Kinder von Hundertjährigen leben im Schnitt länger
Wer besonders alt wird, verdankt das laut einer aktuellen Untersuchung nicht nur einem gesunden Lebensstil. Die Studie liefert starke Hinweise auf einen anderen Faktor, der die Lebenszeit im Mittel um drei Jahre verlängern soll.
Ob ein Mensch besonders alt wird, hängt nicht allein von Ernährung und Bewegung ab. Auch die familiäre Veranlagung spielt eine erhebliche Rolle. Eine im Fachjournal "JAMA Network Open" publizierte Studie liefert dafür nun weitere Belege.
Das Forschungsteam wertete Daten aus drei unabhängigen Langzeitstudien aus. Verglichen wurden Personen, bei denen mindestens ein Elternteil das 100. Lebensjahr erreicht hatte, mit Kontrollgruppen, deren Eltern deutlich kürzer gelebt hatten.
Über die Studie
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Albert Einstein College of Medicine in New York analysierten Daten von mehr als 4.000 Personen aus drei Kohorten: der LonGenity-Studie aus dem Großraum New York (2008–2024), der New England Centenarian Study (1995–2024) sowie der britischen UK Biobank (2006–2022).
Nachkommen von Hochbetagten leben rund drei Jahre länger
Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Nachkommen der Hundertjährigen wiesen während des Studienzeitraums ein um 42 Prozent niedrigeres Sterberisiko auf als die Kontrollgruppe. Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag um 33 Prozent unter dem der Vergleichsgruppe, das Risiko für Bluthochdruck lag 32 Prozent darunter. Zudem lebten die Kinder von Hochbetagten im Mittel rund drei Jahre länger. Auch Bluthochdruck trat durchschnittlich etwa fünf Jahre später auf.
Bemerkenswert: Der Schutzeffekt blieb auch dann bestehen, wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und den sozioökonomischen Status in ihre Berechnungen einbezogen. Die Ergebnisse veränderten sich dadurch kaum – ein Indiz dafür, dass vererbte biologische Mechanismen eine eigenständige Rolle beim gesunden Altern spielen.
Kein messbarer Vorteil bei Krebs
Doch nicht für alle Erkrankungen zeigte sich der gleiche Effekt. Beim Krebsrisiko fanden die Forschenden keinen statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen den Gruppen. Auch beim Schlaganfall war das Bild uneinheitlich: Nur in zwei der drei untersuchten Kohorten – LonGenity und der New England Centenarian Study – ergab sich ein signifikant geringeres Risiko.
Trotz der konsistenten Resultate über drei unabhängige Kohorten hinweg benennt das Forschungsteam klare Grenzen der Untersuchung. So waren die Teilnehmenden überwiegend weißer Herkunft, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
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Ein Teil der Gesundheitsdaten beruhte zudem auf Selbstauskünften. Außerdem konnte die Studie nicht klären, welche konkreten Gene für den beobachteten Schutzeffekt verantwortlich sind. (red)
Verwendete Quellen
jamanetwork.com: Exceptional Parental Longevity and Onset of Morbidity and Mortality Across Cohorts
apotheken-umschau.de: Kinder von Hundertjährigen leben im Schnitt drei Jahre länger
fr.de: Große Studie zeigt: Wer hundertjährige Eltern hat, lebt oft länger
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