DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei -0,80 % 62.189,65 Pkt 07:45:03 Gold -0,38 % 4.023,00 USD 00:44:18 Silber -0,60 % 54,02 USD 00:43:39 Brent -0,36 % 110,34 USD 00:42:55 WTI -0,31 % 101,44 USD 00:43:45 Bitcoin -0,07 % 79.969,86 USD 00:54:10 EUR/USD -0,39 % 1,11770 USD 00:53:44 EUR/GBP +0,02 % 0,83730 GBP 00:54:19 EUR/CHF +0,52 % 0,92480 CHF 00:54:18 EUR/JPY +0,24 % 176,012 JPY 00:54:18

KI-Krise und Ölpreisschock

Wirtschaft

Die wichtigsten Eckpunkte

Tech-Zahlen lösen erneuten Ausverkauf an der Wall Street aus.

KI-Investitionen und Finanzierungskosten verunsichern die Anleger.

Kospi stürzt ab, Chinas Aktienmarkt im Bärenmarkt.

Ölpreisschock verschärft den Druck auf die Aktienmärkte.

Die Aktienmärkte stehen am Donnerstagmorgen weltweit unter kräftigen Verkaufsdruck. Enttäuschende Reaktionen auf die mit Spannung erwarteten US-Tech-Zahlen, steigende Ölpreise und die Eskalation im Nahen Osten belasten die Stimmung. Von der Wall Street über den DAX bis zum südkoreanischen Kospi und dem chinesischen Leitindex dominieren die Minuszeichen. Besonders die Zweifel am KI-Boom nehmen wieder zu. Die jüngste Erholung an den Börsen steht damit bereits wieder auf der Kippe.

Tech-Zahlen setzen Aktienmärkte unter Druck

Die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen der US-Technologiekonzerne haben zunächst überwiegend negative Kursreaktionen ausgelöst. Besonders deutlich erwischte es den Halbleiterausrüster Lam Research, dessen Aktie trotz besser als erwarteter Ergebnisse nachbörslich um rund 8,6 Prozent einbrach. Tesla verlor 4,7 Prozent, nachdem der operative Gewinn und die Autoumsätze deutlich zurückgegangen waren. Auch die IBM-Aktie gab trotz eines Umsatzanstiegs um fünf Prozent rund 5,4 Prozent nach. Einzig die Facebook-Muttergesellschaft Meta konnte sich dem Abverkauf entziehen. Die Aktie legte nach überzeugenden Geschäftszahlen nachbörslich um rund 2 Prozent zu.

Die negativen Kursreaktionen belasten auch die US-Index-Futures. Der Nasdaq 100 verliert vorbörslich 1,6 Prozent, während der S&P 500 um 0,9 Prozent nachgibt. Auch der DAX gerät in den Sog der schwachen Wall Street und notiert rund 0,8 Prozent im Minus.

Die Reaktionen verdeutlichen, wie hoch die Erwartungen an die Technologiebranche inzwischen sind. Selbst positive Überraschungen reichen vielfach nicht mehr aus, um die Anleger zu überzeugen. Besonders kritisch sehen Investoren die milliardenschweren Ausgaben für KI-Rechenzentren und deren zunehmend teure Finanzierung. Zwar wächst das Geschäft weiterhin kräftig, doch die Frage, wann sich die gewaltigen Investitionen tatsächlich auszahlen, rückt zunehmend in den Mittelpunkt.

Die Märkte scheinen inzwischen deutlich mehr als überzeugende Wachstumsaussichten zu verlangen. Die Messlatte für positive Gewinnüberraschungen liegt hoch, während Sorgen über steigende Finanzierungskosten, ambitionierte Bewertungen und eine mögliche KI-Blase die Stimmung belasten. Mit den Quartalszahlen von Microsoft und Alphabet stehen Mitte kommender Woche die nächsten wichtigen Stimmungstests für den KI-Sektor und die Aktienmärkte bevor.

Kospi bricht ein – China im Bärenmarkt

Wie stark das Vertrauen in den KI-Boom bereits gelitten hat, zeigt sich besonders deutlich in Südkorea. Der Kospi, der wegen der Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix als wichtiger Gradmesser für den globalen Halbleiterboom gilt, verliert am Donnerstag weitere 3,5 Prozent. Seit seinem Allzeithoch hat der südkoreanische Leitindex inzwischen rund 41 Prozent eingebüßt. Damit setzt sich der massive Ausverkauf in einem der meist beachtetesten Märkte für KI-Hardware fort.

Auch in China verschärft sich die Lage. Der CSI 300, der die wichtigsten Aktien der Börsen Shanghai und Shenzhen abbildet, rutschte am Donnerstag zeitweise um knapp zwei Prozent auf 4.031 Punkte ab. Gegenüber seinem Hoch vom 23. Juni bei 5.064 Punkten entspricht das einem Einbruch von 20,4 Prozent. Damit ist der chinesische Leitindex offiziell in einen Bärenmarkt eingetreten. Besonders Aktien aus dem Technologiesektor stehen unter Druck. Alibaba führte die Verluste unter den chinesischen E-Commerce-Unternehmen an, nachdem die Regierung strengere Qualitätskontrollen gefordert hatte.

Ölpreisschock verschärft die Börsenrisiken

Neben den enttäuschenden Reaktionen auf die Tech-Zahlen sorgt die Eskalation im Nahen Osten für zusätzliche Verunsicherung. Nach tödlichen Angriffen in Saudi-Arabien wächst die Sorge, dass sich der Konflikt weiter ausbreitet und die Ölversorgung beeinträchtigt. Der Brent-Ölpreis für stieg am Donnerstag um bis zu 2,5 Prozent auf 111,50 Dollar je Barrel. Zusätzliche Nervosität löste die Anweisung des US-Außenministeriums aus, einen Teil des diplomatischen Personals aus Saudi-Arabien abzuziehen.

Der erneute Ölpreisanstieg droht den Inflationsdruck zu verstärken und damit die geldpolitischen Spielräume der US-Notenbank Fed einzuengen. Für die Aktienmärkte wäre das eine zusätzliche Belastung, insbesondere für hoch bewertete Technologieaktien, deren milliardenschwere Investitionsprogramme auf günstige Finanzierungsbedingungen angewiesen sind.

Die zunehmende Risikoaversion zeigt sich auch an den Anleihemärkten. US-Staatsanleihen profitierten von einer steigenden Nachfrage nach sicheren Anlagen, während Gold und Bitcoin nachgaben.

Für die Wall Street zeichnet sich damit ein schwieriger Handelsstart ab. Die negativen Reaktionen auf die Tech-Zahlen verstärken die Zweifel an der Tragfähigkeit des KI-Booms, während der Ölpreisschock neue Inflationssorgen schürt. Ein Ende des KI-Ausverkaufs ist bislang nicht in Sicht. Solange eine nachhaltige Bodenbildung ausbleibt und die geopolitischen Risiken hoch bleiben, drohen den Aktienmärkten weitere Kursverluste.

Über den RedakteurStefan Jäger

Finanzjournalist und Trader

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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