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Kraftwerk für Rechenzentrum: Schlüchtern plant 750-Millionen-Projekt

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Fuldaer Zeitung

Kinzigtal

Pläne für Großprojekt in Schlüchtern: 750-Millionen-Kraftwerk soll Rechenzentrum mit Strom versorgen

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Ein neues Energiekraftwerk könnte im Schlüchterner Gewerbegebiet gebaut werden. Bürgermeister Möller verweist auf Vorteile. Offen sind Umweltfragen und die Zustimmung der Politik.

Schlüchtern – Im Schlüchterner Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ soll ein modernes „H2-ready-Energiekraftwerk“ entstehen, um das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom zu versorgen und zugleich das Netz zu stabilisieren. Zunächst solle das Kraftwerk mit Brennstoffzellen und Gas betrieben werden. „Das ist eine große Chance für Schlüchtern“, unterstreicht Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) in einer Pressemitteilung.

Kraftwerk für Rechenzentrum: Schlüchtern plant 750-Millionen-Projekt

Der nächste Schritt sei nun die Zustimmung der kommunalen Gremien zu einer tiefergehenden Prüfung des Vorhabens. Voraussichtlich im Jahr 2034 könne das Kraftwerk dank Wasserstoff komplett CO₂‑neutral sein. Für die Stadt Schlüchtern könnte dies laut Möller jährliche Gewerbesteuereinnahmen „in signifikanter Höhe“ bedeuten, und dies unabhängig vom Energieverbrauch. Die Bürger sollen bei Realisierung des Kraftwerks außerdem von „sehr preiswerter Fernwärme“ profitieren.

Geplant werden soll das moderne Kraftwerk von der Argaman Group in Frankfurt, die auch das Rechenzentrum in Birstein entwickelt. Gebaut und betrieben werden soll es „von einem der großen deutschen Energieversorger“. Die Anlage soll eine Leistung von bis zu 276 Megawatt erreichen, das Investitionsvolumen betrage voraussichtlich 750 Millionen Euro.

Kraftwerk in Zahlen

Nennleistung: bis zu 276 Megawatt

Größe: 160 Meter lang, 90 Meter breit, 20 Meter hoch, Höhe der Schornsteine bis zu 60 Meter

Investitionsvolumen: circa 750 Millionen Euro

Nutzungsdauer: circa 30 Jahre

Die Energie soll zu 80 Prozent aus Brennstoffzellen gewonnen werden, zu 20 Prozent aus Gasverbrennung. Dies reduziere Stickstoffgase und den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß. Das Kraftwerk soll „H2-ready“ gebaut werden, also direkt für Wasserstoff vorbereitet sein. „Ab Mitte der 2030er Jahre ist eine vollständige Umstellung auf CO₂-neutralen Betrieb geplant“, wird Dr. David Roitman, Geschäftsführer der Argaman Group, in der Pressenotiz aus dem Rathaus zitiert.

Zwei Gasleitungen: Warum Schlüchtern „der perfekte Standort“ ist

Nach intensiven Verhandlungen habe sich Schlüchtern durchgesetzt, weil die Stadt „der perfekte Standort ist. Hier kreuzen sich zwei große Gasleitungen, die eine zuverlässige Gasversorgung garantieren“, erklärt Roitman. Zudem befindet sich das Umspannwerk Elm in direkter Nähe. Dort solle der Strom langfristig zur Netzstabilität eingespeist werden. Perspektivisch werde eine eigene Wasserstoff-Pipeline den klimaneutralen Betrieb ermöglichen und so die Nachhaltigkeit langfristig sichern.

Die städtischen Gremien sollen sich demnächst mit einem Prüfauftrag an Magistrat und Verwaltung beschäftigen. Erst nach diesem Prüfauftrag werde eine mögliche Zustimmung diskutiert. „Es ist uns wichtig, die Leute mitzunehmen und umfassend zu informieren. Wir nehmen dies sehr ernst“, erläutert Bürgermeister Möller. „Themen wie Emissions- und Lärm- sowie Umweltschutz, genauso wie bau-, steuer- und naturschutzrechtliche Fragen werden offen diskutiert und sorgfältig geprüft. Alle Gutachten werden bis zur finalen Kaufentscheidung der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt“, so Möller.

Termine

Infoveranstaltungen zu diesem Projekt finden in Schlüchtern im Café Fabrice (Breitenbacher Straße 3) jeweils um 19.30 Uhr am Dienstag, 8. September, sowie am Mittwoch, 9. September, statt. Weil die Anzahl der Plätze begrenzt, wird um Anmeldung über die städtische E-Mail-Adresse buergermeister@schluechtern.de gebeten. Ein weiteres Datum ist der Sonntag, 27. September, von 11 bis 16 Uhr bei „Frag’ doch mal die Stadt“, dem weitere Veranstaltungen in der Schlüchterner Stadthalle folgen sollen. (sh)

Der Start der Bauarbeiten könnte Anfang 2028 sein, die Bauzeit ist mit circa zwei Jahren beziffert. Das Kraftwerk solle nach der Fertigstellung mindestens 30 Jahre betrieben werden. „Das Energiekraftwerk bringt enorme Vorteile für alle Stadtteile sowie alle Bürgerinnen und Bürger“, betont Schlüchterns Rathauschef. Und: Die möglichen Gewerbesteuereinnahmen „eröffnen neue Möglichkeiten für Schlüchtern: den Bau eines neuen Feuerwehrstandorts, Sanierungen von Kindertagesstätten sowie die Konsolidierung der Stadtfinanzen“.

Neues Kraftwerk soll 10.000 Haushalte mit preiswerter Fernwärme versorgen

Neben Strom falle auch kostenlose Abwärme an, die als „enorm preiswerte“ Fernwärme genutzt werden könne. Die Kapazität betrage etwa 50 Megawatt für bis zu 10.000 Haushalte. Ein eigenes Fernwärmenetz rücke dadurch in greifbare Nähe und leiste so einen entscheidenden Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung.

„Hier kommt uns zugute, dass wir uns mit der Energie Bergwinkel GmbH in den Grundstrukturen bereits sehr professionell aufgestellt haben“, sagt Möller. Die Fernwärme könne für öffentliche Einrichtungen wie das Freibad und das Hallenbad, die Feuerwehr, die Stadthalle, die Kläranlage oder die Kindertagesstätten genutzt werden. Dies aber ebenso für Privathaushalte sowie Gewerbe- und Industriebetriebe.

Unmittelbar nach dem Kaufabschluss sei die Gründung eines Wärme-, Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitsfonds angedacht. Dessen Mittel könnten dann gezielt in grüne Infrastruktur wie Klima-Inseln oder die Entsiegelung von Flächen investiert werden. Der Fonds werde weitgehend vom Kraftwerksbetreiber finanziert.

Matthias Möller sieht den Energiebedarf durch KI und Rechenzentren weiter steigen. Diese Entwicklung sei unumkehrbar. Deshalb sei es „umso wichtiger, sie aktiv mitzugestalten“. (br, hgs)

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