DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin -0,02 % 64.298,69 USD 09:25:24 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

KI im Betriebssystem-Kern: Wie sich die Kontrolle über das Smartphone verschiebt

Technologie

KI wandert 2026 tief in den Systemkern von iPhone und Android. Fachleute warnen vor neuen Risiken und schwindender Nutzerkontrolle. Wem gehört unser Handy? Künstliche Intelligenz ist auf modernen Smartphones nicht mehr eine App unter vielen, sondern zunehmend fester Bestandteil des Betriebssystems. Das zeigt sich besonders deutlich an Apples überarbeitetem Sprachassistenten, den das Unternehmen in der öffentlichen Testversion von iOS 27 verfügbar gemacht hat. Weiterlesen nach der Anzeige Wie das US-Magazin Wired berichtet, ist "Siri AI" dort nicht mehr nur eine Sprachsteuerung, sondern in die Suchfunktion, die Kamera-App und weite Teile der Bedienung eingebaut. Josh Clark, Leiter der Digitalagentur Big Medium, erklärte, Siri habe Zugriff auf einen Kontext, den Chatbots wie ChatGPT oder Claude nicht ohne Weiteres hätten, "weil Siri im Betriebssystem verankert ist". Nabila Popal, Analystin beim Marktforscher International Data Corporation (IDC), beschrieb die Integration "über das gesamte Ökosystem" hinweg als gelungen. Das Betriebssystem als ständiger Beobachter Grundlage der neuen Funktionen ist ein Indexierungsprozess, der auf dem Gerät eine durchsuchbare Datenbank anlegt – in den Testversionen als "Optimizing Search and Siri" bezeichnet. Dadurch kann der Assistent Daten aus Textnachrichten, Kalender und Bildschirminhalten zusammenführen. Wired-Autor Reece Rogers schildert, wie Siri aus seinen Nachrichten eine anstehende Bestellung sowie Termine aus dem Kalender heraussuchte und Vorschläge daraus ableitete. Nutzer können in den Einstellungen begrenzt eingreifen: Über den Punkt "App Access" lässt sich pro Anwendung die Option "Learn from this App" abschalten, und unter "Keep Conversations" kann gewählt werden, ob Chats dauerhaft, ein Jahr oder 30 Tage gespeichert werden. Diese Lernfunktionen sind standardmäßig aktiviert, sobald Siri AI eingeschaltet ist. Die Funktionen setzen ein iPhone 15 Pro oder neuer voraus. Weiterlesen nach der Anzeige Werbeversprechen der Hersteller Die Gerätehersteller stellen die Systemintegration vor allem als Sicherheitsgewinn dar. Auch Samsung warb auf der Elektronikmesse CES 2026 mit dem Thema Vertrauen. Bei einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "In Tech We Trust?" erklärte Shin Baik, Leiter von Samsungs AI Platform Center: "Vertrauen in KI beginnt mit Sicherheit, die bewiesen und nicht nur versprochen ist." Er verwies auf die Sicherheitsplattform Knox und das geräteübergreifende System Knox Matrix. Nutzer wollen zwar wissen, ob ein Modell lokal oder in der Cloud läuft, doch am Ende des Tages zählt unterm Strich für viele nur die Bequemlichkeit. Der Streitpunkt Cloud: Apples "Private Cloud Compute" Ein zentrales Konfliktfeld ist die Frage, wann Daten das Gerät verlassen. Apple hatte bereits mit der Vorstellung von Apple Intelligence ein System namens Private Cloud Compute (PCC) angekündigt, das rechenintensive Anfragen auf eigene Server auslagern soll. Apple dies "die fortschrittlichste Sicherheitsarchitektur, die je für Cloud-KI in großem Maßstab eingesetzt wurde". Das Unternehmen nennt eigens gefertigte Server mit Manipulationssiegeln, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Verbindungen, ein zustandsloses