KI-generierte Konkurrenz zu "Die Odyssee"?
Während Christopher Nolans aufwendiges Epos "Die Odyssee" in die Kinos kommt, hat ein KI-Filmstudio seine eigene Version der antiken Geschichte produziert – mit künstlicher Intelligenz, einem Budget im fünfstelligen Bereich und zwölf digitalen "Darstellern". Das KI-Filmstudio Fountain 0 und der iranischstämmige Regisseur Ash Koosha haben einen 135 Minuten langen, vollständig mit künstlicher Intelligenz erzeugten Spielfilm auf Basis von Homers "Odyssee" fertiggestellt. Das Werk mit dem Titel "Odysseus: The Fall" soll im Laufe des Sommers über die Website des Studios abrufbar sein. Die Produktion beanspruchte lediglich drei Monate – ein Bruchteil der Zeit, die Kinoproduktionen benötigen. Die Veröffentlichung der Ankündigung fällt nicht zufällig mit dem Kinostart von Christopher Nolans fast dreistündigem Epos "Die Odyssee" zusammen, obwohl zwischen beiden Projekten keinerlei Verbindung besteht. Fountain 0 sieht den eigenen Film als Demonstration dessen, was KI-gestützte Filmproduktion heute leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen. Regisseur mit persönlicher Verbindung zum Stoff Koosha, der bereits das KI-generierte Doku-Drama "Dreams of Violets" über die Proteste im Iran inszenierte – es feierte seine Premiere beim Tribeca Festival –, beschreibt eine lebenslange Faszination für den griechischen Helden. "Ich bin seit meiner Kindheit davon besessen", erklärte er gegenüber "Variety". Die Figur des Odysseus und seine ganz eigene Interpretation des Stoffes hätten ihn angetrieben, das Projekt in Angriff zu nehmen. Technisch kam der KI-Videogenerator Kling zum Einsatz. Ein klassisches Drehbuch existierte nicht – stattdessen arbeitete Koosha mit Notizen, die ihm die Freiheit gaben, den Film während der gesamten Produktion fortlaufend anzupassen. "Wir befinden uns gerade in der Postproduktion", sagte er laut "Variety". "Das Skript ist immer noch offen für Interpretation. Warum? Weil die Risiken nicht existieren." Das Budget bezifferte Koosha auf einen Betrag im "mittleren fünfstelligen Bereich". Zwölf menschliche Vorlagen – Koosha selbst als Odysseus Für die Figuren im Film stellten zwölf reale Personen ihr Abbild zur Verfügung. Unter ihnen befanden sich eine professionelle Schauspielerin, mehrere Models, Menschen ohne jeglichen Bezug zur Unterhaltungsbranche sowie Tom Rogers, der geschäftsführende Vorsitzende von Fountain 0. Koosha selbst fungierte als Vorlage für die Hauptfigur Odysseus. Die Beteiligten erhalten keine feste Gage, sondern partizipieren an den Einnahmen des Films. Rogers räumte unumwunden ein, dass der KI-Film den Vergleich mit Nolans Werk nicht gewinnen könne: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand denken wird, dieser Film sei besser als Nolans Film." Vielmehr solle "Odysseus: The Fall" als "Referenzpunkt" dienen, um die Bandbreite von KI-Filmproduktion aufzuzeigen – vom intimen Arthouse-Drama bis hin zum Heldenepos. KI als Werkzeug, nicht als Gegenentwurf Das Regie-Führen über digitale Abbilder bringe eigene Vorteile mit sich, betonte Rogers. Gerade bei Personen ohne Schauspielerfahrung sei es deutlich einfacher, über deren KI-generiertes Abbild die gewünschte Wirkung zu erzielen, als sie vor einer realen Kamera anzuleiten. Empfehlungen der Redaktion Hinter den Kulissen von "Die Odyssee" Langer Trailer zu Christopher Nolans Action-Epos "Die Odyssee" Kinostart "Die Odyssee": Wie gut ist Christopher Nolans Neuverfilmung? Koosha selbst wies die Vorstellung zurück, traditionelles und KI-gestütztes Filmemachen stünden in Konkurrenz zueinander. "Es geht nicht darum, traditionellen Film gegen KI-Film zu stellen", sagte er. Sobald die gesellschaftliche Debatte um künstliche Intelligenz abflache und KI nicht mehr als etwas Fremdes wahrgenommen werde, rückten wieder die Geschichten in den Mittelpunkt. (red)