KI-Kameras entdecken Gurtverstöße - doch Tausende Bescheide werden aufgehoben
Die Western Australia Police Force zog Hunderte Bußgeldbescheide zurück, die neue KI-Verkehrskameras erfasst hatten. Die Behörden hatten den Fahrern vorgeworfen, dass ihre Mitfahrer nicht ordnungsgemäß angeschnallt waren. In mehreren Fällen sah die Polizei jedoch von einer weiteren Verfolgung ab. Eine Prüfung der vorliegenden Beweise ergab keine realistische Aussicht auf eine Verurteilung, wie das australische Nachrichtenportal „ABC“ berichtete.
Polizeichef Blanch: „Wollen die Zeit des Gerichts nicht verschwenden“
„Wir wollen die Zeit des Gerichts nicht mit einer Angelegenheit verschwenden, die wir ohnehin nicht gewinnen werden“, erklärte Polizeichef Col Blanch gegenüber dem Portal. Hunderte Fälle verfolgte die Polizei nicht weiter, da sie nicht nachweisen konnte, dass die Fahrer vom Gurtverstoß wussten. Blanch stellte jedoch klar: „Das bedeutet nicht, dass sich jeder eine Geschichte ausdenken und uns einfach erzählen kann, was er denkt.“
Autofahrer wehren sich erfolgreich gegen KI-Beweise
Auch Lisa Taylor, deren zehnjährige Tochter den Gurt unter den Arm geschoben hatte, war von einem solchen Fall betroffen. Die Mutter berichtete gegenüber „ABC“, ein Polizeistaatsanwalt [Anm. d. Red. polizeilicher Anklagevertreter] habe ihr am Telefon mangels Klagegrundlage eine Einstellung zugesichert. „Er sagte, dass sie unter keinen Umständen wollen, dass Autofahrer sich umsehen und überprüfen, ob ihre Kinder, Partner oder Freunde angeschnallt sind“, erklärte sie.
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So erkennt KI mögliche Verstöße
Die Safety Cameras in Western Australia überwachen der Road Safety Commission zufolge Verkehrsverstöße wie Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie Verstöße gegen die Gurt- und Handyvorschriften. Eine KI-Software analysiert sämtliche Aufnahmen und löscht das Bild automatisch und dauerhaft, wenn kein Verstoß erkannt wird.
Erkennt die KI einen möglichen Verstoß, kontrollieren mindestens zwei unabhängige menschliche Prüfer die Aufnahme, bevor ein Bußgeld verhängt wird. Die Kameras sollen der Behörde nach vor allem durch die Abschreckung vor einer möglichen Kontrolle zu einem sichereren Fahrverhalten beitragen.
Innerhalb eines Jahres: Zahl der Verstöße um 76 Prozent zurückgegangen
Seit der Installation im Oktober 2025 erfassten die Kameras in der Region laut „ABC“ 81.412 Verstöße gegen die Gurtpflicht. Diese wurden mit 550 Dollar (etwa 340 Euro) und vier Punkten geahndet. Die Polizeistaatsanwälte hoben rund 5700, also etwa sieben Prozent, der Bußgeldbescheide nach plausiblen Einsprüchen auf.
Die Verkehrssicherheitsbehörde hält trotz möglicher Fehlerquellen an den Kameras fest. Denn die Technologie hatte nach Angaben der Road Safety Commission bereits einen positiven Effekt: Von September 2025 bis Juli 2026 ging die Zahl der erfassten Gurt- und Handyverstöße um durchschnittlich 76 Prozent zurück. Zudem sank der Anteil der tödlichen Unfälle ohne Sicherheitsgurt laut der Behörde von einem Zehnjahresdurchschnitt von 23 Prozent auf zuletzt 13,8 Prozent im Jahr 2025.
Gurtpflicht: 200 Verkehrstote könnten verhindert werden
Die Gurtanlege-Quote auf deutschen Straßen ist nach Daten der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) auf einem hohen Niveau. 2025 lag die Gesamtsicherungsquote erwachsener Pkw-Insassen in Deutschland bei 97,9 Prozent, bei den Fahrenden bei 98,5 Prozent.
Bei erwachsenen Mitfahrern auf den Rücksitzen schnallten sich jedoch deutlich weniger an: Hier waren es 89,4 Prozent. Bei Kindern war die Sicherungsquote mit 99,2 Prozent noch höher.
Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aus dem Jahr 2018 könnte man in Deutschland jährlich rund 200 Verkehrstote und 1.500 Schwerverletzte vermeiden, wenn sich alle Autoinsassen korrekt anschnallen würden. Im vergangenen Jahr starben in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 2.832 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen. Rund 371.000 Menschen verletzten sich, darunter etwa 49.200 schwer.