Klimaschutz in Haldensleben: So passt sich die Stadt an den Klimawandel an
Klimaanpassung
Haldensleben: Energiegewinner-Kommune mit großen Plänen
Stand: 21.09.2026 11:29 Uhr
Ob Hitzeschutz, Solaranlagen, E-Mobilität oder mehr Grün: Haldensleben versucht, sich auf den Klimawandel einzustellen. Für diese Bemühungen wurde die Stadt sogar zur "Energiegewinner-Kommune" des Jahres ernannt. Und tatsächlich mangelt es nicht an Ideen, nur das mit der Umsetzung ist häufig herausfordernder als gedacht.
von Katharina Häckl
Im Ansatz weiß Stadtplanerin Nina Szedrowski, wo die Hitze-Hotspots in ihrer Stadt liegen. Der historische Markt zum Beispiel war während der heißen Tage geradezu verwaist: kein Baum, kein Strauch spendet Schatten. Kleine Grüppchen von Bürgern versammelten sich stattdessen am Rande der Altstadt in einem kleinen steinernen Rondell, in dessen Mitte ein Brunnen plätschert und das umgeben ist von Grün.
Schaubeet liefert Ideen für klimresistente Gärten
Wo die Hitze am schlimmsten war in diesem Jahr, das erfährt die Amtsleiterin aufs Grad genau im Herbst. Dann nämlich wertet das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt seine Messungen aus, die in ganz vielen Orten des Landes über Monate vorgenommen worden sind. Messungen führt die Stadt auch selbst durch – an einem neuralgischen Punkt und um den Einwohnern zu zeigen, wie sie ihre Gärten an die Hitze anpassen können.
Die Idee ist einfach, aber effektiv und lehrreich, sagt Szedrowski: "Das Klimaschaubeet befindet sich hier direkt am Rand der Altstadt, an der Stadtmauer gelegen, an einem großen Parkplatz." Die Stadt habe es angelegt, um der Bevölkerung, angesichts der Situation mit Hitze und Klimawandel, ein Beispiel für einen vernünftigen Garten zu liefern. "Wir wollten dafür Positivbeispiele mit verschiedenen Substraten bringen, die man auch nachbauen kann. Dazu sind im Klimaschaubeet Sensoren angebracht, die die Feuchtigkeit und die Temperatur messen", sagt die Amtsleiterin.
Auf einen Blick ist da zu sehen, dass zum Beispiel Schottergärten weder pflegeleicht sind noch für den Natur- oder Klimaschutz taugen. Die genauen Werte für das Klimaschaubeet gibt es im Frühherbst. Genau wie die über die Hitze-Hotspots in Haldensleben.
Klimamanager mit vielen Ideen
Diese Daten braucht vor allem Haldenslebens Klimaschutzmanager Lennart Victor. Der 37-Jährige ist studierter Umweltpsychologe und seit 2022 im Amt. Er hat die Aufgabe, die Stadt an das veränderte Klima anzupassen – aber auch Maßnahmen zur Vorsorge, also den Klimaschutz, umzusetzen. Die ersten Schritte sind gemacht: "Die Stadt unterhält jetzt auch einige PV-Anlagen", sagt Victor. "Die Feuerwehr zum Beispiel direkt in Haldensleben, Jugendherberge und Waldstadion sind die neusten Anlagen, die wir gebaut haben. Und das geht dann aber auch weiter mit einer Grundschule. Ich denke, da unternehmen wir schon relativ viel."
Einen Teil des kommunalen Fuhrparks hat der Klimaschutzmanager auf Elektro umgestellt. Gemeinsam mit den Kollegen in anderen Ämtern sucht Lennart Victor nach Wegen zum Energiesparen: Kann man die Heizungen in kommunalen Gebäuden im Winter nachts herunterregeln? Wie kann der ÖPNV optimiert werden? Kann man die Blockheizkraftwerke in der Plattenbau-Siedlung auf regenerative Energien umrüsten?
Diese frühzeitigen Überlegungen, ein erstes Klimaschutzkonzept und auch die ersten Umsetzungen wie zum Beispiel PV-Module auf kommunalen Dächern, hat das Land Sachsen-Anhalt bewogen, Haldensleben in diesem Jahr zur "Energiegewinner-Kommune" zu erklären. "Ich finde auch zu Recht", sagt Victor. "Weil wir vergleichsweise schon relativ viel unternehmen in dem Bereich. In der Region sind wir da schon relativ weit vorn." Man könne aber immer noch mehr machen und müsse das auch, ergänzt der Klimamanager. Das sei aber nicht nur in Haldensleben der Fall.
Hohe Kosten bremsen große Ambitionen
Denn das ist die Crux: Maßnahmen für den Klimaschutz kosten Geld. So viel, dass das kleine Haldensleben nur in Trippelschritten vorwärtskommt. Bund, Land und auch Europa halten sich mit monetärer Förderung genauso zurück wie mit allgemeingültigen Richtlinien, an denen man sich vor Ort orientieren könnte. Jede Kommune muss in Sachen Klimaschutz im Prinzip ihr eigenes Süppchen kochen und auf eigene Ideen kommen.
Und so musste Lennart Victor seine bislang größte Idee erstmal wieder auf Eis legen. Er wollte mit der Abwärme großer Betriebe kommunale Gebäude beheizen. Dazu war er mit den Chefs des Glaswerks und des Keramikwerks schon in intensiven Gesprächen. Um dann festzustellen: "Wir sitzen auf einem riesengroßen Abwärmeschatz, aber den zu heben, ist sehr, sehr aufwändig – auch wenn es eigentlich eine sehr kostengünstige Wärmequelle ist." Der Grund: Man müsse erst einmal ein Netz aufbauen, um die Wärme von den Betrieben abzutransportieren.
Und man binde sich natürlich auch an Unternehmen, so Victor. "Und das muss dann eben auch für eine lange Zeit sein, weil das Netz sehr teuer ist." Doch das sei gerade in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten nicht so einfach. Deshalb sieht der Klimamanager aktuell keine wirtschaftliche Möglichkeit, die Abwärme zu nutzen. Also weiter in Trippelschritten.
Bäume für Haldensleben
Einer der wichtigsten Punkte für den Klimaschutzmanager Lennart Victor und seine Chefin, die oberste Stadtplanerin Nina Szedrowski: die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen und sie für Klimaschutzideen interessieren. Ein Bürgerrat hat sich zum Beispiel Gedanken um bessere Mobilität gemacht. Die Stadt sammelt Sympathiepunkte mit ihrem neuen Klimaschutzbeet. Und sie sammelt Spenden: Haldensleben vergibt Baumpatenschaften.