KI macht Bremer Rechtsanwalt fälschlicherweise zum Angeklagten
Michael Zinke findet im Netz Falschinformationen über sich. Er versucht, sich dagegen zu wehren. Jetzt gab es eine Wendung – wohl durch die Berichterstattung von buten un binnen.
Als Michael Zinke vor fünf Wochen seinen Namen bei der Google-KI Gemini eingibt, steht dort, Zinke sei derzeit vor dem Landgericht Bremen wegen Betrugs angeklagt. "Da hat es also eine Fehlverknüpfung bei der KI gegeben, die dann behauptet hat, dass mir die Zulassung vor über zwei Jahren von der Bremer Rechtsanwaltskammer entzogen worden sei", erklärt Zinke.
Darüber hinaus behauptet die KI, es solle im Juni 2026 Anklage wegen schwerer Untreue und schweren Betrugs beim Landgericht Bremen gegen ihn erhoben worden sein.
KI gibt buten un binnen Beitrag fälschlicherweise als Quelle an
Am Ende des KI-Beitrags von Gemini wird ein buten un binnen Fernsehbericht verlinkt, der von einem Betrugsfall eines ganz anderen Anwalts handelt. "Man kann sich vorstellen, dass ein potenzieller Mandant oder auch bestehende Mandanten, die sowas zu lesen bekommen, natürlich denken, da könnte irgendwie was Wahres dran sein", so Zinkes Befürchtung.
Für mich ist es erschreckend, sie können im Grunde damit wirklich Existenzen ruinieren, definitiv.
Michael Zinke, Bremer Rechtsanwalt
Wenig Reaktion von Google
Michael Zinke wendet sich an Google und fordert eine sofortige Löschung der falschen Beschuldigung. Google reagiert nicht auf sein Schreiben. Das überrascht Dennis Kenji Kipker, IT-Rechtsexperte von der Uni Bremen, nicht. "Dass Google darauf nicht reagiert hat, ist relativ naheliegend", so Kipker.
Dann würde man ja quasi bewusst zeigen, dass das Sprachmodell nicht richtig funktioniert und dass es zu Fehlern führen kann. Das könnte natürlich weitere negative Presseberichterstattung nach sich ziehen, oder vielleicht sogar zu einem Skandal führen, sodass Leute sagen: Wir können so einem Sprachmodell letzten Endes nicht mehr vertrauen.
Dennis Kenji Kipker, IT-Rechtsexperte an der Uni Bremen
Auch buten un binnen versuchte Kontakt mit Google aufzunehmen. Aus der schriftlichen Antwort des Unternehmens dürfen wir nicht direkt zitieren. Zum konkreten Fall will sich Google nicht äußern.
Der Konzern verweist nur darauf, dass die überwiegende Mehrheit der KI-Übersichten korrekt sei. Trotzdem könne es vorkommen, dass Web-Inhalte falsch interpretiert werden. Gegen Verstöße würde man umgehend vorgehen, um das System zu verbessern.
Zinke wendet sich an Bremer Anwaltskammer
Fest steht: Das Ansehen von Rechtsanwalt Zinke wurde im Netz durch die KI-Angaben beschädigt. Der Bremer ersuchte bereits Hilfe bei der Anwaltskammer Bremen.
"Die haben mir dann ein Schreiben fertig gemacht, woraus sich eben ergibt, dass ich seit Beginn meiner Tätigkeit, das war, glaube ich, der 3.3.1992, durchgängig in Bremen als Rechtsanwalt zugelassen gewesen bin", so Zinke. Das Schreiben belegt, dass ihm zu keiner Zeit die Zulassung entzogen worden ist oder Anklage gegen ihn erhoben wurde.
IT-Experte Kipker sieht das Problem insbesondere darin, dass dieser Fehler sich festsetzen könnte, "weil dieselbe Frage eben dieselbe Assoziation auslöst und so verfestigt sich eben eine Fehlinformation über jemanden, ohne dass die eben nachgeprüft wird und das kann natürlich auch nicht nur rufschädigend sein, sondern in diesem Fall auch erhebliche wirtschaftliche Folgen für Betroffene haben", so Kipker.
Mittlerweile überlegt der 63-jährige Anwalt, ob er Google auf Schadensersatz verklagen soll.
Nach Berichterstattung von buten un binnen: KI korrigiert sich selbst
Wie viele Aufträge und Mandanten Zinke wegen der KI-Falschmeldung durch die Lappen gegangen sind, ist schwer zu beziffern. Zwischenzeitlich waren die falschen Vorwürfe gegen Zinke plötzlich aus dem Netz verschwunden. Mitte Oktober tauchten die Vorwürfe Untreue und Betrug erneut auf, wenn man den Namen Michael Zinke googelte.
Inzwischen scheint die Fernsehberichterstattung von buten un binnen über Zinkes Fall nun wiederum die Google-KI beeinflusst zu haben. Wer am Sonntag den Namen "Michael Zinke" bei Google eingibt und die KI-Übersicht hinzuzieht, kann nachlesen, Zinke habe im Oktober 2026 "mediale Aufmerksamkeit" durch "einen gravierenden Fall von KI-Fehlbehauptungen" erlangt. Weiter heißt es in der Antwort von Gemini:
Die künstliche Intelligenz von Google bezichtigte den unbescholtenen Bremer Anwalt in generierten Suchzusammenfassungen fälschlicherweise des gewerbsmäßigen Betrugs und der Untreue, woraufhin Zinke rechtliche Schritte und eine Klage gegen den US-Konzern einleitete.
KI-Antwort von Google Gemini am 18.10.2026
Zitiert wird in der Antwort kurioserweise die Berichterstattung von buten un binnen, mit Links auf butenunbinnen.de und die ARD Mediathek. Ob der Konzern Google selbst eingegriffen oder die KI sich die Informationen automatisiert aus dem Netz gezogen hat, ist derzeit unklar.