Kommentar: Die Deutsche Bahn schönt Gewinne mit Staatsgeldern
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), dessen pünktlicher Start seiner „Sommerreise“ diesen Montag im Selbstversuch an einer defekten ICE-Klimaanlage scheiterte, lernt nicht nur zügig im Umgang mit dem maroden Staatsunternehmen, sondern auch von der Bahn-Chefin selbst. Einfach mal etwas weglassen, so machte sie es ihm Ende Juli bei der Präsentation der DB-Halbjahreszahlen vor, und schon sieht die Welt viel rosiger aus. Mit dieser cleveren Strategie hatte Evelyn Palla ihren bislang wohl schillerndsten PR-Coup gelandet. Dank eines Gewinnsprungs von 0,9 Milliarden Euro habe man erstmals seit sieben Jahren wieder einen Gewinn im ersten Geschäftshalbjahr verbuchen können, verkündete sie freudig und nannte das angebliche Ergebnis ihres Sanierungskurses einen „wichtigen Meilenstein“. Wer sich im DB-Zwischenbericht bis zu Seite 27 vorkämpfte, erfuhr den wahren Grund des überraschenden Gewinnsprungs, der am Veröffentlichungstag in fast allen Medien bejubelt worden war: die „höhere Förderung von Instandhaltungsleistungen für die Schieneninfrastruktur durch den Bund (plus 0,9 Milliarden Euro)“. Die zusätzlichen Staatsgelder, die per Gesetz nun auch in die Instandhaltung fließen dürfen, finden sich wieder in den „sonstigen betrieblichen Erträgen“ des DB-Konzerns – und sind damit ergebniswirksam. Ihr Betrag entspricht fast exakt dem gefeierten Gewinnsprung.