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KI verändert den Berufseinstieg

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Studium fertig – doch KI übernimmt die Einstiegsjobs: Diese Akademiker geraten unter Druck

Von: Marcel Reich

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335.000 Akademiker waren 2025 arbeitslos. Gleichzeitig übernimmt KI typische Einstiegsaufgaben. Ein Professor erklärt, welche Berufe besonders unter Druck geraten.

München – Während in vielen Branchen Fachkräfte fehlen, wird der Berufseinstieg für Hochschulabsolventen schwieriger. Im vergangenen Jahr waren im Durchschnitt rund 335.000 Akademiker in Deutschland arbeitslos – 46.000 mehr als 2024. Das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent und damit deutlich mehr als bei der Arbeitslosigkeit insgesamt, die um sechs Prozent zunahm. Die Akademiker-Arbeitslosenquote stieg auf 3,3 Prozent und damit erstmals seit 2007 wieder über die Drei-Prozent-Marke.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führt die Entwicklung vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche und den Transformationsdruck zurück. Doch gerade für Berufseinsteiger kommt inzwischen ein weiteres Problem hinzu: Künstliche Intelligenz kann zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang typischerweise Absolventen am Anfang ihrer Karriere erledigten. Auch darauf weist die BA ausdrücklich hin.

KI übernimmt typische „Trainingsaufgaben“ von Berufseinsteigern

Prof. Dr. Mohamed Badr von der Macromedia University of Applied Sciences sieht gegenüber Ippen.Media darin einen grundlegenden Wandel des Arbeitsmarkts. Besonders deutlich zeige sich dieser in Berufen, in denen viel mit Text, Bild und Ton gearbeitet werde.

Betroffen seien etwa Design, Journalismus, Marktforschung, Marketing und Werbung oder die Filmproduktion. Aber auch in Teilen der Unternehmensberatung, der Finanzanalyse und des Rechtswesens verändert KI nach Badrs Beobachtung klassische Einstiegsaufgaben.

Dazu gehören das Zusammenfassen von Recherchen, erste Textentwürfe, einfache Datenanalysen sowie Layout-, Schnitt- und Routinerecherchen. Vieles davon lasse sich mit KI inzwischen automatisieren oder zumindest erheblich beschleunigen.

Das hat Folgen, die über einen möglichen Stellenabbau hinausgehen. „Und das wiederum sind genau die Aufgaben, mit denen Berufseinsteiger:innen früher Erfahrungen gesammelt und sich in Teams unentbehrlich gemacht haben“, sagt Badr. Wenn diese „Trainingsaufgaben“ wegfielen, verändere sich nicht nur die Zahl der Einstiegsstellen, sondern auch deren Inhalt.

Von jungen Beschäftigten werde zunehmend erwartet, dass sie Ergebnisse der KI einordnen, überprüfen und verbessern können, anstatt die Grundlagenarbeit selbst von Anfang an zu erledigen.

Wie groß der Anteil der KI am Anstieg der Akademiker-Arbeitslosigkeit tatsächlich ist, lässt sich derzeit allerdings nicht beziffern. Auch Badr sieht einen erheblichen Teil der Entwicklung in der schwachen Konjunktur begründet. Hohe Kosten, Investitionszurückhaltung und der Umbau wichtiger Industrien belasten den Arbeitsmarkt. Er warnt jedoch davor, den strukturellen Wandel durch KI zu unterschätzen.

Diese Akademiker könnten besonders unter Druck geraten

Besonders aufmerksam sollten nach Einschätzung des Professors Absolventen stark textbasierter und generalistischer Geistes-, Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften sein – vor allem dann, wenn ihnen zusätzliche digitale oder analytische Fähigkeiten fehlen.

Unter Druck sieht Badr außerdem klassische Redaktions- und PR-Berufe sowie standardisierte betriebswirtschaftliche Analystenrollen. Gute Perspektiven erwartet er dagegen in Informatik, KI und Datenanalyse, im Gesundheitswesen sowie bei erneuerbaren Energien. Auch Ingenieurwissenschaften hält er grundsätzlich weiterhin für solide.

