KI-Firmen könnten bald aufs Gehirn zugreifen: Forscher warnt vor neuer Ära
Das KI-Wettrüsten ist ein Wettlauf um das beste Modell – zumindest dachte man das bisher. Andrew Huberman, Neurowissenschaftler an der Stanford University und Podcaster, sagte, dass Technologieunternehmen wie OpenAI, Meta und Anthropic letztendlich zu Biotech-Unternehmen werden und nach Wegen suchen, die Gehirnaktivität ohne Implantate zu erfassen und zu beeinflussen.
„Das Ziel ist es, nicht-invasiv Signale aus dem Gehirn lesen und dorthin schreiben zu können“, sagte er in einer am Dienstag veröffentlichten Folge von „Invest Like The Best“.
Das könnten Hilfsmittel sein, die Menschen dabei helfen, einzuschlafen, zu lernen, sich zu konzentrieren oder Stress zu regulieren, erklärte er. Noch provokanter sind seine Vorstellungen von Geräten, die die Motivation selektiv steigern könnten, während jemand schwierige Aufgaben bewältigt, und diesen Zustand anschließend wieder ausschalten, damit sich die Person danach erholen kann.
„Ein nicht-invasives Gerät, mit dem man seine Motivation buchstäblich hochdrehen – aufdrehen – könnte“, sei die Richtung, in die sich die Technologie entwickle, sagte er. „Darum geht es beim wahren Wettrüsten der KI“, fügte er hinzu.
OpenAI, Meta und Anthropic reagierten nicht sofort auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Erste Versionen von Neurotech
Diese Zukunft ist noch in weiter Ferne, doch erste Versionen von Neurotech für Verbraucher sind bereits auf dem Markt. Neurable verkauft Kopfhörer, die Konzentration und Ermüdung überwachen, während Mave, Halo Neuroscience und LIFTiD Headsets zur Hirnstimulation vermarkten, die die Konzentration verbessern sollen.
Sona, Truvaga und Pulsetto verkaufen Wearables zur Vagusnerv-Stimulation, die den Nutzern helfen sollen, zur Ruhe zu kommen und Stress zu bewältigen. Keines dieser Geräte kann die Motivation eines Arbeitnehmers bisher zuverlässig auf die präzise, durch KI personalisierte Weise steigern oder senken, wie Huberman es sich vorstellt.
Er geht davon aus, dass der Wandel mit Schlaftechnologie für Verbraucher beginnen wird, darunter Geräte, die Augenbewegungen oder das autonome Nervensystem messen und beeinflussen. Letztendlich, so sagte er, könnten Augenmasken, Implantate und vielleicht eines Tages auch Brillen und Armbänder direktere Möglichkeiten bieten, den mentalen Zustand einer Person zu beeinflussen.
Implantierbare Vagusnerv-Stimulatoren
Er prognostizierte, dass einige Unternehmer implantierbare Vagusnerv-Stimulatoren, die die Wachsamkeit beeinflussen können und klinische Anwendungsbereiche haben, bald genauso selbstverständlich in Betracht ziehen könnten wie kosmetische Piercings.
Bryan Johnson, der auf Langlebigkeit spezialisierte Unternehmer hinter Blueprint, gehört zu den prominenten Nutzern von Pulsetto. In seiner Netflix-Dokumentation „Don’t Die“ sagte er, er nutze das Gerät zehn Minuten lang, wenn er nachts aufwache, da es ihn „ziemlich schnell“ wieder in den Schlaf versetze.
Huberman räumte die offensichtliche Sorge ein: ob Menschen „ihr gesamtes Gehirn“ einer nichtinvasiven Steuerung aussetzen würden. Er sagte, dass in solche Geräte Sicherheitsmechanismen eingebaut werden müssten.
Dennoch ist er insgesamt optimistisch. Bestehende Mittel wie Koffein, Medikamente, Sport und Atemübungen seien eher grobe Methoden, um das Gehirn zu beeinflussen, sagte er. Die nächste Generation werde personalisierter und präziser sein, wobei KI erlerne, welches Stimulationsniveau bei einer bestimmten Person Konzentration oder Motivation hervorrufe, erklärte er.
„Wir werden damit beginnen, Gehirnzustände in den Fokus zu rücken, in Modi für das Lernen“, sagte Huberman. „Und wir werden damit beginnen, dies mithilfe von Technologien zu tun.“