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Konzertabsagen von Giesinger, Weiss & Co.: Veranstalter warnt vor "Crash"

Unterhaltung

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Immer mehr deutsche Musiker wie Max Giesinger sagen Auftritte ab. Veranstalter Markus Krampe spricht mit t-online über die Gründe und prophezeit eine dunkle Zukunft. Es wirkt wie eine Welle an Ausfällen: Nachdem Rapper Bushido ein für März geplantes Konzert in Hamburg "aus produktionstechnischen Gründen" abgesagt hatte, reihten sich weitere Künstler ein. Auch Wincent Weiss und Max Giesinger ließen Auftritte ausfallen und gaben offen zu: Sie haben zu wenig Tickets verkauft. Letzteres hatte für Gabriel Kelly sogar zur Folge, dass er nahezu seine gesamte Tour absagen musste. Ereignisse, die Festivalveranstalter Markus Krampe nicht überraschen. Mit t-online spricht er über unrealistische Gagenforderungen und die Krise der deutschen Musikbranche. t-online: Herr Krampe, immer häufiger werden Konzerte oder Veranstaltungen abgesagt. Handelt es sich um Einzelfälle oder kann man inzwischen von einem Phänomen sprechen? Markus Krampe: Dass vermehrt Konzerte abgesagt werden, war schon vor zwei Jahren absehbar. Ich glaube sogar, dass wir erst am Anfang stehen. Die gesamte Entertainment-Branche muss sich auf noch härtere Zeiten einstellen. Was steckt dahinter? Es gibt drei Gründe: Erstens ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland katastrophal. Gestiegene Benzinpreise und hohe Lebenshaltungskosten führen dazu, dass sich viele Menschen zweimal überlegen, ob sie sich ein Konzertticket leisten. Zweitens sind die Infrastrukturkosten massiv gestiegen. Für einen Helfer beim Bühnenaufbau zahlt man heute teilweise so viel wie vor Corona für einen Produktionsleiter. Und drittens verlangen viele Künstler inzwischen Gagen, die deutlich jenseits von Gut und Böse liegen. Dabei vergessen viele von ihnen, dass sie während der Corona-Pandemie Veranstalter noch darum gebeten haben, überhaupt Konzerte geben zu dürfen. Warum steigen die Gagen so stark? Früher haben Künstler viel Geld mit Plattenverkäufen verdient. Heute bringt Streaming deutlich weniger ein. Deshalb versuchen viele, die Einnahmen über Live-Auftritte zu kompensieren. Das führt dazu, dass Künstler, die früher 50.000 Euro pro Auftritt gekostet haben, heute 150.000 oder sogar 200.000 Euro verlangen. Irgendwann platzt dieses System. Ich habe vielen Künstlern schon vor zwei Jahren gesagt: "Ihr schaufelt euch euer eigenes Grab." Sie äußerten in einem Interview, Wincent Weiss verlange heute eine etwa 40 Prozent höhere Gage als noch vor wenigen Jahren. Wincent Weiss ist nur einer von vielen. Die Gagen steigen praktisch in allen Genres – ob Deutsch-Pop oder Deutsch-Rap. Manche Künstler haben aus meiner Sicht den Bezug zur Realität verloren. Gleichzeitig betonen sie ihre Fan-Nähe. Das passt für mich nicht zusammen. Künstler müssen sich aber doch finanziell über Wasser halten. Natürlich können Künstler nichts dafür, dass Streaming die Musikbranche verändert hat. Aber die zusätzlichen Kosten sollten nicht allein Veranstalter und Konzertbesucher tragen. Alle Beteiligten müssen einen Schritt aufeinander zugehen, damit Konzerte auch künftig noch stattfinden können. Wincent Weiss hat nach seinen Konzertabsagen bereits eine neue Tour angekündigt. Ist das aus Ihrer Sicht riskant? Das werden wir sehen. Wenn schon einzelne Konzerte abgesagt werden müssen, wäre ich mit einer großen Hallentour vorsichtig. Ich glaube nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage bis nächstes Jahr grundlegend verbessert. Inwiefern tragen die Veranstalter Verantwortung dafür, dass eine Tour wirtschaftlich tragfähig ist? Liegt es nicht auch an ihnen, die Risiken durch eine realistische Planung zu minimieren? Natürlich müssen Veranstalter kalkulieren. Unser Geschäft war immer mit Risiken verbunden. Aber dieses Risiko wird inzwischen immer größer. Gabriel Kelly hat offen zugegeben, seine Tour wegen schlechter Ticketverkäufe abgesagt zu haben. Ist diese Ehrlichkeit gut oder schadet sie einem Künstler? Ein Manager wird davon eher abraten, weil es wirtschaftlich problematisch ist. Ein Künstler möchte dagegen oft authentisch sein. Früher sprach man von "produktionstechnischen Gründen", obwohl jeder wusste, dass zu wenige Tickets verkauft wurden. Heute kommt Ehrlichkeit bei vielen Fans gut an. Für Veranstalter ist das allerdings ein Warnsignal. Sie überlegen sich dann genau, ob sie mit diesem Künstler zusammenarbeiten möchten. Überschätzen sich viele Künstler wegen ihrer Social-Media-Reichweite? Ja, das sehe ich häufig. Millionen Follower bedeuten noch lange nicht, dass Menschen auch Eintrittskarten kaufen. Social Media ist eben nicht das echte Leben. Während sich manche Künstler mit Ticketverkäufen schwertun, sind die Konzerte einiger Superstars innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Findet gerade eine Marktbereinigung statt? Genau diesen Eindruck habe ich. Es gibt einerseits sehr günstige Angebote und andererseits exklusive Top-Events, die jeder sehen will. Dazwischen bricht der Markt gerade weg. Das kennen wir auch aus anderen Branchen. Diese Entwicklung halte ich für bedenklich. Loading... Loading... Loading... Warum? Könnte es nicht auch dazu führen, dass sich am Ende nur die wirklich starken Künstler durchsetzen und der Markt sich gesundschrumpft? Das kann niemand einschätzen. Ich bin ja auch kein Hellseher. Allerdings wäre es natürlich traurig, wenn sich nur die Starken durchsetzen, oder? Es werden noch viele Konzerte abgesagt. Markus krampe Prophezeien Sie also eine noch größere Absagewelle? Ja, davon bin ich überzeugt. Es werden noch viele Konzerte abgesagt. Solange sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessert, wird sich daran wenig ändern. Ich rechne sogar mit einem größeren Crash, nicht nur in unserer Branche. Bezogen auf die Musikbranche aber meinen Sie damit, dass sich Künstler langfristig einen anderen Beruf suchen müssen? Noch ist es nicht so weit. Aber wenn Künstler merken, dass sie nicht mehr gefragt sind und ihre Tickets nicht verkauft werden, wird der eine oder andere sicherlich darüber nachdenken. Sie veranstalten selbst große Festivals wie das Glücksgefühle-Festival. Warum scheint das Thema Ticketverkäufe dort weniger problematisch zu sein? Festivals funktionieren anders. Sie sind für viele Besucher wie ein Kurzurlaub – mit Camping, Sport und vielen Künstlern. Für ein einzelnes Konzert geben die Menschen heute deutlich überlegter Geld aus. Für Ihr Festival wünschen Sie sich Helene Fischer. Gab es bereits Gespräche? Ja, die hat es gegeben. Das Line-up für dieses Jahr steht zwar, aber Überraschungen sind nie ausgeschlossen. Mal sehen, was passiert. Video

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