Konsolen und PC: Wird Hardware noch teurer? Samsung zeigt sich beim Speicher-Engpass pessimistisch
Samsung gehört zu den größten Herstellern von Speicher- und Storage-Chips weltweit und liefert rund ein Drittel des globalen Bedarfs. In einem Earnings-Call zum zweiten Quartal erklärte der südkoreanische Konzern, dass sich der aktuelle Engpass nicht so schnell auflösen wird. Im Gegenteil: Die Lage soll sich 2027 sogar zuspitzen und mindestens bis 2028 angespannt bleiben. Der Grund ist der anhaltende KI-Boom. Große KI-Konzerne sichern sich schon jetzt ihre künftige Versorgung und geben ihre Planungen direkt an Samsung weiter. Dem Unternehmen zufolge teilen die Anbieter dabei „ihre mittel- bis langfristigen Nachfrageprognosen“ mit, um sich einen konstanten Nachschub zu garantieren. Warum die RAM-Preise weiter steigen Die frühen Zusagen der KI-Firmen wirken sich unmittelbar auf den Markt aus. Samsung nutzt die Daten, um eine Art Rangliste der Kunden zu erstellen. Priorität bekommt, wer die höchsten Margen bringt und langfristige Verträge unterschreibt. Diese Planungssicherheit erlaubt es dem Unternehmen, neue Anlagen aufzubauen und die Produktion hochzufahren, ohne einen plötzlichen Nachfrageeinbruch zu fürchten. Gleichzeitig sorgt genau dieser Mechanismus dafür, dass die Preise oben bleiben. Ein Großteil der Kapazität ist bereits für High Bandwidth Memory (HBM) reserviert, das für KI-Rechenzentren benötigt wird. Für klassischen Consumer-Speicher bleibt bei den drei großen Herstellern kaum etwas übrig. Und das bekommen die gewöhnlichen Konsumenten zu spüren, die am Ende der Nahrungskette ausharren. Folgen für Konsolen, Grafikkarten und PCs Die höheren Komponentenpreise treffen längst die Spielehardware. PS5, Xbox Series X/S und die Switch 2 wurden bereits teurer, teils sogar mehrfach. Auch Valves Steam Machine startete zu einem höheren Preis als vom Hersteller ursprünglich geplant. Und das Unternehmen deutete an, möglicherweise erneut nachlegen zu müssen. Bei Grafikkarten wurde zuletzt berichtet, dass Nvidia die Kit-Preise für Partner um 20 bis 30 Prozent anhebt. Für Samsung selbst ist die Krise ein zweischneidiges Schwert. Die Sparte für Halbleiter fuhr im zweiten Quartal einen Rekordumsatz ein. Zugleich schrumpfte die Profitabilität bei Smartphones und Fernsehern, weil die teureren Chips die Bauteilkosten in die Höhe trieben. Einen Teil davon reichte der Konzern an die Kundschaft weiter und erhöhte die Preise für Galaxy-Smartphones und Tablets, mit der Folge, dass die Nachfrage nach diesen Geräten sank. Auch Konkurrent Apple hob zuletzt die Preise für MacBooks, Macs und iPads an und warnte vor einem langsameren Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent im kommenden Quartal. Zuvor lag es bei 16 Prozent. Letztlich ist zu beachten: Samsung profitiert vom Speicherhunger und der Preisschlacht und hat ein Interesse am möglichst langen Engpass. Bei einem Earnings-Call geht es zudem darum, sich gegenüber Investoren möglichst profitabel zu präsentieren. Das heißt, die Prognose hinsichtlich der Speicherkrise muss auch aus dieser Perspektive betrachtet werden.