Klimawandel: Hitzewellen und Dürren fordern Handeln
In Deutschland und Europa erleben die Menschen in diesem Sommer hautnah, was die Folgen des menschengemachten Klimawandels bedeuten. Gigantische Flächen werden in Südeuropa von Waldbränden verwüstet, weil die Trockenheit deren rasante Ausbreitung begünstigt. Hitzewellen folgen in kurzen Abständen aufeinander und forderten bereits allein in Deutschland weit mehr als 10.000 Tote. Das historische Niedrigwasser im Rhein und anderen Flüssen ist Ergebnis einer extremen Dürre, die massive Wirtschaftsschäden nach sich zieht. Nun hat das europäische Klimabeobachtungsprogramm „Copernicus“ bestätigt, was alle schon ahnten: In Westeuropa waren der Juni und der Juli so heiß wie noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. All das ist kein Zufall. Diese extremen Wetterphänomene kommen mit Ansage – wobei die Ansage von Klimaforschern Jahrzehnte alt ist. Und jetzt reicht es. Jetzt muss gehandelt werden, und zwar konsequent und sehr schnell. Von der Politik, den Unternehmen und jedem Einzelnen. Denn viel zu lange ist gar nichts passiert, Klimapolitik und die Anpassungen an die Erderwärmung wurden sogar torpediert. Noch immer fehlt es an Ernsthaftigkeit. Wenn Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) beim Niedrigwasser-Krisengipfel etwa davon sprach, dass man ja nicht das Wetter beeinflussen könne, aber dafür sorgen könne, dass die Wirtschaft besser durch die schwierige Zeit komme. Denn sehr wohl ließe sich noch mit sinnvoller Klimapolitik der menschengemachte Klimawandel verlangsamen. Auch das sagen Forscher seit Jahrzehnten – und das ist eine hoffnungsfrohe Botschaft. Damit also Brände, Dürren, Überschwemmungen und all die anderen Katastrophen nicht noch heftiger werden, braucht es konkrete Maßnahmen. Kohleausstieg, Wärmewende, klimafreundliche Verkehrskonzepte – die Liste ist lang und längst bekannt. Dabei muss endlich in allen Parteien verstanden werden, dass Klimapolitik auch Wirtschaftspolitik ist. Sie hilft Unternehmen, resilienter im Umgang mit Folgen des Klimawandels zu werden. Klimapolitik ist auch Sozialpolitik, weil unter den Folgen des Klimawandels besonders diejenigen leiden, die sich nicht in ein Zweitdomizil in kühleren Regionen der Welt zurückziehen können. Und was die Wähler verstehen sollten: Der Klimawandel ist real. Da hilft es nicht, aus Ärger über Friedrich Merz, die SPD oder sonst wen der AfD in die Arme zu rennen. Denn die leugnet den Klimawandel und würde es für lebende Generationen und die kommenden noch viel schlimmer machen. Jetzt zählt konsequentes Handeln. Oder um es mit dem britischen Polarforscher Robert Swan zu sagen: „Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird.“