Kosovo: Gericht verurteilt Ex-Präsidenten Thaci zu 25 Jahren Haft
Wegen Kriegsverbrechen
Kosovos Ex-Präsident Thaci zu 25 Jahren Haft verurteilt
Von t-online, afp
Aktualisiert am 16.09.2026 - 12:29 UhrLesedauer: 1 Min.
Im Kriegsverbrecherprozess gegen den früheren kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci und drei Mitangeklagte steht das Urteil.
Das Sondergericht in Den Haag hat den ehemaligen kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Der 58-Jährige wurde am Mittwoch unter anderem wegen Mordes, Folter und unrechtmäßiger Inhaftierung schuldig gesprochen.
Die Taten wurden während des Konflikts um die Abspaltung des Kosovo von Serbien in den 1990er Jahren begangen, als Thaçi Oberbefehlshaber der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UCK war.
Das Gericht erklärte, Thaçi habe sich aktiv an den Verbrechen beteiligt und diese unterstützt. Thaçi, der alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, verfolgte die Urteilsverkündung schweigend. Dem Urteil zufolge ist Thaçi für die Ermordung von 96 politischen Gegnern und mutmaßlichen Kollaborateuren der serbischen Sicherheitskräfte durch UCK-Kräfte verantwortlich. Zudem wurde er wegen der willkürlichen Inhaftierung von 385 Menschen, der Folter von 303 Personen sowie der grausamen Behandlung von rund 50 weiteren Betroffenen verurteilt.
Rückendeckung aus dem eigenen Land
Das Urteil stieß im Kosovo auf heftige Proteste. In der Hauptstadt Pristina, wo Tausende die Entscheidung auf Großbildschirmen verfolgten, gab es Buhrufe und Sprechchöre für Thaçi. Auch vor dem Gerichtsgebäude in Den Haag versammelten sich Unterstützer mit UCK-Flaggen.
Thaçi gilt vielen Kosovo-Albanern als Held, während das Sondergericht im Land auf breite Ablehnung stößt. Die Folgen des Konflikts von 1998 bis 1999 und die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahr 2008 sorgen weiterhin für Spannungen zwischen Kosovo-Albanern und Serben.