KI-Gesichtserkennung verwechselt Kunden mit Ladendieb: Supermarkt wirft Unschuldigen raus
Der 46-jährige Engländer Matt Arnold erlebte beim Einkaufen eine böse Überraschung. Als er an einer Selbstbedienungskasse in einer Londoner Filiale der Kette Sainsburys bezahlen wollte, forderten ihn zwei Mitarbeiter auf, das Geschäft sofort zu verlassen. Wie die britische Rundfunkanstalt BBC berichtet, hatte eine KI-gesteuerte Überwachungskamera sein Gesicht gescannt und ihn fälschlicherweise mit einem bekannten Ladendieb verwechselt.
Aus Supermarkt geworfen: KI-Kamera verwechselt Kunden mit notorischem Ladendieb
Die betroffene Filiale schaltete das System nach dem Vorfall vorübergehend ab. „Was mich jedoch beunruhigt hat, war der Gedanke, dass die Zukunft so aussehen könnte – dass die Menschen einfach darauf hören, was die Maschine ihnen sagt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken“, so Arnold rückblickend. Er hatte alle seine Artikel sowie die Kundenkarte korrekt eingescannt. Dennoch verließen sich die Mitarbeiter ausschließlich auf die Anweisung der Maschine.
„Nicht richtig ausgerüstet“: Kunde fordert bessere Schulungen für das Personal
Sainsburys und der Kamera-Hersteller Facewatch entschuldigten sich für den Vorfall. Sie betonten jedoch, dass nicht die Technik versagt habe. „Die Kunden können beruhigt sein: Das System hat eine Genauigkeit von 99,98 Prozent und jeder Treffer wird von einer geschulten Führungskraft überprüft“, verteidigte ein Facewatch-Sprecher die Technik. Der Fehler sei stattdessen auf menschliches Versagen der Belegschaft zurückzuführen.
ANZEIGE
ANZEIGE
Trotz seiner „schrecklichen“ Erfahrung zeigt Arnold Verständnis: Er habe Mitleid mit dem Personal, erklärte er gegenüber der BBC. „Fehler werden passieren. Sie werden nicht richtig ausgerüstet, um die KI richtig einzusetzen.“ Er fürchtet, dass ohne Änderungen auch künftig unschuldige Menschen aufgehalten werden. Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt diese Sorge. Erst vor wenigen Monaten wurde in einem anderen Sainsburys ein Mann fälschlicherweise des Ladens verwiesen.
Studie: KI-Gesichtserkennung in Deutschland „hochproblematisch“
Auch der deutsche Einzelhandel kämpft mit massiven finanziellen Einbußen durch Ladendiebe. Laut einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts EHI entstanden im Jahr 2025 Schäden von rund 4,33 Milliarden Euro. Allein Kundendiebstähle machten davon 3,05 Milliarden Euro aus. Deshalb investieren Unternehmen immer stärker in Sicherheitsmaßnahmen. Eine biometrische Gesichtserkennung wie im Fall von Matt Arnold ist hierzulande jedoch keine realistische Option.
Eine Studie des Instituts ibi-research an der Universität Regensburg aus dem April 2026 kommt zu einem deutlichen Ergebnis. Die Identifizierung von Kunden mit Gesichtserkennung im stationären Handel ist rechtlich „hochproblematisch“ und in der Regel nicht zulässig. Deutsche Supermärkte nutzen KI stattdessen auf andere Weise, um Diebstähle aufzudecken: Händler wie Lidl oder bestimmte Edeka-Filialen setzen an Selbstbedienungskassen immer öfter auf Systeme mit Bilderkennung und Gewichtskontrollen.