KI-Boom verschlingt Unsummen: Geht die Billionen-Wette der Tech-Riesen schief?
Der Wettlauf um künstliche Intelligenz wird immer teurer. Die großen Tech-Konzerne investieren in Rechenzentren, Chips und Stromnetze. Ob sie damit auch die größten Gewinner der KI-Revolution werden, ist allerdings offen. Weltweit stecken die großen Tech-Konzerne riesige Summen in künstliche Intelligenz (KI). Sie bauen Rechenzentren, kaufen KI-Chips, sichern sich Kraftwerkskapazitäten und investieren in Glasfasernetze. Microsoft, Amazon, die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Konzern Meta wollen allein in diesem Jahr bis zu 670 Milliarden Dollar in ihre KI-Infrastruktur investieren. Im nächsten Jahr soll es Schätzungen zufolge eine Billion Dollar sein. Die Logik der Tech-Branche hat sich damit verändert. Früher ließ sich Software nahezu beliebig vervielfältigen, ohne dass dafür große neue Investitionen nötig waren. KI dagegen ist kapitalintensiv. Jeder Fortschritt erfordert mehr Rechenzentren, mehr Chips, mehr Strom. Wie groß diese Wette inzwischen ist, zeigt eine Reuters-Analyse. Demnach werden Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle im nächsten Jahr wohl rund 340 Milliarden Dollar mehr aus ihrem laufenden Geschäft erwirtschaften als 2025. Gleichzeitig steigen ihre Investitionen aber um rund 534 Milliarden. Für jeden zusätzlichen Dollar, den diese fünf Unternehmen erwirtschaften, investieren sie im Schnitt also rund 1,57 Dollar. Diese Milliarden müssen finanziert werden. Jahrelang waren die großen Tech-Konzerne für ihre hohen Bargeldreserven und soliden Bilanzen bekannt. Inzwischen nehmen sie in großem Stil Geld am Anleihemarkt auf, um den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur zu bezahlen. Bekanntes Muster Aus Sicht der Unternehmen gibt es dazu keine Alternative. Ihre Logik: Wer heute nicht genügend in Rechenleistung investiert, wird morgen den Anschluss verlieren. Sprachmodelle werden immer leistungsfähiger, gleichzeitig steigen ihre Anforderungen an Chips, Speicher und Energie. Microsoft setzt für den wachsenden Strombedarf seiner Rechenzentren inzwischen sogar auf Kernenergie und hat dafür die Wiederinbetriebnahme eines Reaktors im US-Bundesstaat Pennsylvania vereinbart. Jeder Entwicklungsschritt macht den Ausbau der Infrastruktur noch teurer. Die Hoffnung: Wer heute die Infrastruktur finanziert, wird später zu den größten Gewinnern des KI-Zeitalters gehören. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings offen. Zwar wächst die Nachfrage nach KI-Diensten und Rechenleistung rasant. Doch niemand weiß, ob Unternehmen und Verbraucher später auch bereit sein werden, dauerhaft so viel Geld für KI-Anwendungen zu bezahlen, wie die heutigen Investitionen voraussetzen. Dieses Muster ist keineswegs neu. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden riesige Summen in den Ausbau der Eisenbahn gesteckt. Investoren finanzierten Tausende Kilometer neuer Strecken. Die neue Technologie veränderte die Welt und wurde zum Massentransportmittel - doch der Börsenboom endete trotzdem in einem spektakulären Crash. Der Grund: Es wurde weitaus schneller viel mehr Geld investiert, als sich mit den neuen Strecken verdienen ließ. Wie tiefgreifend künstliche Intelligenz die Gesellschaft verändern wird, ist die eine Frage. Wie die Erträge dieser Revolution verteilt werden, die andere. Noch ist offen, ob die größten Gewinner jene sein werden, die heute Hunderte Milliarden in Rechenzentren, Chips und Stromnetze investieren – oder diejenigen, die die neue Infrastruktur nutzen.