Konten wegen Iran-Verbindung eingefroren
Startseite Region Neu-Isenburg Luxushotel im Notbetrieb: Konten wegen Iran-Verbindung eingefroren Von: Vincent Büssow Uns auf Google folgen Das Luxushotel in Gravenbruch kann wegen gesperrter Konten derzeit keine Gäste aufnehmen oder Reparaturen durchführen. Der eingesetzte Insolvenzverwalter sagt, die Stilllegung droht. Gravenbruch – Kein Frühstück, keine Veranstaltungen, keine Gäste – das Hilton-Luxushotel am Tor zu Gravenbruch läuft seit Donnerstag, 13. August, im Notbetrieb. Wegen wirtschaftlicher Verbindungen zum Regime im Iran wurden die Geschäftskonten des Betriebs nun eingefroren. Die Insolvenzverwaltung fürchtet nun um das Bestehen des Traditionshauses und den Erhalt der rund 140 damit verbundenen Arbeits- und Ausbildungsplätze. „Wir haben Geld auf den Konten, wir haben einen Hotelbetrieb, den wir grundsätzlich fortführen wollen, und wir haben mehr als 140 Menschen, die hier arbeiten wollen“, teilt Joachim Kühne, der vom Insolvenzgericht Offenbach als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden ist, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Aber wir können selbst notwendige laufende Ausgaben derzeit nicht rechtssicher bezahlen.“ Wir halten das Ergebnis in diesem konkreten Verfahren, die Gelder nicht freizugeben, für kaum nachvollziehbar. Hilton Hotel in Gravenbruch (Neu-Isenburg): Gäste umquartiert Für den Betrieb vor Ort bedeutet das enorme Einschränkungen. Die Gäste werden inzwischen in andere Hotels umquartiert. Vor Kurzem sei es zudem zu einem Wasserrohrbruch in dem Gebäude gekommen, der nicht repariert werden konnte, weil der Zugriff auf die nötigen Gelder nicht möglich sei, berichtet der Insolvenzverwalter. Grund dafür sind Sanktionen gegen den iranischen Geschäftsmann Ali Ansari. Dieser soll über ein Netzwerk an Unternehmen Vermögen im Ausland geparkt und dadurch das iranische Regime unterstützt haben, wobei das Luxushotel laut US-Medienberichten zu Ansaris Portfolio gehört. Ansari selbst bestreitet alle Verbindungen zu dem Regime im Iran. Nachdem aber zunächst Großbritannien und die USA Sanktionen gegen den Geschäftsmann erlassen hatten, begann der Hilton-Konzern Berichten zufolge damit, die Geschäftsbeziehungen zu dem Hotel in Gravenbruch abzuwickeln. Ende Juli zog die EU nach und setzte Ansari ebenfalls auf ihre Sanktionsliste, was das Einfrieren seiner Vermögenswerte und somit auch der Geschäftskonten des Hotels zur Folge hatte. Nach Auffassung der Insolvenzverwaltung bestehe jedoch keine Gefahr mehr, dass Gelder, die für den Weiterbetrieb des Hotels genutzt werden, bei Ansari ankommen. Die Verfügungsgewalt über das Vermögen liege nun bei Joachim Kühne. Zudem seien Sicherungen eingerichtet worden, damit kein Geld an sanktionierte Personen fließen kann. „Wir kennen und befolgen selbstverständlich das geltende Sanktionsrecht“, sagt Kühne. Hilton Hotel in Neu-Isenburg-Gravenbruch: Suche nach neuen Investoren läuft Vor diesem Hintergrund habe die Insolvenzverwaltung bei den zuständigen Stellen die Freigabe von Geldern beantragt und dargelegt, dass diese ausschließlich für die Fortführung des Hotels eingesetzt werden sollen – bisher ohne Erfolg. „Wir halten das Ergebnis in diesem konkreten Verfahren, die Gelder nicht freizugeben, für kaum nachvollziehbar“, sagt Kühne. „Die Sanktionen sollen verhindern, dass eine sanktionierte Person wirtschaftlich profitiert. Genau das ist durch die Insolvenz gesichert. Trotzdem können wir das vorhandene Geld derzeit nicht für Mitarbeiter, Lieferanten und notwendige Reparaturen verwenden.“ Der Insolvenzverwalter will sich weiter für eine Freigabe der Gelder einsetzen. Gleichzeitig soll der eingeschränkte Betrieb die Substanz des Hotels so weit wie möglich sichern. Auch Möglichkeiten für eine Fortführung und eine Investorenlösung würden weiterverfolgt. „Wir geben das Hotel nicht auf“, sagt Kühne. Für den Betrieb tickt allerdings die Uhr: „Wenn wir nicht sehr kurzfristig Rechtssicherheit und die notwendigen Freigaben erhalten, droht eine vollständige Stilllegung.“