Koffeinshampoo gegen Haarausfall: Was bringt es wirklich?
Koffeinshampoo gegen Haarausfall: Mehr Versprechen als Haare Alle netDoktor.de-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft. Viele Menschen leiden unter spärlichem Haarwuchs oder Haarausfall – und versuchen, mit koffeinhaltigen Shampoos gegenzusteuern. Laut Werbung sollen die Produkte Haarausfall vorbeugen, die Haarwurzeln stimulieren und die Haare stärken. Doch stimmt das wirklich? Eine neue Untersuchung aus Österreich ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Haarausfall ist weit verbreitet. Meist handelt es sich um erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie), der wohl auf einem Zusammenspiel aus Alter, Genen und Hormonen (vor allem Dihydrotestosteron) beruht. Auch wenn Haarausfall oft „nur“ ein ästhetisches Problem ist, leiden viele Betroffenen stark darunter. Ob koffeinhaltige Shampoos die in der Werbung versprochene Abhilfe schaffen können, hat nun ein Wissenschaftsteam von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems anhand der verfügbaren Studien geprüft. So könnte Koffein helfen – theoretisch Vorstellbar ist es schon, dass Koffein eine entsprechende Wirkung haben könnte: Es gibt Hinweise, dass es ein bestimmtes Enzym blockieren kann (Phosphodiesterase). Dieses wandelt Testosteron in die wirksamere Form Dihydrotestosteron (DHT) um – besonders bei Männern mit erblichem Haarausfall reagieren die Haarfollikel genetisch bedingt überempfindlich auf DHT und bilden dann nur noch dünne, kurze Haare, die bald ausfallen. Koffein könnte dem entgegenwirken, indem es die DHT-Bildung hemmt. Tatsächlich ergaben Labortests, dass einzelne Haarfollikel in einer koffeinhaltigen Nährlösung etwas längere Haare bilden als in einer koffeinfreien Lösung. Doch passiert das auch auf dem Kopf? Neun Studien und keine klare Antwort Um diese Frage zu klären, hat das Wissenschaftsteam neun randomisiert-kontrollierte Studien unter die Lupe genommen, bei denen die Teilnehmenden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt worden waren: Die eine Gruppe sollte mehrere Monate ein Koffeinshampoo anwenden, die Kontrollgruppe nicht. Nicht alle Studien wurden von den Forschenden als vertrauenswürdig eingestuft – und die Ergebnisse der restlichen Untersuchungen waren widersprüchlich: Zwei Studien konnten keinen messbaren Effekt von Koffein auf die Haardichte feststellen. In drei anderen zählten die Forschenden zwar mehr Haare auf der Kopfhaut nach der Koffein-Anwendung, aber beim Kämmen fielen genauso viele Haare aus wie in der Kontrollgruppe. In zwei weiteren Studien schnitten die Teilnehmenden der Koffeingruppe beim sogenannten Ziehtest besser ab als die der Kontrollgruppe. Bei diesem Test zieht man leicht an einem Haarbüschel, um zu prüfen, wie viele Haare sich dabei aus der Kopfhaut lösen. Das ernüchternde Fazit: Anhand dieser Datenlage lässt sich keine klare, abschließende Aussage zur Wirksamkeit von Koffeinshampoos auf die Haardichte treffen. Grobe Mängel und Interessenskonflikte Hinzu kommt erschwerend: Alle neun Studien wurden von Herstellern koffeinhaltiger Haarprodukte finanziert. Und es fanden sich durchweg methodische Schwächen, bemängelte das Wissenschaftsteam: lückenhafte Studiendaten, ungenaue Messmethoden oder Zahlen, die beim Nachrechnen gar nicht stimmten. Diese Mittel sind besser erforscht Zu den besser erforschten Behandlungsmöglichkeiten bei androgenetischem Haarausfall, auf die Betroffene setzen können, gehören unter anderem Minoxidil und Finasterid: Minoxidil lässt bei Männern und Frauen nachweislich neue Haare sprießen, kann aber unter anderem Juckreiz und Schuppenbildung verursachen. Finasterid, das jedoch nur für Männer zugelassen ist, hemmt nachweislich die Umwandlung von Testosteron in DHT. Allerdings hat der Wirkstoff auch eine Kehrseite: Er kann unter anderem die Potenz beeinträchtigen. Eine weitere Option bei lichtem Haar und Haarausfall für Männer und Frauen kann auch eine Haartransplantation sein. Wer unter androgenetischem Haarausfall leidet, sollte sich am besten ärztlich beraten lassen. Das ist nach Meinung des Wissenschaftsteams hilfreicher, als auf Koffeinshampoos zu vertrauen. Hinweis: Wenn Sie bevorzugt News von netDoktor lesen möchten, können Sie die Website als bevorzugte Quelle für Ihre Internet-Suche hinzufügen. Klicken Sie dazu einfach hier!