Konzert der Pussycat Dolls in Düsseldorf
Zuletzt war die geplante Nordamerika-Tour der Dolls ob des zu geringen Interesses geplatzt. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, stehen bei dieser Reunion nur noch drei von einst sieben Gründungsmitgliedern auf der Bühne. Ein bisschen Schwund ist ja immer. Aber so krass ist schon traurig. Wer es böse und hämisch mag, könnte sagen: Sollen es die Pussycat Dolls doch gleich sein lassen. Umso mehr wiederum spricht es für das 2003 gegründete Musikprojekt, dass sie genau das nicht tun und einfach alles wegtanzen.
Es lässt sich jedenfalls gar nicht so schlecht an, als es losgeht mit ihrer Nostalgieshow der Nullerjahre: Die Halle ist tatsächlich voll. Die Menschen sind euphorisiert. In Europa scheinen die Pussycat Dolls noch Steine in vielen Herzensbrettern zu haben. Und diese Menschen nehmen das, was ihnen Nicole Scherzinger, Ashley Roberts und Kimberly Wyatt hinwerfen, dankend an. Und mitunter sogar sichtlich gierig auf. Jubel brandet auf. Menschen tanzen vor der Bühne in Gruppen zu den wilden Choreografien der Band und ihrer Background-Gang.
„When I grow up“ eröffnet die Show und erzählt von wahr gewordenen Star-Träumen, die einen am Ende auch auffressen können – und spannt somit gleich zu Beginn über das hinweg, was die Pussycat Dolls über die Jahre erlebt, ertragen, überlebt haben: persönliche Krisen, Pandemie-Desaster, Rechtsstreitereien, den ganz normalen Rampenlicht-Wahnsinn. Und man glaubt es ihnen, wenn sie durch Roberts ausrichten lassen: „Damals waren wir die Mädchen, die wir waren. Heute stehen wir hier als die Frauen, die wir sind.“ Ein wenig Philosophie inmitten von Electro- und Hip-Hop-Beats. Das Bühnenbild dazu ist wiederum opulent kitschig: Immer wieder pocht das Logo-Herz der Dolls über die Leinwand. Das Outfit wechselt zwischen Rotkäppchen-Haube, Glitzerfummel und Stoffstreifen-Kostüm.
Anfangs und am Ende treten die Pussycat Dolls als Gruppe auf. Dazwischen solo. Das ist ein Auf und Ab. Auch qualitativ. Zu dritt sind sie durchaus eine Macht, eine ordentliche Wucht. Es ist offensichtlich, dass Superstars der neuen Generation wie Tate McRae bei ihnen als Meisterinnen gelernt haben. Speziell wenn es an jene Superhits geht, die wahrscheinlich auch die härtesten Backstreet-Boys-Fans ein paar Kilometer nebenan kennen – „Buttons“, „Stickwitu“, „Don’t cha“. Erklingen sie, dann kochen die Menschen in ihren mitunter extravaganten Abendgarderoben vor der Bühne und auf den Rängen und die Dolls, die Puppen, halten die Fäden in Händen, an denen sie alle anderen tanzen lassen – auch wenn sie mit Trommeln und Boller-Tamtam manchmal ganz schön dick auftragen.
Stehen sie zwischendurch hingegen allein auf der Bühne, ist Nicole Scherzinger als klare Anführerin und das Gesicht der Truppe großartig – nicht zuletzt, wenn sie Songs aus ihrem Musical „Sunset Boulevard“ im weißen Licht und auf einem Podest gen Hallendecke fahrend singt und jedem Ton Relevanz verleiht. Die beiden anderen indes fallen ab, covern einige Stücke – und lassen das Konzert zeitweise eher zur Karaoke werden. Dem Status der Pussycat Dolls als eine der den Beginn des neuen Jahrtausends prägenden Gruppen wird das nicht wirklich gerecht.