Kraftwerke ohne Wasser, Atom ohne Kühlung
Startseite Wirtschaft Stromkrise in Europa: Nächstes AKW schaltet ab – Alpen-Region hat große Wasserkraft-Probleme Von: Bettina Menzel Uns auf Google folgen Flüsse führen zu wenig Wasser, Kraftwerke gehen vom Netz, Strompreise steigen. Die Hitzewelle wird zum Problem für Europas Energieversorgung. Cernavoda – Die Hitzewelle wirkt sich indirekt auf den Strompreis aus. Die Pegelstände der Flüsse sind niedrig. In Rumänien ging am Donnerstag (13. August) das einzige Kernkraftwerk Cernavoda vom Netz, das sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau bezieht. Auch in Ungarn musste im August das einzige Atomkraftwerk Paks abgeschaltet werden, dort fehlten schlagartig 50 Prozent des Energiebedarfs. Premierminister Peter Magyar sprach von einer „beispiellosen Energiekrise“. In Frankreich sehen sich die Atomkraftwerke indes zunehmend mit zu heißen Flüssen konfrontiert. Im Alpenraum sind indes vor allem Wasserkraftwerke von der Hitze und Dürre betroffen. Gerade in Ländern wie der Schweiz, Österreich und Italien trägt die Wasserkraft enorm zur Stromerzeugung bei. Laut Elektrizitätsbilanz entfielen in der Schweiz 2025 rund 56 Prozent der Stromproduktion auf Wasserkraft. Im Juni 2026 waren es in Österreich 45 Prozent. Doch die Stromerzeugung aus Laufwasserkraftwerken in Österreich und der Schweiz ging im Vergleich zum vergangenen Sommer um 46 respektive 26 Prozent zurück, wie eine Analyse von Montel, einem Informationsdienstleister für den Energiemarkt, zeigt. Zudem hat laut Montel der Wasserstand in Stauseen in Italien einen Rekordniedrigstand erreicht. „Die Stromerzeugung aus Wasserkraft in der EU lag im Mai, Juni und Juli auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens einem Jahrzehnt“, analysiert auch die Denkfabrik Ember Energy in einem aktuellen Bericht. Demnach produzierten sieben der acht größten Wasserkraftländer der EU im Juli weniger Strom aus Wasserkraft als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Zusammen stehen diese acht Länder für mehr als 90 Prozent der Wasserkraftproduktion in der EU. Stromversorgung in Europa: Weniger Angebot trifft auf höhere Nachfrage Während weniger Strom produziert wurde, stieg gleichzeitig der Strombedarf an den Tagen mit der größten Hitze um 28 Prozent an, so der Bericht von Ember Energy. „Die höher als erwartete Stromnachfrage zusammen mit Einschränkungen bei der Stromerzeugung aus thermischen Kraftwerken und Wasserkraft führte zu höheren und stärker schwankenden Strompreisen", heißt es in dem Bericht. Mitte Juli galt für weite Teile Mitte-, Ost- und Westeuropas weiterhin eine Dürrewarnung. Zudem war der vergangene Winter außergewöhnlich trocken, mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen in den europäischen Alpen – auch das ist schlecht für die Wasserkraft. Die Folge: steigende Preise in Europa. Während der Hitzewellen Ende Juni und Anfang Juli lagen die durchschnittlichen Tagespreise in Ungarn 119 Prozent höher als an vergleichbaren Tagen der Vorwoche. In Frankreich waren es 44 Prozent, in Italien 13 Prozent und in Spanien 7 Prozent, analysiert Ember Energy. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von Preisen wie sonst nur im Winter. Am 23. Juni erreichten die Day-Ahead-Preise in Deutschland demnach einen Höchststand von 210 Euro/MWh. Vergangenen Donnerstag (13. August) waren es laut dem Portal EnergyinEU rund 149 Euro/MWh in Deutschland, 149 Euro/MWh in der Schweiz und 157 Euro/MWh in Österreich. Rekordproduktion aus Solaranlagen hilft dem Netz – was Experten jetzt fordern Vor der Hitzewelle hatte es bei den Strompreisen auch gute Nachrichten gegeben. Die Bundesnetzagentur hatte für 2026 eigentlich stabile oder leicht sinkende Strompreise erwartet. Doch auch jetzt gibt es Positives zu berichten: Die Solarenergie reißt das Ruder vielerorts herum. Zuletzt konnte sogar Deutschland wieder Strom exportieren. Nachhaltig ist das laut Experten aber derzeit noch nicht: „Rekordhohe Solarstromproduktion trägt zwar dazu bei, den hohen Bedarf zu decken, doch um die Netze zukunftssicher zu machen, ist eine höhere Flexibilität erforderlich“, so das Fazit des Thinktanks Ember Energy.