KI im Job: Forscher warnen vor Technostress bei körperlicher Arbeit
Digitalisierung verändert nicht nur Bürojobs: Beschäftigte mit körperlicher Arbeit berichten laut einer Studie bei mehr digitaler Technik am Arbeitsplatz über schlechtere Gesundheit und deutlich mehr Krankheitstage.
Das zeigt eine Analyse des Ifo-Instituts gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Konstanz. »Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der digitale Wandel bestehende gesundheitliche Ungleichheiten verstärken könnte«, sagte Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard Ifo-Zentrums für Soziale Marktwirtschaft in Fürth. »Beschäftigte ohne klassische Bürojobs berichten bei stärkerer Digitalisierung von geringerem gesundheitlichem Wohlbefinden und mehr Fehlzeiten.«
Die Digitalisierung könnte bestehende gesundheitliche Ungleichheiten verschärfen, denn gerade Beschäftigte mit körperlichen Tätigkeiten und niedriger formaler Bildung seien ohnehin bereits häufiger gesundheitlich belastet, heißt es. »Eine mögliche Erklärung ist Technostress: Neue digitale Anforderungen können besonders dann belasten, wenn Beschäftigten die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen fehlen«, erklärt Schlenker die Ergebnisse.
Es gibt auch Lösungen
Die Forscher zeigen aber auch Lösungen auf: Gezieltes Digital-Training und Unterstützung seitens des Arbeitgebers scheinen laut der Studie den Zusammenhang abzumildern. Betroffene Beschäftigte, die an Schulungen teilnahmen, zeigten kaum schlechtere Gesundheit und keine zusätzlichen Fehltage. Auch eine unterstützende Führungskultur scheint demnach entlastend. Beschäftigte, die sich von ihren Vorgesetzten gut unterstützt fühlen, haben deutlich weniger zusätzliche Krankheitstage, wenn ihr Arbeitsplatz digitaler wird.
Für die Analyse wurden repräsentative Betriebs- und Beschäftigtenbefragungen zur Nutzung digitaler Technologien sowie Sozialversicherungsdaten von 2011 bis 2019 ausgewertet. Die Studie misst demnach Gesundheit auf zwei Arten. Zum einen sollten Befragte ihre eigene Gesundheit auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten. Zum anderen erfasste die Studie die Zahl der Krankheitstage im Jahr vor der Befragung. Andere Einflüsse wie Alter, Einkommen, Bildung, frühere Gesundheit, Persönlichkeit, Branche, Beruf und Betriebsmerkmale wurden dabei statistisch berücksichtigt.