Komplettes Aktienportfolio weg: Deutsches Wunderkind verzockt mit seinem KI-Hedgefonds Milliarden
Ohne jede Berufserfahrung in der Finanzbranche gründet Leopold Aschenbrenner einen Hedgefonds. Investoren vertrauen ihm Milliarden an. Das Wunderkind erzielt atemberaubende Gewinne - mit einer riskanten Strategie, die schließlich nach hinten losgeht. Die Karriere von Leopold Aschenbrenner schien kein Limit zu kennen - bis zum großen Absturz seines Hedgefunds diese Woche: Abitur in Berlin mit nur 15 Jahren. Studienabschluss als Jahrgangsbester an der Columbia University in New York in Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Statistik mit 19. Bei OpenAI, der Firma hinter ChatGPT, war er als Forscher mit der Frage befasst, wie künftige, den Menschen überlegene KI-Modelle kontrolliert werden können. Doch das waren nur die vergleichsweise bescheidenen Anfänge. Im Frühjahr 2024 wirft OpenAI das deutsche Nachwuchstalent raus. Offiziell wegen der Weitergabe von Betriebsgeheimnissen. Aschenbrenners Darstellung zufolge war die Unternehmensleitung dagegen sauer auf ihn, da er vor gefährlichen Sicherheitslücken gewarnt habe. Kurz darauf sagt er in einem 165 Seiten langen Aufsatz voraus, dass sich KI viel schneller durchsetzen und mehr Lebensbereiche mit weiterreichenden Folgen umkrempeln wird, als bislang allgemein angenommen werde. Der Text mit dem Titel "Situational Awareness" (deutsch: Situationsbewusstsein) verschafft Aschenbrenner große Aufmerksamkeit nicht nur in der Tech-Szene, sondern auch in der Finanzwelt, die zu diesem Zeitpunkt begonnen hat, Billionen von Dollar in Branchen zu investieren, die vom Durchbuch der KI profitieren könnten. Seine Prophezeiung setzt Aschenbrenner direkt in ein Investmentkonzept um. Mit Anfang 20, ohne nennenswerte Erfahrung in der Finanzbranche, gründet er einen Hedgefonds, der den Namen seines Essays trägt: Situational Awareness. Es folgt - zumindest kurzzeitig - eine der spektakulärsten Erfolgsgeschichten der US-Finanzgeschichte. Innerhalb kürzester Zeit steigt das Kapital des Fonds auf über eine Milliarde Dollar. Aschenbrenner scheint mit seinen Wetten genau richtigzuliegen. Er setzt auf Unternehmen aus Branchen, in denen er die größten Engpässe für den erwarteten Ausbau künstlicher Intelligenz sieht. Bei anderen KI-Unternehmen, die er für überbewertet hält, wettet er auf Kursrückgänge. Weil diese Wetten zunächst großteils aufgehen, habe Aschenbrenner in Finanzkreisen den Spitznamen "Nostradamus der KI" bekommen, berichtet die "Financial Times". Immer mehr Investoren stecken immer größere Summen in seinen Hedgefonds. Allein im ersten Halbjahr 2026, so verkündete der inzwischen 24-Jährige in einem Schreiben an Investoren vergangene Woche, kann Aschenbrenner das Kapital seines Fonds mehr als verfünffachen auf über 20 Milliarden Dollar. Seit Gründung von "Situational Awareness" nur zwei Jahre zuvor betrug die Rendite demnach mehr als 1500 Prozent. Doch zu diesem Zeitpunkt ist das Investment-Wunderkind schon in erheblichen Schwierigkeiten. Um solche extrem hohen Gewinne zu erzielen, hat Aschenbrenner nicht nur das Kapital seiner Fondskunden investiert, sondern zusätzlich auch geliehenes Geld von Banken. Angesichts von plötzlich einsetzenden Kursverlusten bei einigen von Aschenbrenners größten Positionen wird dieser sogenannte Hebel zum Problem. Die Banken fordern zusätzliche Sicherheiten. Dafür muss der Fonds Aktienpakete verkaufen. Durch seine Größe gehört Situational Awareness bei einigen Firmen bereits zu den größten Aktionären. Die Verkäufe heizen den Absturz von KI-Aktien weiter an. Am Wochenende, so berichten die "Financial Times" und "Bloomberg", versucht Aschenbrenner noch Investoren seines Fonds dazu zu bewegen, Geld nachzuschießen. Die "Volatilität" des Marktes sei eine Chance für Anleger, argumentiert er. Als Anfang dieser Woche einige Aktien aus Aschenbrenners Portfolio regelrecht abstürzten, war klar, dass sein Fonds einen geordneten Rückzug nicht mehr stemmen konnte. Die Rettung kam laut übereinstimmenden Medienberichten nach nächtlichen Verhandlungen am Donnerstagmorgen von einem der größten Hedgefonds der USA: Branchenveteran Ken Griffin übernimmt demzufolge mit seiner Firma Citadel das gesamte Aktienportfolio von Situational Awareness. Bis vor Kurzem war dies wohl noch mehr als 16 Milliarden Dollar wert. Wie viel genau davon noch übrig ist, was Griffin dafür bezahlt hat, und wie groß die Verluste von Aschenbrenners Investoren am Ende sind, ist nicht bekannt. Bei Situational Awareness verbleiben demnach einige nicht börsennotierte Beteiligungen, darunter Anteile an dem führenden KI-Entwickler Anthropic. Wie es mit dem jungen Hedgefonds und dem deutschen Wunderkind an seiner Spitze weitergeht, ist ebenfalls unklar. Die spannende Frage für ihn sei nicht, was mit Situational Awareness passiert, zitiert die "Financial Times" eine Person, die an den Verhandlungen über die Rettung des Fonds beteiligt war. "Die eigentliche Frage" sei, wie jemand "einem Kind ohne Erfahrung" überhaupt so viel Geld leihen konnte.