Kokos-Schokolade zur Mogelpackung des Monats September gekürt
Die Kokos-Schokolade Romy enthält deutlich weniger Inhalt. Zwar ist der Verkaufspreis gesunken, aber der Grundpreis um mehr als zehn Prozent gestiegen. Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt das Produkt daher zur Mogelpackung des Monats – und kritisiert auch die Werbung auf der Verpackung.
Wer im Supermarktregal zur Kokos-Schokolade Romy greift, bekommt seit Kurzem spürbar weniger für sein Geld: Der Hersteller Hosta hat die Füllmenge der Tafel von 200 Gramm auf 150 Gramm verringert – ein Minus von 25 Prozent.
Die Umstellung läuft laut dem Hersteller bereits seit Mai 2026 schrittweise. Das Verpackungsformat blieb dabei aber nahezu identisch, die Tafel steckt weiterhin in einer quadratischen Hülle gleicher Größe, lediglich die Farbgebung wurde modernisiert. Auf der Vorderseite prangt der Hinweis "Neuer Look, gleicher Genuss" – dass sich dahinter auch ein Viertel weniger Schokolade verbirgt, dürfte den meisten Käuferinnen und Käufern allerdings kaum auffallen.
Auf den ersten Blick wirkt die neue Tafel sogar günstiger: Der Verkaufspreis ist von 2,99 auf 2,49 Euro gesunken. Doch wer den Grundpreis heranzieht, erkennt das Gegenteil. Bezogen auf den Kilopreis ergibt sich eine versteckte Preiserhöhung von rund 11 Prozent. Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat Romy deshalb zur Mogelpackung des Monats erklärt.
Verbraucherschützer halten Begründung des Herstellers für unzureichend
In einer Stellungnahme gegenüber der VZHH führt Hersteller Hosta zwei Gründe für die Verkleinerung an. Zum einen entspreche die schlankere Tafel besser den heutigen Konsumgewohnheiten und solle insbesondere jüngere Verbraucherinnen und Verbraucher ansprechen, für die eine 200-Gramm-Packung beim Erstkauf eine zu große Hürde darstelle.
Zum anderen verweist das Unternehmen auf die massiv gestiegenen Rohstoffkosten, vor allem für Kakao. Die Weltmarktpreise hätten in den Jahren 2024 und 2025 ein Rekordniveau erreicht und zeitweise beim Vierfachen früherer Preisniveaus gelegen. Da Kakao langfristig im Voraus eingekauft werde, belasteten diese hohen Beschaffungskosten die Produktion weiterhin.
Die Verbraucherzentrale Hamburg lässt diese Argumentation nicht gelten. Die Preise für Rohkakao seien im Durchschnitt inzwischen wieder auf ein Niveau zurückgefallen, das etwa dem von Ende 2023 entspreche – zwischenzeitlich hätten sie sogar deutlich darunter gelegen. Zudem werde bei Romy ein Teil der Kakaobutter durch andere pflanzliche Fette wie etwa Sheabutter ersetzt, was die Herstellungskosten zusätzlich drücken könne. Bei Schokolade sei ein solcher Austausch in Deutschland allerdings sehr unüblich.
Werbung mit angeblich "unveränderter Rezeptur"
Besonders kritisch bewerten die Verbraucherschützer auch Aussagen auf der neuen Verpackung. Hosta wirbt unter anderem mit der Formulierung "Unveränderte Rezeptur – gleicher Genuss wie immer". Ein genauer Blick auf die Zutatenlisten der alten und der neuen Tafel offenbart der Verbraucherzentrale zufolge jedoch durchaus Unterschiede.
So sei der Mindestkakaoanteil im Milchschokoladenanteil laut Kennzeichnung von 35 auf 31 Prozent gesunken. Auch die Nährwertangaben wichen voneinander ab – der Kohlenhydratgehalt etwa sei von 47 auf 51 Gramm pro 100 Gramm gestiegen, während Fett, Zucker, Eiweiß und Salz leicht zurückgegangen seien. Darüber hinaus sei die Bezeichnung "Molkenerzeugnis" durch den präziseren Begriff "Süßmolkenpulver" ersetzt worden.
Wer ausdrücklich mit einer unveränderten Rezeptur werbe, müsse eine solche auch liefern, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Wenn sich gleichzeitig Angaben zu wesentlichen Bestandteilen des Produkts änderten, sei eine derartige Werbeaussage irreführend – insbesondere mit Blick auf den gesunkenen Mindestkakaoanteil, den viele Verbraucherinnen und Verbraucher mit höherer Produktqualität verbinden.
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Der Hersteller betont in seiner Stellungnahme, die Umstellung offen kommuniziert zu haben. Neben einem Hinweis auf der Verpackungsrückseite und einem QR-Code, der zur Markenwebsite mit ausführlichen Erläuterungen führt, habe man die Änderung im April 2026 per Pressemitteilung angekündigt und über Social-Media-Kanäle begleitet. Und sollten sich die Rohstoffkosten mittelfristig stabilisieren, werde man auch prüfen, wie sich dies an die Kundschaft weitergeben lasse.
Für die Verbraucherzentrale Hamburg fällt das Fazit dennoch eindeutig aus: Die neue Romy-Tafel falle gleich in doppelter Hinsicht negativ auf – sie enthalte deutlich weniger Schokolade und werde bezogen auf den Grundpreis teurer, während die Verpackungsgestaltung zugleich den Eindruck erwecke, beim Produkt selbst habe sich nichts verändert. (red)