Kinderimpfungen in Europa: Impfquoten bei Kindern gehen in Europa wieder zurück
Nachdem die Impfquoten bei Kindern in Europa seit den 1980er-Jahren deutlich gestiegen waren, sind sie einer neuen Studie zufolge in vielen Ländern wieder im Rückgang. Der Impfschutz stagniere in einer beträchtlichen Anzahl von EU-Ländern in letzter Zeit oder sei zurückgegangen. Dadurch bestehe das Risiko, dass Infektionskrankheiten wieder aufleben, warnen die Forscher in der Studie, die sie in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe veröffentlichten.
Für die Studie wurden Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von Unicef für sieben Kinderimpfungen in den 27 EU-Ländern über einen Zeitraum von 44 Jahren ausgewertet – von 1980 bis 2024. Das Ergebnis zeige ein »komplexes Bild«, schreiben die Wissenschaftler. Einerseits habe die EU bei den Impfungen von Kindern »historisch hohe« Quoten erreicht. Zugleich gebe es aber seit der Coronapandemie eine »besorgniserregende und weitverbreitete Verschlechterung«.
Untersucht wurden die Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten sowie die Impfungen gegen Hepatitis B, Meningitis B, Poliomyelitis, Pneumokokken, Masern und Röteln. In 16 EU-Ländern seien die Impfquoten zuletzt bei mindestens vier Impfungen zurückgegangen, fassen die Forscher ihre Studienergebnisse zusammen.
Forscher können Einfluss der Coronapandemie nicht belegen
Die meisten negativen Trends begannen zwischen 2019 und 2022. Damit zeige die Studie zwar zeitliche Zusammenhänge mit der Coronapandemie, die Wissenschaftler weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass sie die Ursachen – etwa den direkten Einfluss der Coronapandemie – nicht beweisen können.
In Deutschland wurde bei fünf der sieben Impfungen ein Rückgang verzeichnet. In Bulgarien, Zypern, Irland, den Niederlanden, Rumänien und Schweden sanken die Quoten für alle sieben untersuchten Impfungen. »Diese jüngsten Abwärtstrends in mehreren Mitgliedsstaaten stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Herdenimmunität und die regionale Gesundheitssicherheit dar«, schreiben die Forscher der Studie. Ihre Analyse könne als »Instrument zur Steuerung der EU-weiten und nationalen Politiken zur Harmonisierung von Impfstrategien« dienen.