Verfahren, bei dem Daten nach der Bearbeitung gelöscht werden, sowie ein "Transparenz-Protokoll", über das externe Forscher den eingesetzten Programmcode prüfen können sollen. Der Programmierer Simon Willison lobte gegenüber Gizmodo vor allem die Prüfbarkeit des Systems. Kritischer äußerte sich Matthew Green, Kryptografie-Professor an der Johns Hopkins University: "Ich mag es nicht", sagte er mit Blick darauf, dass PCC deutlich mehr Nutzerdaten in einem Rechenzentrum bündele, während bislang das meiste auf den Geräten selbst liege. Apples Chips seien für die gewünschten KI-Aufgaben nicht leistungsstark genug, weshalb Daten an Server geschickt würden. Green kritisierte, es sei unklar, ob Nutzer PCC abwählen könnten und welche Daten lokal blieben und welche in die Cloud wanderten. Gizmodo verwies zudem darauf, dass Unternehmen Sicherheitsversprechen häufig nicht überprüfbar machten. Die bisherige Praxis zeigt: Viele als "on-device" beworbene Funktionen reichten komplexe Anfragen weiterhin an die Cloud weiter, und Analysefunktionen auf Betriebssystemebene erfassten Metadaten. Man sollte als Nutzer daher das tatsächliche Netzwerkverhalten einer App prüfen, nicht nur deren Werbeaussagen. Das geht allerdings nur, wenn man vollständig Zugriff auf das Betriebssystem hat – was bei Apple ohnehin schwierig bis unmöglich ist und Google bei Android zumindest stark einschränken will. Prompt Injection: Wenn der Assistent zum Angriffsweg wird Mit Assistenten, die eigenständig handeln, entstehen zudem neue Angriffsflächen. Als besonderes Risiko gilt die sogenannte Prompt Injection: Wenn ein KI-Agent im Auftrag des Nutzers das Web durchsucht oder E-Mails liest, können Angreifer versteckte Anweisungen in einer Seite oder Nachricht platzieren. Das klassische Beispiel ist ein Buchungsassistent, der eine manipulierte Kalendereinladung liest und dadurch dazu gebracht werden könnte, den Link zum Zurücksetzen eines Passworts an einen Fremden zu senden. Agenten, die selbst tippen Wie weit die Auslagerung von Handlungen an die KI gehen kann, zeigt ein Beispiel aus China. Die ZTE-Marke Nubia kündigte jüngst ein Smartphone an, dessen KI-Agent Apps eigenständig bedient, Preise vergleicht und Käufe abschließt. ZTE-Vizepräsident Ni Fei bestätigte das Gerät auf dem Kurznachrichtendienst Weibo. Es setzt auf die Doubao-KI des TikTok-Mutterkonzerns ByteDance und nutzt eine sogenannte GUI-Agent-Architektur, die den Bildschirm wie ein Mensch abliest und antippt. In Tests chinesischer Medien benötigte die KI rund 30 Sekunden für eine Aufgabe, die ein Mensch in zehn Sekunden erledigt. Ein westlicher Marktstart ist nicht geplant; der Bericht verweist auf den regulatorischen Druck rund um ByteDance in den USA. Laut dem Marktforscher Counterpoint Research sollen KI-fähige Smartphones 2026 insgesamt rund 45 Prozent der weltweiten Auslieferungen ausmachen, nach 36 Prozent im Jahr 2025. Zwischen Bequemlichkeit und Kontrolle Hersteller bewerben tief integrierte KI als sicherer und komfortabler, während unabhängige Fachleute auf ungelöste Fragen verweisen. Bisher bleiben Nutzern nur Schritte wie das Abschalten der Nutzung von Konversationen zum Training, das Trennen von Konten für private und berufliche Zwecke sowie den Einsatz lokal laufender, quelloffener Modelle für sensible Aufgaben. Doch ob die große Masse der Smartphonenutzer diese Ratschläge umsetzt, scheint mehr als fraglich.

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