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Klimaanpassung: "Wir hoffen einfach, Aufmerksamkeit zu erregen"

Wissenschaft

Auf den Klimawandel reagieren

Auswirkungen der Erderwärmung: Wie wir uns anpassen

Stand: 14.09.2026 17:45 Uhr

Ab dem 14. September läuft die fünfte Woche der Klimaanpassung. Unter dem Hashtag #GemeinsamFürKlimaanpassung rücken das Bundesumweltministerium und das Zentrum Klimaanpassung eine Woche lang konkrete Maßnahmen zur Klimavorsorge in den Fokus. Denn die Folgen der Erderwärmung – wie anhaltende Dürreperioden oder lokale Fluten – sind längst in den deutschen Kommunen angekommen.

von MDR WISSEN/Anne Sailer

Bis zum 20. September zeigen Städte, Vereine und Unternehmen bundesweit in zahlreichen Projekten, was sie gegen den Klimawandel tun wollen. Denn wenn uns dieser Sommer etwas gezeigt habt, dann: Das Klima ändert sich dramatisch und wir müssen uns anpassen.

In Sachsen-Anhalts ältester Stadt Aschersleben hat eine Woche der Nachhaltigkeit begonnen. Rund 500 Grundschülern haben die bereits vierte Klimaschutzwoche im Bestehornhaus, ein Kulturhaus im Jugendstil, eröffnet. In diesem Jahr soll es bei Projekten in den Schulen, in Vorträgen, Ausstellungen und auf Exkursionen um die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels gehen, erklärt Mitorganisator Matthias Pöschel.

Trockene Bäche, erschöpfte Bäume

Der Klimawandel sei nach diesem Sommer auch in seiner Stadt nicht zu ignorieren. "Wir haben ja so ein kleines Flüsschen, die Eine", erzählt Pöschel. "Da kann man mittlerweile barfuß durchgehen, ohne nasse Füße zu kriegen." Im Park sei letzte Woche ein Baum umgestürzt. "Da sieht man, dass der völlig erschöpft ist, weil er eben nicht mehr richtig versorgt wird. Wir hoffen einfach, Aufmerksamkeit zu erregen."

Pöschel und sein Team wenden sich dabei ganz bewusst an ein junges Publikum, er verstehe die teilnehmenden Kinder und auch die Jugendlichen als Multiplikatoren, sagte er MDR WISSEN. Wenn diese nach einer Exkursion durch die Stadt, einem Ausflug in den Nationalpark Harz oder einem Vortrag über die Kreislaufwirtschaft am Abendbrottisch von ihren Erlebnissen berichteten, lösten die jungen Menschen vielleicht auch bei ihren Eltern, Großeltern oder Freunden Begeisterung für dieses Thema aus.

Zum Hinschauen und Mitmachen verdient das Thema auch etwas Leichtigkeit. Matthias Pöschel, Aschersleben

In Aschersleben wünscht man sich Dialoge, gern auch Kontroversen, sagt Pöschel, denn man müsse im Gespräch bleiben. Bei der Nachhaltigkeitswoche gibt es neben Filmabenden über die Arktis auch einen Workshop mit dem Titel "It's not over yet!" (Es ist noch nicht vorbei). Der soll Mut machen und eine Utopie entwerfen, wie wir vielleicht doch noch handelnd in den Klimawandel eingreifen können. Die Nachhaltigkeitswoche in Aschersleben ist eine Mutmachwoche.

Mut, den wir brauchen, um ins Handeln zu kommen. "Wir müssen unsere Städte resilient gegenüber Hitze, Dürre und Starkregen machen", sagt Roland-A. Müller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Der Experte für Umweltbiotechnologie und nachhaltige Technologien verweist auf ein konkretes Projekt. „In Leipzig haben wir dafür als deutsche Modellstadt modellbasierte Szenarien und konkrete Lösungen für unterschiedliche Stadtquartiere entwickelt. Entscheidend ist nun, diese Ansätze gemeinsam mit Stadtplanung, Umweltverwaltung, Wasserwirtschaft und weiteren Akteuren in die breite Umsetzung zu bringen.“

Die Messestadt bei der Woche der Klimaanpassung

Leipzig beteiligt sich bereits zum vierten Mal an der bundesweiten Woche der Klimaanpassung. Unter dem diesjährigen Schwerpunkt Gebäudebegrünung zeigt die Stadtverwaltung gemeinsam mit lokalen Vereinen und Forschungseinrichtungen, wie urbane Räume effektiv gegen Hitze und Starkregen geschützt werden können.

