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Kontrollverlust durch KI: Informatikerin spricht von absichtlich geschürten Ängsten und "Marketinggeschwätz"

Technologie

KI-Debatte

Informatikerin: KI-Anbieter schüren Angst vor Künstlicher Intelligenz bewusst

Stand: 21.09.2026 10:42 Uhr

Mit dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz werden in fast gleichem Tempo die größten Schreckensszenarien aufgebaut: KI laufe schon jetzt aus dem Ruder und könne vom Menschen bald nicht mehr beherrscht werden, heißt es da. Experten aus verschiedenen Bereichen warnen nun davor, KI zu überschätzen.

von Uta Georgi, MDR AKTUELL

Viele fürchten angesichts sich weiter entwickelnder KI einen Kontrollverlust

Die Sprecherin des CCC meint, die Ängste würden von KI-Anbietern absichtlich geschürt

Ein Psychologieprofessor rät, KI gleichermaßen zu akzeptieren und zu hinterfragen

Computer, die Kraftwerke lahmlegen, sodass überall der Strom ausfällt; Bankkonten werden gehackt und Geld verschwindet oder Maschinen, die Krieg führen und nicht zu stoppen sind; Solche Szenarien über die apokalyptischen Kräfte von KI-Anwendungen ziehen ihre Kreise über den Globus, und sie schüren große Ängste bei vielen Menschen.

KI erzeugt bei vielen Gefühl von Kontrollverlust

Was das mit uns macht, beschreibt Markus Langer. Der Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Freiburg sagt: "Das ist dieses Kontrollverlustgefühl, dieses 'Ich-weiß-nicht-was-da-abgeht', ich kann es auch nicht so richtig beeinflussen. Kontrolle ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir wollen das Gefühl haben: ich bin selbstwirksam. Das psychologische Wort, die Selbstwirksamkeit, ich kann etwas tun und das hat einen positiven Effekt auf mich, auf die Welt, mein Handeln hat Wirkung. Und wenn ich jetzt KI-Systeme habe, die mir vielleicht den Job streitig machen, die vielleicht den Austausch mit Kollegen schlechter machen, das wirkt alles gegen dieses Bedürfnis von Kontrolle."

CCC: Ängste werden absichtlich geschürt

Ein Appell gegen das Gefühl von Kontrollverlust und Angst kommt von der Informatikerin Constanze Kurz. Sie ist Sprecherin des Chaos Computer Clubs, der sich mit Fragen der Computersicherheit beschäftigt, und sagt: "Mein Eindruck ist, dass derzeit diese Ängste ganz enorm und auch absichtlich geschürt werden. Ich würde mit großer Sicherheit behaupten, dass sie übertrieben sind und dass es auch viel um Marketinggeschwätz geht."

Mein Eindruck ist, dass derzeit diese Ängste ganz enorm und auch absichtlich geschürt werden. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs

Kurz meint, daran hätten vor allem jene Firmen ein Interesse, "die diese KI anbieten und versuchen, daraus ein Geschäftsmodell zu machen, sie in den Markt zu drücken und sie als sehr viel mächtiger darzustellen, als sie sind."

Die CCC-Sprecherin sagt, die Vorstellung von KI als Superintelligenz sei nicht angemessen. Sie sei sich sicher, dass wir von der KI nicht ausgelöscht würden: "Natürlich hat die generative KI eine ganze Menge erreicht, aber sie ist sehr weit weg entfernt davon, dass sie sich selber mit einem Bewusstsein und irgendwelchen Zielen quasi selbstständig machen würde. Das ist einfach ein großer Quatsch."

Dass sich KI selber mit einem Bewusstsein und irgendwelchen Zielen quasi selbstständig machen würde, das ist einfach ein großer Quatsch. Constanze Kurz, Sprecherin des CCC

Kurz fügt hinzu: "Die Firmen, die diese generative KI anbieten, wollen sich vor allen Dingen lossprechen von der Verantwortung, die sie für ihre Produkte haben. Denn es geht ja nebenbei darum, wer zum Beispiel dafür haftet, was diese generative KI macht." Worauf man aber achten müsse, sei, dass die KI-Bosse nicht zu mächtig würden. Sie bestimmten den aktuellen Diskurs, indem sie diese Übertreibungen in die Welt setzten und alle wiederholten sie, als seien sie wahr.

Psychologe rät, KI zu akzeptieren

Einen Tipp für den Umgang mit der Angst vor KI hat auch der Psychologe Markus Langer von der Universität Freiburg: "Es ist erstmal zu akzeptieren, dass KI da ist. Es macht keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und zu sagen, ich ignoriere das alles." Gleichzeitig sei es keine Lösung, zu sagen: "Wunderbar, ich glaube jetzt alles und benutze den ganzen Tag KI für alles."

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