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KI-generierte Serie "The Arc": So viel hat die Produktion gekostet

Technologie

Als die Macher von „The Arc“ grünes Licht für eine kurze fiktionale Serie bekamen, hatten sie noch nicht einmal ein Konzept. Trotzdem lieferten sie dreieinhalb Wochen später den finalen Schnitt der ersten Folge ab. Möglich war das, weil die Serie mit KI generiert wurde. Sie kam ohne Schauspieler, Kulissen, Requisiten oder Kostüme aus.

Regie bei der fünfteiligen Sci-Fi-Actionserie führte Darin Stewart, als Executive Producer fungierte der KI-Content-Creator Simone Ferretti. Die Serie mit einer Gesamtlaufzeit von rund 83 Minuten wurde von Artlist, einer KI-Plattform für Videoproduzenten, in Auftrag gegeben und mit deren Tools umgesetzt. Sie spielt in einem Amerika der nahen Zukunft und erzählt von einem inhaftierten Veteranen, der sich durch tödliche historische Simulationen kämpfen muss, um ein Heilmittel für seinen sterbenden Sohn bezahlen zu können. Auf der Website von Artlist ist sie kostenlos abrufbar.

Nach Angaben der Filmemacher entstand die Serie mit einem kleinen Produktionsteam und KI-Credits im Wert von rund 38.000 Dollar (34.000 Euro). Diese stellte Artlist zur Verfügung, eine Abo-Plattform, die Nutzern Zugang zu mehreren KI-Bild- und Videogeneratoren an einem Ort bietet.

„The Arc“ umfasst mehrere Epochen und Schauplätze, deren Umsetzung normalerweise ein großes Budget erfordern würde.

„Wir hatten nie das Budget oder die Gelegenheit, nach Japan zu reisen und dort eine Schlachtszene zu drehen“, sagte Stewart über sein Produktionsteam, dessen Mitglieder allesamt aus der klassischen Unterhaltungsbranche stammen. Mit KI hätten sie Szenen im Japan des 17. Jahrhunderts und im Montana des 19. Jahrhunderts produzieren können, ohne an die üblichen Budgetgrenzen zu stoßen.

Stewart betonte, die Ideen seien „von vorne bis hinten“ von Menschen gekommen. Das Team habe Handlung, Figuren und Schauplätze selbst entwickelt.

Für jede Folge sprach das Team zehn Minuten lang alle Gedanken dazu aus, was passieren soll, welche Dialoge vorkommen und welche Kamerabewegungen gewünscht sind. Das diente als Prompt für Claude von Anthropic, und innerhalb weniger Minuten lag ein brauchbares Drehbuch vor, das das Team anschließend überarbeitete.

Für Charakterbögen und Moodboards nutzten sie ShotDeck, eine Online-Bibliothek mit Bildern aus Filmen und Serien, sowie die Designplattform Figma. Der Prozess sei „ziemlich ähnlich wie bei einer klassischen Produktion“ gewesen, so Stewart. Zur Bildgenerierung kamen zudem Tools wie Googles Nano Banana Pro und GPT Image 2 zum Einsatz.

Ein Speisesaal in Folge fünf hatte weiß leuchtende Böden – ein Detail, das direkt von den leuchtenden Böden im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ von 1968 inspiriert war. Das Team legte auch fest, welche Gegenstände im Raum stehen sollten, etwa eine bestimmte Steinstatue oder die Gemälde an den Wänden. Claude diente dabei als Rechercheassistent, um herauszufinden, welche Gemälde für die Figur plausibel wären.

„Wir arbeiten genauso detailliert, wie wir es auch an einem echten Set tun würden“, sagte Stewart.

Sobald alle Details feststanden, wurden die Szenen vor allem mit den KI-Videomodellen Seedance und Kling generiert. Pro Folge fielen im Schnitt rund 7600 Dollar (6800 Euro) an KI-Credits an, die Folgen sind zwischen zehn und 22 Minuten lang.

Laut Stewart konnte eine einzelne Einstellung acht bis zehn Generierungen erfordern. Mit den Credits sei das Team sparsam umgegangen: Die ersten Durchläufe wurden in niedrigerer Auflösung erstellt, die Ausgabequalität erst erhöht, wenn das gewünschte Ergebnis feststand.

Die Auswirkungen von KI auf Hollywood

KI im Filmgeschäft ist in Hollywood zum Streitthema geworden. Manche sehen in der Technologie eine Bedrohung für Arbeitsplätze in einer Branche, in der ohnehin viele Mühe haben, Jobs zu finden. Im vergangenen Jahr verurteilte die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA Tilly Norwood, eine KI-generierte Figur, die als Schauspielerin vermarktet wird. Die Gewerkschaft warnte, KI-Darsteller bedrohten die Existenzgrundlage von Schauspielern und entwerteten menschliche Kunst.

Dennoch setzen einige Branchengrößen auf die Technologie. Netflix-Co-CEO Ted Sarandos sagte bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im Juli, dass bei rund 300 Titeln des Streamingdienstes an irgendeiner Stelle im Arbeitsprozess KI eingesetzt worden sei.

Ferretti sagte, Kreative und Filmemacher hätten unzählige Geschichten, die sie gern erzählen würden, doch ihnen fehle das Geld oder die nötigen Kontakte, um sie umzusetzen. KI könne dazu beitragen, dass mehr dieser Geschichten erzählt werden.

Zudem gebe KI Filmemachern mehr Möglichkeiten, zu experimentieren und ihren kreativen Impulsen zu folgen. Bei „The Arc“ habe sie es ermöglicht, eine Figur sterben zu lassen, deren Tod ursprünglich nicht geplant war – denn anders als bei einer klassischen Produktion waren dafür keine Nachdrehs am anderen Ende der Welt nötig.

Mit einem größeren Budget hätte das Team laut Stewart mehr Leute für verschiedene Bereiche der Produktion eingestellt. „Jeder in unserem Team hat seine vollen Tagessätze bekommen, genauso wie am Set“, fügte er hinzu.

Er vermisse zwar den Zusammenhalt am Set, sagte Stewart. Dennoch sei die Produktion einer Serie mit KI spannend gewesen, weil die Technologie ihm mit weniger Ressourcen so viel ermöglicht habe. „Für jemanden, der schon immer Filme und Serien machen und Geschichten erzählen wollte, ist das einfach das beste Gefühl überhaupt“, sagte er.

Die Serie wurde bereits bei Vorführungen in London und Los Angeles gezeigt. Die Filmemacher arbeiten daran, sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Stewart möchte mit KI-Filmen an einen Punkt kommen, an dem „das breite Publikum die Kunst und die Geschichte schätzt und es ihm egal ist, wie genau sie entstanden sind“.

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