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KI-Plattform Phia: Neue Vorwürfe gegen Tochter von Bill Gates

Technologie

Das scheint ein aktuelles Beispiel zu zeigen – mit einer sehr prominenten Gründerin: Phoebe Gates, der Tochter von Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen früherer Ehefrau Melinda French Gates. Diese betreibt mit ihrer Geschäftspartnerin Sophia Kianni seit April 2025 eine KI-gestützte Plattform namens Phia, die als Shopping-Assistent funktioniert. Nutzerinnen und Nutzer laden Phia als kostenlose App oder Browser-Erweiterung herunter. Sie scannt dann deren Online-Warenkörbe und sucht in ihrem Netzwerk nach besseren Preisen, Gutscheinangeboten oder anderen Vergünstigungen. Am Ende bekommt das Unternehmen eine Provision, wenn ein Kauf mit einem von der App bereitgestellten Coupon erfolgt. Phoebe Gates’ Start-up war schnell erfolgreich, als es im Frühjahr vergangenen Jahres herauskam. Die Liste der prominenten Privatinvestoren, die aufsprangen, ist lang: unter anderem dabei waren die Influencerin Khloé Kardashian, dazu die Schauspielerinnen Sydney Sweeney und Hailey Bieber sowie das Popduo The Chainsmokers. Laut Forbes-Magazin haben Phoebe Gates und ihre Mitgründerin – übrigens ohne die Hilfe von Phoebe Gates’ Vater Bill – mehr als 43 Millionen US-Dollar eingesammelt, den Großteil davon in diesem Januar. Damals verkündete das Unternehmen, es sei 185 Millionen Dollar wert. Nun aber gibt es bereits zum zweiten Mal heftige Kritik. Phia soll in großem Stil zu Unrecht Provisionen kassiert haben, bei Geschäften, mit denen die Plattform eigentlich gar nichts zu tun hatte. Das berichteten kürzlich Journalisten der Plattform Bloomberg, die online entsprechende Testeinkäufe gemacht haben. Als „Cookie-Stuffing“ ist die Masche bei Experten bekannt – und sie soll im Falle von Phia folgendermaßen funktioniert haben: Die KI von Phia, so schreibt Bloomberg, habe bei Zahlungsabwicklungen bei Online-Händlern immer wieder heimlich einen Hintergrund-Tab geöffnet, um ihre Cookies zu hinterlegen und sich so die Provision bei Partnern zu sichern und den Kauf als Erfolg zu verbuchen. Das geschah selbst in jenen Fällen, in denen die User gar nicht zugestimmt hatten, Phias Angebot auf dieser Website zu nutzen. Und die Vorwürfe gehen noch weiter: Die KI von Phoebe Gates’ Firma soll in einigen Fällen sogar die Daten anderer Drittanbieter, die sonst Anspruch auf die Provision gehabt hätten, überschrieben haben. Zunächst hieß es vom Unternehmen, das alles sei nur ein „Bug“ Als die Vorwürfe im Juli aufkamen, reagierten Gates und Kianni zunächst überrascht. Sie hätten selbst erst 24 Stunden vor der Anfrage von Bloomberg von diesem „Bug“ erfahren. Es sei ein Fehler im System gewesen, den ihr Team behoben habe. Ein Unternehmenssprecher ergänzte, sämtliche Transaktionen würden noch einmal geprüft. Möglicherweise falsch abgewickelte Provisionen würden zurückgezahlt. Doch seit einigen Tagen gibt es neue Vorwürfe, erneut aufgebracht von einem Bloomberg-Bericht. Demnach sollen die beiden Unternehmerinnen mindestens seit Dezember 2025 vom Cookie-Stuffing gewusst und es sogar aktiv forciert haben. In Verträgen mit Partnern ist diese Praxis jedoch ausdrücklich verboten. Laut Ben Edelmann, einem Marketing-Experten, den Bloomberg zu dem Fall interviewt hat, habe Phia das Cookie-Stuffing aktiviert, um die Zahlen des Unternehmens besser aussehen zu lassen, als sie tatsächlich gewesen seien. Phia äußerte sich bisher nicht dazu. Der Fall zeigt auch, wie groß die Versuchung ist, in der amerikanischen Start-up-Szene, in der ein sehr harter Wettbewerb herrscht, Investoren falsche Versprechungen zu machen. Allein in diesem Jahr kamen zwei bemerkenswerte Fälle in die Öffentlichkeit: So wurde Gökçe Güven, die Chefin des New Yorker Start-ups Kalder, angeklagt, weil sie Investoren mit geschönten Zahlen und erfundenen Deals mit renommierten Marken betrogen haben soll. Ähnliche Vorwürfe gibt es gegen Beauty-Influencerin und Milliardärin Selena Gomez und das Mental-Health-Start-up Wondermind. Erst im vergangenen Jahr wurde die Gründerin Charlie Jarvice verurteilt, weil sie ihre Investoren mit frei erfundenen Nutzerprofilen um 157 Millionen Dollar betrogen hatte. Der Aufruhr um Phia hat für das Unternehmen bereits finanzielle Konsequenzen nach sich gezogen. Nachdem die unter Betrugsverdacht stehenden Funktionen im Juli entfernt worden waren, berichtete Bloomberg, dass der tägliche Umsatz des Start-ups von vormals rund 80 000 US‑Dollar drastisch gefallen sei, auf Werte zwischen 10 000 und 28 000 Dollar. Und die Plattform zitierte aus einem Nachrichtenverlauf auf der Messenger-Plattform Slack. Dort habe ein Datenexperte von Phia geschrieben, dass das Cookie-Stuffing im Vormonat mehr als 50 Prozent des Umsatzes ausgemacht habe. Ein Sprecher von Phia dementierte das und sagte, ein Teil des Umsatzrückgangs sei darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen damals zusätzlich weitere Funktionen deaktiviert habe – nicht nur jene, die mit Cookie-Stuffing in Verbindung stünden.

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