KI-Festival Heilbronn: Wie Robotik, Forschung und Innovation Menschen begeistern
Heilbronn „Wie schafft man es, dass ein Spitzenforscher auf einen zehnjährigen Jungen trifft zum Thema Robotik?“ Für Moritz Gräter, Geschäftsführer des Innovationsparks Künstliche Intelligenz (Ipai) in Heilbronn ganz klar: Auf dem KI-Festival, bei dem sich das Gelände rund um die Ipai-Spaces am Wochenende zum fünften Mal in ein riesiges Experimentierfeld verwandelt. Mit 150 Programmpunkten von mehr als 50 Ausstellern, Impulsvorträgen und Workshops bei freiem Eintritt. Für Klein und Groß, „denn am Ende ist KI keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Haltung“, findet Gräter. Nero Frank ist erst 13 Jahre alt und kennt sich bestens aus mit KI. Sie fasziniert ihn: „Es ist ziemlich spannend, dass statistische Mathematik so schlau sein kann.“ Im Rahmen des Projekts „Jugend forscht“ hat er in der Experimenta einen KI-Assistenten namens NERIO AI gebaut mit Smart-Home-Funktion, Zugriff auf den PC, auf E-Mails und Kalender. „Man kann auch mit ihm sprechen. Er ist wie eine Alexa, nur klüger“, erklärt der Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums Heilbronn. Sein KI-Assistent ist „Open Source“, das bedeutet, jeder kann ihn kostenlos herunterladen. Auch an die Gefahren hat Nero gedacht. „Der User muss jede Funktion erst genehmigen.“ Ipai-Chef: Das „Mysterium“ KI nicht der Technologie-Elite überlassen Auch für Menschen, die sich vielleicht bisher weniger mit dem Thema beschäftigt haben, ist auf dem KI-Festival eine Menge geboten. Niederschwellig zu sein, das ist ein wichtiges Anliegen des Veranstalters. „Wir wollen das Thema KI nicht der Technologie-Elite überlassen, wir wollen dieses ,Mysterium’ rausholen aus den Forschungsabteilungen und den Start-ups“, betont Moritz Gräter. 1,31 Meter groß ist der humanoide Roboter, den das Karlsruher Unternehmen Exxeta mitgebracht hat. „Ich habe 30 bewegliche Gelenke, mehrere Kameras und einen 3-D-Vida-Sensor in der Brust“, erzählt AgiBot X2 den Besuchern am Eingang des Ipai-Geländes. Wenn sie ihm zuwinken, winkt er zurück, macht lustige Gesichter und spricht, wenn ihn nicht gerade die Sonne blendet. „So ein Roboter macht KI einfach greifbar“, findet Exxeta-Mitarbeiter Kai Redecker. „Wir sind eine Software-Bude. Wir trainieren die Modelle, die aus China kommen und passen sie auf die User Cases an.“ In der Industrie ist der Roboter aber nicht vermenschlicht. „Dort sitzt der Buddy zum Beispiel auf mobilen Plattformen, kann Kleinstteile in Kisten einräumen und Kisten stapeln“, so der 30-Jährige. Jubelerkennung am Stand des VfB Stuttgart Jubeln wie die VfB-Stars: Das probieren Julian (10) und Jonathan (6) Haag am Stand des Bundesligisten. Am Bildschirm wird Julian zu Maximilian Mittelstädt, Jonathan zu Deniz Undav. Klar, dass die Brüder aus Oedheim passend dazu im Fan-T-Shirt zum KI-Festival erschienen sind. „Der Große hat momentan Interesse am Programmieren, macht aus Urlaubsbildern Kurzfilme. Deshalb sind wir hierhergekommen“, sagt Vater Stefan Haag. „Wir haben 750 Videos für die Jubelerkennung mit Profi-Fußballern, aber auch Mitarbeitern und Praktikanten gedreht“, berichtet Dr. Karoline Wild, Projektmanagerin für KI im neu gegründeten Bereich Digital Innovation des VfB Stuttgart, der als erster Bundesligist Mitglied der Innovationsplattform Ipai ist. Tore schießen kann die KI zwar nicht, aber sie kann für eine bessere Steuerung von Warteschlangen oder die Anreise der Fans genutzt werden. „Wir bauen unser Stadion zum Innovation Space um“, so Wild. Zehn Prozent mehr Aussteller hat die Ipai-Foundation für die fünfte Auflage des KI-Festivals an Bord geholt, die Fläche vergrößert. „Das ist für unser Team herausfordernd“, sagt CEO Moritz Gräter. Alles ist noch durchdachter: Die Workshops wurden in drei Lernniveaus unterteilt. Der Frauenanteil im Programm ist groß, als Kontrapunkt zur Realität, wo Frauen im KI-Bereich unterrepräsentiert sind. Auch für Kinder gibt es viele Formate, wie die interaktive Entdeckungsreise mit Maus-Moderatorin Clarissa Corréa da Silva. Das Rentennavi spart wertvolle Lebenszeit KI kann auch älteren Menschen einen Nutzen bringen. Seit einem halben Jahr ist das Start-up RentenNavi.de aus Stuttgart auf dem Markt. „Rund 2500 Kunden haben unseren Chat schon genutzt“, sagt Initiator Woldemar Metzler. Als sein Vater kurz vor dem Renteneintritt stand, sei ihm erst bewusst geworden, wie komplex das Thema ist, angefangen beim Vereinbaren von Terminen bis hin zu juristischen Dingen, sagt der KI-Entwickler und Unternehmer. „Wir erstellen einen Rentenbericht mit Infos über die zu erwartende Rente, wann man frühestens in Rente gehen kann, wann es sich lohnt, in Rente zu gehen“, zählt er auf. Am Ende steht ein voll automatisierter Rentenantrag. „Das spart den Leuten mindestens zwei Monate ihres Lebens, die sie mit schöneren Dingen verbringen können.“ Laut Statistik entstehen bei der Deutschen Rentenversicherung eine Million Stunden Wartezeit im Jahr, veranschaulicht Geschäftspartner Matthias Mafenbeier.