DAX +2,24 % 26.202,35 Pkt 18:00:00 MDAX +1,81 % 32.559,91 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,94 % 6.486,70 Pkt 18:00:00 Dow Jones +3,05 % 54.085,88 Pkt 22:42:17 S&P 500 +3,30 % 7.736,52 Pkt 22:42:18 Nasdaq +4,77 % 26.584,99 Pkt 23:15:59 Nikkei +2,98 % 65.861,00 Pkt 04:35:03 Gold +3,84 % 4.188,70 USD 05:27:03 Silber +5,90 % 61,07 USD 05:27:03 Brent -6,48 % 78,34 USD 05:23:56 WTI -7,16 % 74,59 USD 05:26:59 Bitcoin +0,05 % 64.083,94 USD 05:37:02 EUR/USD +0,28 % 1,15390 USD 05:36:57 EUR/GBP +0,04 % 0,85730 GBP 05:37:05 EUR/CHF -0,09 % 0,93170 CHF 05:37:05 EUR/JPY +0,22 % 181,673 JPY 05:37:06

Kleine Insel verdient Millionen mit zwei Buchstaben

Technologie

Mit nur rund 15.000 Einwohnern gehört Anguilla zu den kleinsten britischen Überseegebieten. Trotzdem wird die Karibikinsel in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Millionen US-Dollar einnehmen. Wie aus Regierungsdokumenten hervorgeht, werden die Einnahmen unter dem Posten „Waren und Dienstleistungen“ verbucht. Tatsächlich steckt dahinter vor allem ein Geschäft, das vom weltweiten KI-Boom profitiert. Millionengeschäft aus zwei Buchstaben Auslöser ist die Internet-Endung des Inselstaats. Die sogenannte Top-Level-Domain lautet „.ai“ – dieselbe Abkürzung, die im Englischen für „Artificial Intelligence“ (Künstliche Intelligenz) steht. Für KI-Unternehmen ist diese Domain deshalb besonders attraktiv. Entsprechend hoch ist die Nachfrage – und viele Konzerne sind bereit, dafür erhebliche Summen zu bezahlen. Wie lukrativ das Geschäft inzwischen ist, zeigt ein spektakulärer Verkauf: Der US-Unternehmer Dharmesh Shah zahlte Medienberichten zufolge erst vor wenigen Wochen rund 700.000 US-Dollar (etwa 607.000 Euro) für eine .ai-Domain. Auch bekannte KI-Dienste wie Claude.ai setzen auf die begehrte Internet-Endung. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben sich Anguillas Einnahmen aus der Vergabe von .ai-Domains seit 2023 verdreifacht. Ein Geschäft mit hohen Gebühren Ihre begehrte Internet-Endung lässt sich Anguilla gut bezahlen. Eine .ai-Domain kostet etwa 80 Euro pro Jahr. Erst vor kurzem hat die zuständige Vergabestelle die Gebühren um weitere zehn Dollar jährlich erhöht und zugleich eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten eingeführt. Damit zählt die .ai-Domain zu den teuersten Länderendungen weltweit. ANZEIGE ANZEIGE Für Anguilla hat diese Preisgestaltung einen entscheidenden Vorteil: Jedes Land kann die Gebühren für seine eigene Top-Level-Domain selbst festlegen. In Deutschland liegt der Preis bei lediglich fünf Euro pro Jahr. In den Nachbarländern Schweiz und Österreich werden üblicherweise zehn Euro pro Jahr fällig. Selbst neutrale .net- oder .org-Adressen, welche überregional von zwei Unternehmen in den USA verwaltet werden, gibt es schon ab acht Euro jährlich. Etwas teurer ist nur das konventionelle .com-Kürzel. Mit 25 Euro im Jahr liegt auch diese deutlich unter der Domain Anguillas. Bald auch „.berlin“ oder „.neukölln“ als Webadresse? Die Auswahl an Internet-Endungen könnte in Zukunft deutlich größer werden. Die Internet Behörde ICANN plant, weitere Top-Level-Domains zuzulassen. Künftig könnten neben Ländern und klassischen Endungen auch Städte, Stadtteile, Marken oder bestimmte Interessengruppen eigene Kürzel beantragen. Theoretisch wären damit auch Adressen wie „.berlin“ oder „.neukölln“ möglich. Noch bis zum 12. August sammelt die ICANN Vorschläge für neue Endungen. Das Geschäft mit der digitalen Adresse Der Boom rund um .ai-Domains zeigt, welchen Wert kurze und passende Internetadressen inzwischen haben. Für viele Unternehmen ist die Webadresse längst Teil ihrer Markenstrategie. Ein Kürzel wie „.ai“ signalisiert auf den ersten Blick die Verbindung zur Künstlichen Intelligenz und kann die Wahrnehmung einer Marke stärken. Der Trend lockt jedoch auch Spekulanten an. Immer häufiger werden begehrte Domainnamen frühzeitig registriert, um sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Wer dabei allerdings geschützte Marken oder Unternehmensnamen nutzt, riskiert rechtliche Konsequenzen. Auch eine ausländische Internet-Endung schützt nicht vor nationalem Markenrecht. Profit in Sicht Der Karibikstaat wird weiterhin von dem Webadressen-Boom profitieren. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds baut die Karibikinsel mit dem Geld Schulden ab und investiert in den Katastrophenschutz sowie in erneuerbare Energien. Zuletzt wurde das Terminal des örtlichen Flughafens erweitert, langfristig ist auch eine Verlängerung der Start- und Landebahn geplant. Der Erfolg von „.ai“ hat jedoch nicht nur Vorteile: Die lukrative Internet-Endung könnte politische Bestrebungen nach einer vollständigen Unabhängigkeit von Großbritannien bremsen. Denn solange die Verbindung zum britischen Überseegebiet eine wichtige Einnahmequelle sichert, dürfte der Anreiz für einen politischen Alleingang geringer ausfallen.

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