Das kostenfreie Programm bietet Bürgerinnen und Bürgern praxisnahe Einblicke und Mitmach-Aktionen. Etwa geführte Radtouren zu Leipziger Best-Practice-Beispielen, eine Exkursion mit den Stadtwald -Rangern im Cospudener Holz sowie eine Führung auf dem Forschungsgründach des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Wer selbst aktiv werden und das eigene Zuhause klimafit machen möchte, kann sich in dieser Woche zudem telefonisch beim Amt für Umweltschutz zu städtischen Fördergeldern und Zuschüssen für Dach-, Fassaden- oder Hofbegrünungen beraten lassen.

In Erfurt präsentiert das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation präsentiert zusammen mit der Professur für Vermessung und Geoinformatik das innovative Forschungsprojekt "EPARtwin". Hinter dem Akronym verbirgt sich ein spannendes Programm, was derzeit noch in der Testphase ist, aber auf dem Campus der Fachhochschule in der thüringischen Hauptstadt erkundet werden kann: Es zeigt, wie versiegelte Flächen virtuell begrünt werden können.

"Wer mag kann mit dem eigenen Handy, Smartphone, Tablet etc. einen QR-Code scannen und den Prototyp der Augmented Reality-Anwendung zu testen", erklärt Anja Wolter von der FH Erfurt. "Dort sind aktuell schon zwei Entsiegelungsszenarien visualisiert." Konkret heißt das: Besucherinnen und Besucher können graue Asphaltflächen in grüne 3D-Oasen verwandeln und sich diese eingebettet in die reale Umgebung von allen Seiten anschauen.

Zukünftiger Klimaschutz in Städten aktuell wahrnehmen.

Nur, was wir auch wahrnehmen können, können wir uns vorstellen, das ist die psychologische Grundidee des Projektes. Später sollen dann Stadtverwaltungen die Software nutzen, um Einwohnerinnen und Einwohner für die Stadtbegrünung zu begeistern. Denn der stadtplanerische Klimaschutz braucht dringend mehr Grünflächen. Rasenflächen in der Stadt sind in heißen Sommern bis zu 25 Grad kühler als eine Asphaltfläche beispielsweise.

Und das Entsiegelungspotenzial, wie die Wissenschaftlerin es nennt, ist in vielen deutschen Städten groß. Neben versteinerte Plätzen, wie Marktplätzen beispielsweise, heizen sich in den Sommermonaten auch Plätze vor Schulen oder große Parkplätze enorm auf. Auch Verkehrsinseln oder überdimensionierte und ungenutzte Flächen im Straßenraum bieten Potential für Begrünung. Dabei muss es nicht gleich die Blumenwiese sein. Schon sogenannte Rasengittersteine auf Parkplätzen oder entsiegelte Teilflächen helfen, Städte kühler und lebenswerter zu machen, sagt Anja Wolter. Das Projekt der Fachhochschule Erfurt geht nun in eine Erprobungsphase in den Modellstädten Hannover und Magdeburg.

Kommunen brauchen Orientrientierung

"Um auf Ebene von Gebäuden, Quartieren und Kommunen herauszufinden, welche Anpassungsmaßnahmen lokal sinnvoll sind, braucht es praxisnahe Orientierungshilfen", das empfiehlt Regine Ortlepp, die am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden, zur Klimaanopassung forscht. Ihr Beispiel ist das im Projekt ‚HeatResilientCity‘ (Hitzerestistente Stadt) entwickelte HRC-Hitzetool. "Das zeigt beispielsweise über ein einfaches Ampelsystem, wie sich konkrete Maßnahmen in Gebäuden und im Freiraum auf die Hitzebelastung auswirken, und unterstützt so fundierte Entscheidungen."

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden lädt Bürgerinnen und Bürger dazu ein, die Stadt aktiv mitzugestalten. Im COSMO Wissenschaftsforum gibt es dazu eine Ausstellung. In dieser kann die offizielle „Karte der kühlen Orte“ Dresdens mitgestalten und erweitern werden. Zudem gibt es im Kulturpalast ein 3D-Starkregenportal. Dort kann man an einer interaktiven 3D-Karte prüfen, wie starkregen- und überflutungsgefährdet das eigene Wohnhaus ist.

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