Kokainsucht von Rapper Haftbefehl: Was ein Suchtforscher dazu sagt
Die sozialen Medien sind voll von Genesungswünschen für den Rapper Haftbefehl. „Alles Gute für Aykut. Du schaffst das“, schreibt die Nutzerin charlotte_chaplin auf Instagram und schickt Aykut Anhan, wie der aus Offenbach stammende Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, ein rotes Herz hinterher. Feyza_ak81 meint: „Erst Gesundheit babo“. Quiros.de schließt sich dem an: „Besser so. Er soll sich lieber auf seine Gesundheit konzentrieren. Das wird jeder verstehen.“
Was war passiert? Haftbefehls Bruder Cem Anhan hatte sich am Sonntag mit einem Video an die Fans des Rappers gewandt. Wegen gesundheitlicher Probleme müsse Haftbefehl, der im Oktober in Düsseldorf und Berlin auf der Bühne stehen sollte, seine geplanten Auftritte absagen. „Er befindet sich gerade aktuell unter ärztlicher Aufsicht und muss sich gerade voll und ganz auf seine Gesundheit konzentrieren“, sagt Cem Anhan, der auch als Rapper Capo bekannt ist, in dem Video auf Instagram. Weil sein Bruder nicht selbst sprechen könne, habe seine Familie entschieden, „seine angesagten Konzerte abzusagen“.
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Tagesdosis um das Zwanzigfache überschritten
Cem Anhan entschuldigte sich in dem Video bei den Fans. „Wir wissen, dass viele jetzt enttäuscht sind, und es tut uns umso mehr leid.“ Er dankt Haftbefehls Anhängern für ihre Unterstützung und fährt fort: „Wir bitten euch, diese Entscheidung zu respektieren und ihm seine Zeit zu geben, die er jetzt braucht.“
Laut Medienberichten soll der Vierzigjährige nach massivem Kokainkonsum in eine Klinik in der Schweiz eingeliefert worden sein. Wie die „Bild“ berichtet, sei der Rapper Anfang Oktober nach dem Konsum von bis zu 30 Gramm Kokain in akuter Lebensgefahr gewesen. Die Ärzte hätten ihn ins künstliche Koma gelegt und beatmet. Das Blatt stützt sich auf Informationen „aus dem Umfeld“ des Rappers. Inzwischen soll sich sein Gesundheitszustand etwas gebessert haben.
Der Suchtforscher Heino Stöver nennt als Referenz für die Tagesdosis von Kokain eine Menge von 1,5 Gramm. Vor diesem Hintergrund seien 30 Gramm „eine mörderisch hohe Menge“, sagt der ehemalige Direktor des Instituts für Suchtforschung an der University of Applied Sciences in Frankfurt. Ein Kokainkonsum in diesem Ausmaß führe zu Kreislaufbeschwerden, kardiologischen Schäden sowie auch weiteren somatischen Störungen. „Das kann zum Tod führen“, sagt Stöver.
Haftbefehls Netflix-Doku hat die Kokainsucht öffentlich gemacht
Der Grenzwert für eine nicht geringe Menge Kokain liegt laut der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bei fünf Gramm reinem Wirkstoff. Wird dieser Grenzwert erreicht oder überschritten, gilt der Besitz oder Handel als Verbrechenstatbestand.
Laut einer Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit konsumieren immer mehr junge Erwachsene Kokain. Im Zehnjahresvergleich ist der Anteil der Konsumenten im Alter von 18 bis 25 Jahren von 1,2 auf 4,1 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung bereitet auch Stöver Sorgen. Bereits heute stehe Kokain für eine „substanzielle Zahl“ der Drogentoten, sagt der Suchtforscher.
Haftbefehl kämpft seit Längerem mit gesundheitlichen Problemen. In der Dokumentation „Babo – die Haftbefehl-Story“ auf Netflix hatte der Musiker seine Kokainsucht selbst öffentlich gemacht. Im Frühsommer hatte er mehrere Auftritte kurzfristig abgesagt und sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nach mehrmonatiger Pause trat er im September in der Frankfurter Festhalle auf und wurde dabei von vielen anderen Rappern unterstützt. Haftbefehl bestritt keinen Song allein.