Komiker: „Die Option tendiert eher in Richtung GRÜN!“ - Hallervorden nennt Auftritte für CDU „wahltaktisch“
Audioplayer wird geladen Anzeige Der Komiker Dieter Hallervorden, der den sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) im Landtagswahlkampf unterstützt, hat eine politische Nähe zu den Grünen offenbart. Für die großen Volksparteien sei er zu individualistisch, hatte der langjährige FDP-Sympathisant und exponierte Wokeness-Kritiker einst erklärt; auf die Frage, ob sich mit dem Schrumpfen der Volksparteien nicht neue Optionen ergäben, teilt Hallervorden der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) nun mit: „Bei den ständigen Klimakatastrophen tendiert die Option eher in Richtung GRÜN!“ Die Auftritte des gebürtigen Dessauers Hallervorden mit Schulze haben für Aufsehen und Irritationen gesorgt, auch innerhalb der CDU, da der Kabarettist mehrfach Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert und als Kriegstreiber bezeichnet hat. Für die Bundes-CDU, so Hallervorden zur F.A.S., „würde ich in der heutigen Zeit garantiert nicht als Wahlkämpfer zur Verfügung stehen“. Anzeige Seine Aktivität ordnet Hallervorden als „wahltaktisch“ ein: „Die CDU in Sachsen-Anhalt ist die einzige Partei, die in Koalition mit SPD und Grünen eine AfD-Regierung verhindern kann.“ Lesen Sie auch Trotz inhaltlicher Nähe bei bestimmten politischen Themen wie dem Ukraine-Krieg oder der Haltung zur Wokeness geht Hallervorden zur AfD gegenüber der F.A.S. deutlich auf Distanz: „Die AfD unterwirft jedes Thema einer zentralen Idee – nämlich der ,deutschen Identität‘. Das bedeutet, dass die AfD den Artikel 1 des Grundgesetzes insgeheim umdeutet, das hieße dann: ,Die Würde des Deutschen ist unantastbar!‘ Ich versehe Menschen nicht nach nationaler Zugehörigkeit mit Prädikaten wie ,besonders wertvoll‘, sondern für mich sind alle Menschen gleich – genau in dieser unterschiedlichen Gesinnung liegt der gravierende Unterschied zwischen mir und der AfD.“ Anzeige Auf die Frage, ob er in Israel, dem er einen Völkermord in Gaza vorwirft, noch einen Freund sehe, antwortet Hallervorden: „In dem Staat Israel: Ja! In den israelischen Politikern unter Netanjahu: Nein! Wer seit Dezember 2023 vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Völkermords angeklagt ist, hat seinen Anspruch auf Freundschaft verwirkt.“ Jüdische Gemeinschaft kritisiert Wahlkampfauftritt mit Hallervorden Die Jüdische Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Schulze für die gemeinsamen Auftritte mit Hallervorden kritisiert. Der Künstler vertrete offen antiisraelische Positionen und verbreite Narrative, die die Ereignisse des 7. Oktober 2023 verzerrten, schreibt die Gemeinschaft in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung in Magdeburg. Lesen Sie auch Schulze hatte sich unter anderem in den sozialen Medien bereits am Mittwoch erklärt, dass er Hallervordens Aussagen teilweise für falsch beziehungsweise „grundfalsch“ halte. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf den Vorwurf des Völkermords gegenüber Israel. Er halte aber an der Gesprächsreihe „Kunst braucht Freiheit“ fest. Eine Demokratie müsse auch kontroverse Meinungen aushalten. Die Äußerung Schulzes reiche als Klarstellung jedoch nicht aus, kritisierte die Jüdische Gemeinschaft in ihrer Stellungnahme. Die politische Wirkung der getroffenen Aussagen werde dadurch nicht gemindert. Für demokratische Parteien dürfe es keine öffentliche Nähe zu Personen geben, die die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober relativierten oder anti-israelische Positionen legitimierten. epd/saha