Klimawandel: Wie sich der Spreewald ans Klima anpasst
Es ist die pure Idylle. In Töpchin bei Mittenwalde (Dahme-Spreewald) ist es richtig sumpfig. Das Moor ist zurück, wieder vernässt. "Hier haben wir mittlerweile wieder Seggen [und] Schilf draufzustehen. Das ist Vegetation, die speichert Kohlenstoff aktiv, indem Torfbildung stattfindet", sagt Michael Zauft, Projektleiter bei der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg.
Bei der Pflege des Moors kommen seit 15 Jahren Wasserbüffel ins Spiel. Das hat laut Landwirtin Kerstin Simon den Vorteil, "dass Flächen genutzt werden können, die man mit anderen Rindern nicht nutzen kann." Denn die Tiere gehen ganz nach Belieben auf die Moorflächen, kühlen sich im Schlamm und verhindern durch ihren Appetit, das alles wieder zuwächst. Die perfekte Mischung aus Wertschöpfung, Klimaschutz und Artenschutz.
Es ist ein Beispiel dafür, wie im Spreewald seit Jahren mit den Klimaveränderungen umgegangen wird. Weitere kleinere Beispiele werden in dieser Woche in der Region vorgestellt, im Rahmen der bundesweiten "Woche der Klimaanpassung" [bundesumweltministerium.de]. Bis Sonntag sind an mehreren Orten Mitmach-Aktionen rund um den Umgang mit Hitze, Trockenheit und Starkregen geplant.
Rund 165.000 Hektar Moorböden gibt es in Brandenburg, aber nur 8.000 Hektar davon können aktiv Kohlenstoff speichern. Der Rest gibt CO2 ab. Laut Michael Zauft geben also die entwässerten Moorböden in Brandenburg mehr CO2 als der Verkehr ab. "Da können wir natürlich extrem viel erreichen, wenn wir da Flächen vernässen - nicht alles, aber da, wo wir können."
Und die Wasserbüffel haben auch einen Multiplikatoreffekt. "Jeder, der uns auf der Farm besucht oder zum Laden kommt, liebt diese Gespräche ... warum die Natur? Was macht ihr da? Wie funktioniert das?", so Kerstin Simon.
Helfen, um über das Klima und die Natur ins Gespräch zu kommen, soll auch eine der Aktionen in Lübben. Dort haben Erwachsene und Kinder in sorbisch-wendischer Arbeitstracht zum Auftakt der Klimawoche einen Heuschober errichtet. Denn die traditionelle Landwirtschaft könne man auch für heutige Klimaherausforderungen nutzen - seltener Mähen zum Beispiel.
"Zwei Mal mähen hilft der Wiese in dem Sinne, dass sie länger aufwachsen kann", so Alexander Hoschke, der Leiter der Naturwacht Unesco Biosphärenreservat Spreewald. Das habe auch einen Kühlungseffekt, weil sie "nicht immer raspelkurz gemäht ist." Es sei auch für die Natur und die Insekten vorteilhaft, so Hoschke.
Während der Woche der Klimaanpassung wird in Lübben (Dahme-Spreewald) eine Blühwiese angelegt, in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) werden Obstbäume gepflanzt, in Alt Zauche (Dahme-Spreewald) wird gezeigt, wie man den eigenen Garten klimafit macht, zum Beispiel mit wilden Hecken.
Es sind alles eher vermeintlich kleine Aktionen. "Es geht jetzt, glaube ich, nicht um diese großen Sachen", so der Bürgermeister von Lübben, Jens Richter. "Letztes Jahr haben wir Bäume gepflanzt. Es sind so kleine, niederschwellige Projekte, wo wir auch Kinder einbinden können und ich glaube das ist ganz wichtig, dass es wirklich für jedermann irgendwie greifbar wird."
"Wir wollen gemeinsam ins Tun kommen, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich das Klima ändert", so Heike Volkmer vom Unesco Biosphärenreservat Spreewald. Wissen soll verbreitet, Netzwerke sollen geschaffen werden, "um auch nach dieser Woche der Klimaanpassung etwas gemeinsam zu tun."
Die Aktionswoche "Woche der Klimaanpassung" wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) organisiert und vom Zentrum Klimaanpassung durchgeführt. Auf deren Homepage stehen auch alle Veranstaltungen, die in ganz Deutschland stattfinden.