Die Daten der Arbeitsagentur zeigen allerdings, dass selbst vermeintliche Zukunftsbranchen nicht von der schwachen Konjunktur verschont bleiben. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen ging 2025 in den meisten akademischen Berufsfeldern zurück – besonders stark unter anderem in der Informatik sowie in Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und der Publizistik. Gleichzeitig nahm die Beschäftigung von Akademikern in IT-Berufen weiter zu.

Für Badr kommt es deshalb zunehmend weniger allein auf das Studienfach an. Entscheidend sei, ob Absolventen lernen, KI als Werkzeug einzusetzen und ihre fachliche Ausbildung mit kritischem Denken, Kreativität und praktischer Anwendung zu verbinden.

Wenn die Einstiegsjobs verschwinden, muss Erfahrung früher entstehen

Das führt zu einem weiteren Problem: Unternehmen bevorzugen Bewerber mit Berufserfahrung. Wenn aber genau die einfachen Aufgaben wegfallen, über die Berufsanfänger bislang Erfahrung sammeln konnten, müssen Hochschulen nach Ansicht Badrs reagieren.

Er fordert mehr Praxisprojekte, Kooperationen mit Unternehmen, angewandte Forschung und Praktika, bei denen Studenten tatsächlich Verantwortung übernehmen. Auch Unternehmen müssten ihren Begriff von Berufserfahrung erweitern. Projektarbeit, freiberufliche Tätigkeiten während des Studiums oder dokumentierte KI-gestützte Arbeitsproben könnten künftig stärker zählen.

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Gleichzeitig verändern sich die Fähigkeiten, die junge Arbeitnehmer benötigen. Badr nennt fünf Kompetenzen, die aus seiner Sicht wichtiger werden: kritisches Denken, Digital- und KI-Kompetenz, interdisziplinäres und anpassungsfähiges Denken, unternehmerisches Denken sowie Kommunikations- und interkulturelle Fähigkeiten.

Auch Hochschulen müssten ihre Lehrpläne entsprechend verändern. Reines Auswendiglernen von Abläufen, die KI zuverlässig erledigen könne, verliere an Bedeutung. Grundlagen zu KI, ihren Grenzen und Risiken sollten dagegen unabhängig vom Studienfach stärker in die Ausbildung einfließen.

„Abschluss gleich sichere Karriere“ gilt nicht mehr

Trotz der schwieriger gewordenen Lage ist ein Hochschulabschluss keineswegs wertlos. Die Arbeitslosenquote von Akademikern liegt mit 3,3 Prozent weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Zudem stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademiker 2025 um rund 160.000 auf 7,2 Millionen. Allein im ersten Halbjahr nahmen mehr als eine Million Akademiker eine neue Beschäftigung auf, darunter mehr als 300.000 Menschen unter 30 Jahren.

Doch die Zeiten, in denen ein Hochschulabschluss beinahe automatisch gute Berufsaussichten versprach, verändern sich. „Die Formel ‚Abschluss gleich sichere Karriere‘ gilt nicht mehr automatisch“, sagt Badr.

Ausbildung und insbesondere duale Studiengänge könnten deshalb attraktiver werden, weil sie praktische Erfahrung von Anfang an mit der Ausbildung verbinden. Klassische Hochschulen müssten sich stärker in Richtung praxisintegrierter Modelle entwickeln.

Von einzelnen Studiengängen pauschal abraten will Badr dennoch nicht. Skeptisch sieht er vor allem sehr eng angelegte, rein textbasierte Studiengänge ohne digitale, analytische oder praktische Elemente. Sein entscheidender Rat lautet deshalb: Nicht allein der gewählte Abschluss entscheidet künftig über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern zunehmend die Fähigkeit, das eigene Fachwissen mit KI-Kompetenz und Praxiserfahrung zu verbinden. (Quellen: Interview mit Prof. Dr. Mohamed Badr, Bundesagentur für Arbeit) (mare)

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