DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,34 % 52.391,60 Pkt 18:50:23 S&P 500 +1,31 % 7.723,86 Pkt 18:50:25 Nasdaq +2,03 % 26.482,61 Pkt 18:50:25 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,96 % 4.077,30 USD 18:40:24 Silber +0,74 % 54,51 USD 18:40:24 Brent -5,54 % 109,39 USD 18:40:26 WTI -1,87 % 99,86 USD 18:40:22 Bitcoin +0,66 % 80.536,99 USD 18:50:17 EUR/USD -0,69 % 1,11410 USD 18:49:43 EUR/GBP -0,23 % 0,83660 GBP 18:50:23 EUR/CHF -0,15 % 0,92270 CHF 18:50:25 EUR/JPY -0,03 % 175,869 JPY 18:50:26

Konjunkturaufschwung in Deutschland - eine Scheinblüte

Wissenschaft

Der Konjunkturaufschwung ist da! Es geht bergauf, man darf Optimismus verbreiten – so lautet aktuell zumindest die Erzählung bei vielen Journalisten und Kommentatoren in Social Media. Man sieht, was man sehen will. Wir sagen: Es ist eine Scheinblüte. Bei den gigantischen Bergen neuer Schulden ist es eher erstaunlich, warum das Wirtschaftswachstum nur so gering ausfällt. Denn: Mit jeder Menge Neuverschuldung kann selbst der inkompetenteste Politiker kurzfristig das Bruttoinlandsprodukt aufpumpen. Denn so ziemlich alles, was man auf Pump bezahlt, bläht statistisch auf kurze Sicht die Wirtschaftsleistung auf. Das sagt aber nichts darüber aus, wie nachhaltig so eine Entwicklung ist!

Konjunkturaufschwung im Mini-Format

Die heutige Meldung des Statistischen Bundesamts sagt es sogar ganz offen: Im 2. Quartal 2026 lag die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland mit +0,3 % unterhalb des europäischen Durchschnitts, der bei +0,5 % lag. Auch im Jahresvergleich sind es hierzulande nur +1,0 % im BIP bei +1,2 % im Schnitt der EU. Bei massiv neuen Schulden für Rüstung und Infrastruktur ist das ein ziemlich maues Ergebnis. Der große Konjunkturaufschwung sieht anders aus, so meine Meinung!

Aber immerhin: Gerade heute kamen gleich mehrere positive Meldungen auf den Tisch, die den geneigten Journalisten schnell vom erhofften Konjunkturaufschwung träumen lassen. Das BIP-Wachstum im letzten Quartal lag mit +0,3 % höher als bei der Erstmeldung Ende Juli bei +0,2 %. Dazu kam heute der besser als erwartet gemeldete ifo-Geschäftsklimaindex für August. Er wurde mit 88,8 Punkten gemeldet nach 86,7 Punkten im Vormonat und bei einer Erwartung von 87,2 Punkten. In allen Wirtschaftsbereichen steigt laut ifo die Stimmung an.

Auch der Auftragseingang im Baugewerbe erlebt laut heutiger Meldung der staatlichen Statistiker einen spürbaren Anstieg. Die Meldung bezieht sich auf den Monat Juni. Im Monatsvergleich ist es ein Anstieg um 6 %, im Jahresvergleich sind es 11,3 % Zuwachs. Man darf vermuten: Stärkere Ausgaben für Infrastruktur und Rüstung bringen mehr als ein Jahr nach Verkündung des Sondervermögens und der Aufrüstung auf Pump endlich spürbare Effekte am Bau. Es wäre ja auch schlimm, wenn sich diese umfangreichen Schuldenprogramme gar nicht als Konjunkturaufschwung darstellen würden!

Aber, da bleibe ich bei meiner Meinung: Gesamtwirtschaftlich gesehen sind diese aktuellen Anstiege im Bruttoinlandsprodukt doch sehr gering, vor allem wenn viele andere Länder in Europa es schaffen viel stärker zu wachsen! Die schiere Dimension des Schuldenaufbaus der Bundesregierung verlangt bei Betrachtung mit gesundem Menschenverstand, dass die Konjunktur eigentlich viel stärker wachsen müsste.

Jede Menge neue Schulden

Der vor wenigen Tagen offiziell präsentierte Haushaltsentwurf des Bundes für die Jahre 2026 bis 2030 zeigt, dass die jährlichen Ausgaben des Bundes von 524,5 Milliarden Euro in diesem Jahr bis 635,4 Milliarden Euro in 2030 ansteigen sollen. Die Nettokreditaufnahme soll zugleich von 98 Milliarden Euro 2026 auf 167,3 Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen.

Hinzu kommen Kredite zur Finanzierung von Ausgaben insbesondere für Verteidigung, Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste, IT-Sicherheit und die Unterstützung völkerrechtswidrig angegriffener Staaten. Diese von der Schuldenregel ausgenommene Kreditaufnahme soll von 85,4 Milliarden Euro 2027 auf 151,8 Milliarden Euro 2030 steigen. Den Anstieg führt die Bundesregierung im Wesentlichen auf den Hochlauf der Verteidigungsausgaben zurück. Zusätzlich zur Nettokreditaufnahme des Bundeshaushalts tritt die Kreditaufnahme von Sondervermögen des Bundes mit eigener Kreditermächtigung. Dazu gehört das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Für dieses sind 2027 Einnahmen aus Krediten am Kreditmarkt von rund 54,9 Milliarden Euro vorgesehen.

Fazit

Bei diesen Summen dürfte man mehr als ein Jahr nach Start der Schuldenprogramme inzwischen mehr Wirkung erwarten. Vor allem die Nachfrage ausländischer Kunden nach deutschen Industrieprodukten brachte laut heutiger Aussage der staatlichen Statistiker diesen BIP-Anstieg im zweiten Quartal. Die Wirkung des Sondervermögens blieb nachrangig. Ich bleibe dabei: Eigentlich müssten wir einen viel kräftigeren Konjunkturaufschwung sehen als 1 % Wachstum im Jahresvergleich. Vielleicht kommt der kräftigere Konjunkturschub dank Schuldenaufnahme ja noch zeitverzögert? Aber bis jetzt überzeugt mich dieses Wachstum nicht.

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Capital Markets Redakteur

Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren