Klage gegen Capitol One: Wie Trump die Sperrung von Konten für sich nutzt
Bank schloss Hunderte Trump-Konten Jetzt steht der Vorwurf der Geldwäsche im Raum Eine Analyse von David Schafbuch 04.08.2026 - 17:32 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Trumps Familie hat Banken verklagt, die Hunderte Konten des Trump-Konzerns gesperrt hatten. Es geht dabei um viel mehr als nur einen Rechtsstreit. David Schafbuch berichtet aus Washington Lange hatte die Bank Capital One geschwiegen. Denn bereits Mitte 2021 hatte die amerikanische Bank mehr als 300 Konten von Donald Trumps Konzern, der sogenannten Trump Organization, geschlossen. Erst fünf Jahre später, am vergangenen Freitag, wurde deutlicher, warum die Bank seinerzeit diesen Schritt ging: Man habe die Konten aus "Gründen der Geldwäschebekämpfung" dichtgemacht, heißt es in einem Antrag der Bank an ein Bundesgericht in Florida. Allerdings geht aus dem Schreiben nicht hervor, wie konkret die Vorwürfe gegen Trump in dem Fall sind. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Historische Wende: Warum Trump jetzt zum Establishment gehört Die Trump Organization hatte zuvor gegen den Vorgang Klage eingereicht. Die Firmengruppe wirft Capital One vor, die Konten aus politischen Gründen gekündigt zu haben. Von außen sind in dem Rechtsstreit noch viele Fragen offen. Allerdings ist Trumps Zwist mit der Bank nicht isoliert zu betrachten. Im Gegenteil: Nicht wenige sehen darin Trumps Versuch, den Bankensektor massiv zu deregulieren, also Vorschriften und Regeln abzubauen – zum eigenen Vorteil, aber auch zu dem seiner Unterstützer, wie etwa der Kryptobranche. "Angriff auf die Meinungsfreiheit" Die Trump Organization besteht aus mehreren Hundert Firmen, die verschiedene Geschäftszweige der Familie bündeln. Sie umfasst unter anderem das Immobiliengeschäft der Familie mit Hotels und Golfplätzen sowie den Verkauf von vielen Trump-Fanartikeln. Verantwortlich für die Geschäfte sind seit Trumps Präsidentschaft vor allem die Söhne des Präsidenten. Und so war es auch Eric Trump, Trumps zweitältester Sohn, der die Klage gegen die Kontenschließungen 2021 publik machte. Trump teilte damals auf der Plattform Twitter (heute X) mit, der Ausschluss von der Bank sei "ein klarer Angriff auf die Meinungsfreiheit und die unternehmerische Freiheit" gewesen. Der Sohn des Präsidenten sprach von Willkür, mit der man versuche, Menschen zum Schweigen zu bringen. Zudem sei durch die Kündigungen ein Millionenschaden entstanden. Die Trump-Familie wirft Capital One vor, sie habe das Kundenverhältnis wegen Donald Trumps politischer Überzeugungen beendet. Die Bank stehe für ein Weltbild, das mit den konservativen Werten von Trump nicht vereinbar sei. Zudem sei der Zeitpunkt der Kündigung vor diesem Hintergrund damals für die Bank günstig gewesen, heißt es in der Klageschrift. Tatsächlich hatte Capital One die Konten 2021 geschlossen, als Donald Trump nicht mehr Präsident der USA war. Er hatte im November 2020 die Wahl gegen Joe Biden verloren, akzeptierte die Niederlage allerdings nicht und sprach von Wahlbetrug – wofür es keine Belege gab. Im Januar 2021 stürmten daraufhin nach einer Rede Trumps wütende Anhänger das Kapitol in Washington. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben. Die Klageschrift nimmt sowohl auf die Präsidentschaftswahl 2020 als auch auf den Sturm auf das Kapitol Bezug. Unter anderem nennen Trumps Verteidiger Letzteren als "politischen Auslöser" für die Kündigungen von Capital One. Wie genau die Trump-Seite das begründet, ist aus den öffentlichen Dokumenten allerdings nicht ersichtlich. Das Gericht hatte per Anordnung große Teile der Schrift geschwärzt. Die Bank dagegen fordert die Einstellung des Verfahrens. In dem am Freitag eingereichten Antrag heißt es, dass es die Geschäftsbedingungen der Bank erlauben, zu jedem Zeitpunkt und ohne Angabe von Gründen Konten zu schließen. Gleichzeitig habe sie der Trump Organization mehrere Monate Vorlauf gegeben, bevor sie die Konten tatsächlich sperrte. Die Bank soll zudem viele Verlängerungsfristen bewilligt haben. Vorwurf des "Debanking" Der Grund für die Schließung sei zudem ein Ergebnis monatelanger Untersuchungen gewesen, bei denen verdächtige Transaktionen und Geldwäscherisiken aufgefallen seien. Diese hätten letztlich zu den Kündigungen geführt. Konkreter wird das Papier nicht. Auch wirft die Bank der Trump Organization nicht explizit vor, Geldwäsche