiegen.
KI-Boom auf Pump wird zum Risiko
Der fünfjährige CDS-Spread von Oracle kletterte am Donnerstag laut Seeking Alpha gegenüber der Vorwoche um 16,2 Prozent auf 227,15 Basispunkte. Der Anstieg signalisiert, dass Investoren höhere Risiken im Zusammenhang mit der stark steigenden Verschuldung des Unternehmens wahrnehmen.
Oracle steht dabei stellvertretend für eine ganze Branche. Auch die CDS-Spreads anderer großer KI-Investoren und Technologieunternehmen wie Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta, Nvidia und SpaceX haben sich ausgeweitet. Anleger hinterfragen zunehmend, wie die gigantischen Investitionen in neue Rechenzentren und KI-Infrastruktur finanziert werden sollen.
Oracle und die Milliarden-Wette auf KI
Zusätzlichen Druck erzeugt die Nachricht rund um Oracles Rechenzentrumsprojekt „Jupiter“ in New Mexico (USA). Der Konzern hat dem Entwickler des milliardenschweren Projekts eine Force-Majeure-Mitteilung zugestellt. Hintergrund sind Verzögerungen bei der Energieversorgung der geplanten Anlage.
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Oracle plant im Bundesstaat New Mexico ein KI-Rechenzentrum mit einer Leistung von 2,45 Gigawatt, das unter anderem Rechenkapazitäten für OpenAI bereitstellen soll. Die Verzögerungen verstärken die Sorgen der Anleger über die hohen finanziellen Verpflichtungen, die mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur verbunden sind.
Steigende Anleiherenditen erhöhen den Druck
Parallel dazu sind die Renditen am US-Anleihemarkt deutlich gestiegen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2004, während die Rendite zehnjähriger Papiere auf ein 19-Jahres-Hoch kletterte.
Das belastet auch den Unternehmensanleihemarkt. Höhere Finanzierungskosten machen neue Schulden teurer – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die großen Technologieunternehmen ihre Investitionen massiv ausweiten.
Investoren rechnen mit einer Welle neuer KI-Schulden
Lindsay Rosner, Leiterin für Multi-Sektor-Anleiheninvestments bei Goldman Sachs Asset Management, erklärte gegenüber Bloomberg TV, dass ihr Team bei den größten KI-Kreditnehmern untergewichtet sei.
„Wir glauben, dass es zahlreiche Emissionen von Hyperscalern geben wird“, sagte Rosner. Die Zurückhaltung sei jedoch kein Zweifel an der langfristigen KI-Entwicklung, sondern eine Reaktion auf die erwartete Flut neuer Unternehmensanleihen.
KI-Boom wird zur Schuldenfrage
Unternehmen wie Amazon, Meta und Alphabet gehören in diesem Jahr zu den größten Emittenten von Unternehmensanleihen in den USA. Die Konzerne benötigen enorme Summen, um Rechenzentren, Chips und Energieinfrastruktur auszubauen.
Während die Unternehmen bislang über starke Bilanzen und hohe Cashflows verfügen, steigt der Kapitalbedarf für KI-Investitionen rapide. Laut einer Studie der Brookings Institution könnten die Investitionen in KI-Infrastruktur in den USA bis 2032 insgesamt 10,3 Billionen US-Dollar erreichen. Ein wachsender Teil des finanziellen Risikos könnte dabei von den Bilanzen großer Technologiekonzerne in komplexere Finanzierungsstrukturen wandern.
Der Markt zweifelt damit nicht grundsätzlich am KI-Boom. Die Frage lautet vielmehr: Wie viel Fremdkapital ist notwendig, um die nächste Generation der KI-Infrastruktur aufzubauen – und wie teuer wird diese Finanzierung bei dauerhaft hohen Zinsen?
Von Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
Das Original zu diesem Beitrag "Credit Default Swaps für Hyperscaler steigen Goldman warnt vor KI-Schuldenwelle" stammt von Wallstreet Online.