Köln: Sürther Bootshaus vollständig ausgebrannt - Gastank gesichert
Kurz vor 15 Uhr am Dienstagnachmittag geht bei der Kölner Feuerwehr die Meldung ein: Rauch im Dachbereich eines Bootes am Sürther Leinpfad. Wenig später steht fest: Es handelt sich um das Sürther Bootshaus, das schwimmende Restaurant im Rhein, eines der bekanntesten Ausflugsziele im Kölner Süden. Gegen 16 Uhr ist das Feuer gelöscht. Übrig bleibt eine ausgebrannte Hülle. „Das Schiff ist vollständig ausgebrannt“, teilt Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet am Nachmittag mit. Verletzt wurde niemand. Wie es zu dem Brand kommen konnte, blieb zunächst unklar. Heikel war der Einsatz vor allem wegen eines Gastanks, der nur rund acht Meter von dem Schiff entfernt steht. „Unsere höchste Priorität war es, eine Ausbreitung des Feuers auf den Tank zu verhindern“, sagt Laschet. Mit einer sogenannten Riegelstellung schirmten die Einsatzkräfte den Tank vom brennenden Boot ab. Insgesamt waren rund 70 Feuerwehrleute im Einsatz. Anwohnerinnen und Anwohner berichteten Radio Köln, sie hätten einen lauten Knall gehört. Ob das mit der Brandursache zu tun hat, ist offen – die Ermittlungen der Polizei dauern an. Drohne kreiste über Rhein – Schock für Sürther Anwohner Auch am späten Nachmittag war die Feuerwehr noch mit Nachlöscharbeiten des ausgebrannten Schiffes beschäftigt. Eine Drohne kreiste über dem Gebiet, während mehrere Feuerwehrleute das Schiff löschten. Auch kurz vor 18 Uhr lag noch Brandgeruch in der Luft; der Bereich rund um den Rheinboulevard vor dem Bootshaus war abgesperrt. Vor den Flatterbändern versammelten sich Anwohner und Schaulustige – bei vielen von ihnen sitzt der Schock tief. Ein langjähriger Anwohner beschreibt die Bedeutung des Restaurants für die Nachbarschaft: Das Sürther Bootshaus sei „ein echtes Juwel und eine Perle des Viertels“ gewesen, sagt er. Obwohl viele andere Restaurants bekannter seien, habe sich das Bootshaus „durch hochwertige Küche“ ausgezeichnet. Die schöne Lage am Rhein und das gute Essen hätten Menschen auch von außerhalb angezogen. Sürther Bootshaus ist beliebtes Ausflugsziel Eine Anwohnerin berichtet von dem dramatischen Moment, als sie das Feuer bemerkte. Der Geruch sei zuerst gekommen, erzählt sie. Dann habe sie von ihrer Terrasse aus „eine riesige, dunkelgraue Rauchsäule“ gesehen und sei hinuntergegangen. Die Feuerwehr- und Krankenwagen seien alle hineingeeilt, „und anfangs wussten wir nicht mal, woher das Feuer kommt. Das ist ein großer Schock für die Nachbarschaft hier“, resümiert die Anwohnerin, die seit 18 Jahren in der Gegend lebt. Der Brand trifft das Bootshaus in einem ohnehin prekären Moment. Wegen des extremen Rhein-Niedrigwassers lag das Schiff seit Tagen in Teilen auf Grund, mit einer Schräglage von rund acht Prozent. Küchenchef Jörg Blöck hatte das der Redaktion vor dem Brand drastisch beschrieben: „Man sieht es bei uns in der Küche in der Pfanne, dass wir praktisch das Öl nur noch auf einer Seite haben.“ Andere Bootshäuser am Kölner Ufer, etwa die Alte Liebe und das Bootshaus Albatros, waren von der Niedrigwasserlage bislang weniger betroffen. Das Sürther Bootshaus liegt exponierter. Dass ausgerechnet in Sürth Bootshäuser am Ufer liegen, ist kein Zufall, sondern Ortsgeschichte. Bis ins 20. Jahrhundert lebten die Sürtherinnen und Sürther zu einem großen Teil vom Fischfang und von der Landwirtschaft. Die erhaltenen Bootshäuser am Ufer sind gewissermaßen die letzten baulichen Zeugen dieser Erwerbstradition, auch wenn heute Schnitzel und Kölsch serviert werden, wo früher Fischerboote festmachten. Rhein in Köln: Sürther Bootshaus ist fast 70 Jahre alt Das Sürther Bootshaus stammt aus dem Jahr 1957. Im Oktober 2018 erwarb es der Rodenkirchener Geschäftsmann Achim Pesch samt komplettem Bootsanleger. Pesch begann die Komplettsanierung mit viel Eigenleistung. Vor allem die technische Erneuerung der Auftriebskörper – jener Elemente, die das Restaurant überhaupt schwimmen lassen – erwies sich als weit aufwendiger als geplant. Die ursprünglich für Herbst 2019 vorgesehene Eröffnung platzte. Dann kam ein Hochwasser Anfang 2020 und mit ihm ein vorübergehender Baustopp – direkt gefolgt von der Corona-Pandemie: Baumaterial wurde nur schleppend geliefert, Handwerker waren kaum zu bekommen. Innen war das Schiff da schon fast fertig, Weiß und Grau die bevorzugten Farben, Kaminofen und Küche eingebaut, die Holztische weitgehend eingeräumt. „Es soll nett und schick werden für die Gäste“, sagte Blöck damals. Brand auf Kölner Bootshaus: Feuer zerstörte Alte Liebe im Jahr 2003 Am 10. September 2020 war es dann so weit: Nach 23 Monaten Komplettsanierung öffnete das Sürther Bootshaus wieder, gut ein Jahr später als ursprünglich geplant. Zu den Gründen für die letzte Verzögerung gehörte, dass durch die lange Umbauphase von über zwölf Monaten das Brandschutzkonzept erloschen war und neu beantragt werden musste. Vom alten Bootshaus blieb im Grunde nur der Name. Der Gastraum bekam bodentiefe Fensterfronten mit Rundumblick auf den Rhein, die Terrasse wirkte bei gleicher Fläche luftiger. Es folgten eine neue Anlegestelle für rund 35 Wassersportboote, die aussieht wie eine Reihe riesiger Fischgräten, und erst kürzlich ein barrierefreier Steg. Geführt wurde das Haus von Blöck und seiner Lebensgefährtin Ursula „Uschi“ Seigner, die bis Juni 2020 das Landhaus Alt Weiß betrieben hatten und dessen Stammkundschaft mit aufs Wasser brachten. Auf der Karte standen rund 15 Gerichte. Zuletzt firmierte das Haus als Restaurant und Veranstaltungslocation mit Außenterrasse direkt auf dem Rhein, erreichbar unter anderem über die Fähre „Köln-Krokodil“.