betrieben zu haben. Das Schließen von Konten ist bei Banken nicht unüblich. Vor allem Vertreter der Kryptobranche beklagen das seit einigen Jahren. Innerhalb der Szene wird das Sperren von Konten als "Debanking" bezeichnet. Der Begriff soll dabei ausdrücken, dass Banken Kunden aus politischen Gründen ablehnen. Dabei kann es nicht nur um die Sperrung von Konten gehen, sondern auch um die Verweigerung von Krediten oder anderen Dienstleistungen. Der einflussreiche Techinvestor Marc Andreessen sprach schon 2024 im reichweitenstarken Podcast von Joe Rogan, einem Podcaster und Kommentator von Käfigkämpfen, davon, dass er aus den vergangenen vier Jahren 30 Beispiele von Techunternehmern kenne, die "debankt" wurden. Loading... Loading... Loading... Andreessen warf der Demokratischen Partei zudem vor, dass sie die Kryptobranche "terrorisiere". Auf die Kritik sprangen dann auch andere rechtsgerichtete Techgrößen ein – etwa Elon Musk. Die Unternehmer benötigen trotz ihrer Arbeit mit digitalen Währungen Bankkonten, um etwa Geld in Dollar umzuwandeln oder um Mitarbeiter zu bezahlen. Konkrete Belege dafür, dass die Branche systematisch benachteiligt wird, gibt es nicht. Tatsächlich ist es Banken in den USA verboten, Menschen etwa aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts abzulehnen. Festgeschrieben ist das im "Equal Credit Opportunity Act" von 1974. Die politische Einstellung wird darin allerdings genannt. Rede von einer "schwarzen Liste" Trump griff diesen Vorwurf in seiner zweiten Amtszeit auf: Vor rund einem Jahr hatte der Präsident ein Dekret erlassen, das es Banken untersagt, Kunden aufgrund ihrer politischen Einstellungen zu kündigen oder abzulehnen. Zudem forderte die US-Regierung Unterlagen von den Kreditinstituten an, um über weitere "Debanking"-Maßnahmen zu entscheiden. Trump unterstützt die Kryptobranche in seiner zweiten Amtszeit stark. Seine Familie macht mittlerweile deutlich mehr Geld mit Digitalwährungen als mit Immobilien, Trumps früherem Kerngeschäft. Auch Trump selbst hat laut seiner jüngsten Einkommenserklärung im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar mit Digitalwährungen verdient. Der Streit mit Capital One ist dabei nicht der einzige Prozess, den das Trump-Imperium gegen Amerikas Geldhäuser führt. Im Januar hat die Familie auch Klage gegen die Großbank JP Morgan Chase eingereicht. Auch ihr wirft die Trump-Familie vor, die Bank habe die Geschäftsbeziehungen mit ihren Unternehmen aus politischen Gründen abgebrochen. Trump forderte in dem Fall Schadenersatz in Höhe von fünf Milliarden Dollar. JP Morgan Chase hatte nach Trumps Wahlniederlage Konten gesperrt. Zudem werfen die Trumps der Bank vor, sie habe sie auf eine "schwarze Liste" gesetzt. Bank sperrte mehr als 50 Konten JP Morgan Chase hatte in einer ersten Reaktion die Vorwürfe dementiert. Im Februar teilte die Bank mit, dass sie tatsächlich nach dem Sturm auf das Kapitol im Februar 2021 mehr als 50 Bankkonten gesperrt hatte, die mit Trump in Verbindung standen. Allerdings sagte die Bank nicht, dass die Vorgänge direkt mit den Kündigungen in Verbindung standen. Man sperre Konten in der Regel dann, wenn ein rechtliches oder aufsichtsrechtliches Risiko entstehe, hatte die Bank allgemein mitgeteilt. Abgeschlossen ist auch dieses Verfahren noch nicht. Verwendete Quellen Eigene Recherche Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters cbsnews.com: "Capital One asks a Florida judge to dismiss President Trump's trust lawsuit over closed accounts" (englisch) nbcnews.com: "How tech's right-wing elite made 'debanking' claims into a political rallying point" (englisch) nytimes.com: " Trump Sues JPMorgan, Saying the Bank Closed His Accounts for Political Reasons " (englisch, kostenpflichtig) nytimes.com: " How Crypto Insiders Turned ‘Debanking’ Into a Political Storm " (englisch, kostenpflichtig) nytimes.com: " JPMorgan Admits It Shut Trump’s Accounts After Jan. 6 Capitol Attack " (englisch, kostenpflichtig) nytimes.com: " No, You Don’t Actually Have a Right to a Bank Account " (englisch, kostenpflichtig) npr.org: "Capital One says it closed Trump Organization accounts over money-laundering concerns" (englisch) x.com: "Post von @EricTrump" (englisch) pbs.org: "Trump bank accounts were closed due to concerns over possible money laundering, Capital One says" (englisch) Quellen anzeigen Loading... 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