Korallenriffe haben kaum noch Zeit zur Erholung - auch wegen Klimaphänomen El Niño
Sie gelten als Wälder der Meere und bieten zahlreichen Geschöpfen einen einzigartigen Lebensraum: Korallenriffe sind für die Biodiversität unserer Erde unverzichtbar. Doch weltweit geraten Riffe zunehmend unter Druck: Sie bleichen aus und schrumpfen immer weiter. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2009 ist die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen bereits um rund 9,5 Prozent gesunken. Das geht aus dem Bericht »Zustand der Korallenriffe der Welt: 2025« des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) hervor, der im pazifischen Inselstaat Palau vorgestellt wurde.
Als Korallenbleiche bezeichnet man eine Stressreaktion von Steinkorallen, bei der sie ihre Algen verlieren, mit denen sie in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Vorteil leben, und dadurch ihre typische Färbung einbüßen. Sie bleichen aus, das durchscheinende weiße Kalkskelett der Korallenpolypen wird sichtbar. Haupttreiber weltweiter Massenbleichen ist der Klimawandel. Eine gebleichte Koralle ist zunächst noch nicht tot, befindet sich aber in einem extrem geschwächten Zustand. Nur wenn die Temperaturen rechtzeitig wieder absinken, können die Korallen neue Mitbewohner aufnehmen und sich regenerieren.
Riffe können sich erholen – wenn sie Zeit haben
Die zuständigen Forschenden warnen, dass den Riffen zunehmend die Zeit zur Erholung fehlt. Zwischen 2017 und 2019 hatte die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen um rund sechs Prozent zugenommen – das zeige, dass sich Riffe grundsätzlich erholen könnten, wenn zwischen Bleiche-Ereignissen ausreichend Zeit liege.
Mittlerweile seien die Erholungsphasen aber immer kürzer: »Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die mit jedem neuen Bleichereignis immer schwieriger umzukehren ist«, sagte Hauptautor Manuel González Rivero vom Australian Institute of Marine Science (AIMS).
Während Korallenriffe früher teils jahrzehntelang Zeit zwischen schweren Bleichereignissen gehabt hätten, blieben heute oft nur fünf bis sechs Jahre. Für viele Riffe, die 2024 von besonders starken Hitzewellen betroffen waren, könnte die Erholungsphase sogar noch kürzer ausfallen: Gerade läuft das Klimaphänomen El Niño. »Nicht der aktuelle Verlust der Hartkorallen-Bestände bereitet mir die größten Sorgen, sondern die Tatsache, dass wir die Bedingungen für ihre Regeneration stetig zerstören«, erklärte González Rivero.
Darum sind Korallenriffe so wichtig
Korallenriffe bedecken weniger als 0,2 Prozent des Meeresbodens, bieten aber dem Bericht zufolge Lebensraum für mindestens ein Viertel der im Meer lebenden Arten. Rund 104 Millionen Menschen leben heute weniger als fünf Kilometer von einem Korallenriff entfernt. Die Ökosysteme sind für Ernährung, Einkommen, Küstenschutz und Tourismus von großer Bedeutung.
Die Ergebnisse der jüngsten Studien deuten nach Angaben der Forschenden auf unterschiedliche Zukunftsszenarien hin: Bei der derzeitigen Häufigkeit globaler Korallenbleichen – etwa alle fünf bis sechs Jahre – dürfte sich der Rückgang der Hartkorallen fortsetzen. Eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen zusammen mit Maßnahmen gegen lokale Belastungen wie Überfischung, schlechte Wasserqualität und Küstenbebauung biete dagegen eine Chance, die Riffe zu erhalten.
GCRMN ist ein weltweites Netzwerk aus Wissenschaftlern, Naturschützern und Organisationen. Es wurde 1995 ins Leben gerufen und sammelt und analysiert seither wissenschaftliche Daten über den Zustand und die Entwicklung von Korallenriffen weltweit.
Weltmeere so warm wie noch nie
Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn hatte erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Weltmeere so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1979 sind. Die tägliche globale durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur (SST) habe kürzlich ihren höchsten jemals gemessenen Wert erreicht, teilte der Fachdienst mit.
Der Rekord sei am 22. August mit einer Temperatur von 21,1 Grad aufgestellt worden. Damit wurde der bisherige Rekord von 21,09 Grad vom März 2024 übertroffen.
Mehrere für das Klima entscheidende Korallenregionen könnten bald für immer zerstört sein, warnte vor einigen Monaten ein neuer Bericht. Sind die Korallenriffe schon verloren? Nicht unbedingt. Lesen Sie hier den ganzen Text.