DAX +1,15 % 25.704,02 Pkt 18:00:00 MDAX +0,45 % 30.425,40 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,05 % 6.167,81 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,22 % 52.475,10 Pkt 22:18:52 S&P 500 +0,88 % 7.743,98 Pkt 22:18:42 Nasdaq +1,45 % 26.549,85 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,27 % 64.764,71 Pkt 02:07:10 Gold -0,31 % 4.062,10 USD 02:12:13 Silber -0,48 % 54,03 USD 02:12:05 Brent -2,88 % 110,60 USD 02:11:56 WTI +1,98 % 101,88 USD 02:12:10 Bitcoin -0,54 % 80.827,15 USD 02:22:09 EUR/USD +0,18 % 1,11500 USD 02:21:45 EUR/GBP +0,05 % 0,83650 GBP 02:22:13 EUR/CHF +0,11 % 0,92330 CHF 02:22:13 EUR/JPY +0,12 % 175,998 JPY 02:22:13

KI: Wettrüsten zwischen USA und China mit Milliarden an Geld

Technologie

Das jüngste Modell ist erst ein paar Tage alt: Astra heißt es, kommt aus dem Haus von OpenAI, der Mutterfirma von ChatGPT. Und es soll, sagt nicht zuletzt der Chef des Chipkonzerns Nvidia, Jensen Huang, die "allgemein künstliche Intelligenz" erreicht haben - also eine Art Superintelligenz, die jede intellektuelle Aufgabe auf dem Niveau eines Menschen oder besser verstehen und bewältigen kann.

Ob es stimmt? Lässt sich schwer überprüfen. Fest steht nur so viel: Die KI-Modelle werden immer leistungsfähiger, agieren immer eigenständiger. So dass viele sich mittlerweile die Frage stellen: Können die KI-Firmen ihre Kreationen eigentlich noch kontrollieren?

KI-Modelle brechen aus Testumgebung aus

Im Juli erst waren KI-Modelle von OpenAI aus ihrer Testumgebung ausgebrochen und hatten - lange unbemerkt für ihre Schöpfer - Ausflüge ins Internet gemacht. Die unabhängigen Prüfer der Non-Profit-Organisation Metr, die Zugang zu den Tests von Open AI bekamen, berichten: Rund 1.200 KI-Modelle hätten über ein nicht genehmigtes Forum miteinander kommuniziert - und mehr als 70.000 Nachrichten ausgetauscht.

Und gerade erst hat ein Entwickler der KI-Firma Anthropic seinen Job hingeschmissen - verbunden mit der drastischen Warnung, die Entwickler der KI handelten unverantwortlich und spielten mit unserem Leben.

Wettrennen um Marktführerschaft bei Künstlicher Intelligenz

Die Vorfälle zeigen, wie mächtig - und gefährlich - KI-Modelle mittlerweile sind. Längst sind sie zum Spielball geopolitischer Machtpolitik geworden.

Vor allem die USA und China liefern sich ein Wettrennen um die leistungsfähigste KI. Es geht um Macht - und um enorme Summen: Nach einer Prognose der Großbank UBS könnten allein 2026 weltweit rund 900 Milliarden Dollar in KI-Technik fließen, 2027 sogar 1,2 Billionen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht die Investitionen um ein Vielfaches schneller und höher steigen als in früheren wirtschaftlichen Boomphasen - stärker als etwa beim Eisenbahnbau in Amerika oder beim Internethype um das Jahr 2000.

US-Platzhirsche wollen an die Börse

Noch liegen die USA vorne: Die Bewertungen der beiden Platzhirsche, OpenAI und Anthropic, steigen in immer fantastischere Höhen. OpenAI kam bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde auf über 850 Milliarden Dollar, Anthropic im Frühjahr gar auf 965 Milliarden. Beide Firmen stehen jetzt vor der nächsten Etappe, sie wollen an die Börse. Beim Börsengang wollen sie jeweils Aktien im Wert von weit über 100 Milliarden Dollar verkaufen.

Doch damit wird der Druck wachsen: Aktionäre an der Wall Street dürften Rendite verlangen. Aktuell aber machen weder OpenAI noch Anthropic Gewinn.

Das Problem: Die typischen 20-Dollar-Monatsabos der normalen Endnutzer decken die astronomischen Kosten für Strom, Chips und Server bei weitem nicht ab. Nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Semianalysis geben OpenAI und Anthropic für ChatGPT und Claude im Extremfall 40- bis 70-mal mehr aus, als sie von ihren Abonnenten einnehmen - und das selbst bei den Premiumtarifen.

China greift an

Zudem schrumpft der Vorsprung der USA im Bereich KI zusehends. Spätestens seitdem Anfang 2025 das chinesische KI-Modell "DeepSeek" vorgestellt wurde, gilt China als ernsthafter Konkurrent. In vielen Benchmark-Tests erzielen die chinesischen Modelle beinahe so gute Werte wie die der US-Konkurrenten. Und das für deutlich günstigere Preise.

Mit den günstigen Preisen wollen die chinesischen Firmen ihre Marktanteile erhöhen. Im Kampf um die Kunden setzen sie zudem auf ein ganz anderes Geschäftsmodell.

Während die US-Anbieter so genannte "geschlossene" Modelle anbieten - die nur auf den Servern der US-Firmen genutzt werden können -, setzen die chinesischen Angreifer auf so genannte "Open Weight"-Modelle. Solche KI-Modelle können Endkunden downloaden und selbst auf ihren eigenen Servern einsetzen. Das Kalkül dahinter: Für viele Unternehmen sind solche offenen Modelle deutlich attraktiver.

Europa hinkt hinterher - und könnte sichere Lösungen liefern

Und Europa? Im Rennen um die stärksten Modelle spielt es bislang nur eine Nebenrolle. Immerhin: Der französische Anbieter Mistral hat sich gerade in einer Finanzierungsrunde drei Milliarden Euro gesichert, das Unternehmen wird mit rund 21 Milliarden Euro bewertet. Ein Rekord - aber natürlich nichts im Vergleich zu den Bewertungen der US-Firmen.

Eine Chance für Europa könnte in besonders sicherer und verlässlicher KI liegen - und für Deutschland im Einsatz von KI-Anwendungen in Fabriken und Maschinen. Denn dort geht es nicht um die beste KI, die undurchsichtige Entscheidungen trifft - sondern um die zuverlässigsten und sichersten Systeme.

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von Florian Neuhann

mit Video0:31

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