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Kraillingerin eröffnet mit 51 eigene Praxis für Psychotherapie

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Kraillingerin eröffnet mit 51 eigene Praxis für Psychotherapie

Von: Nicole Kalenda

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Mitten im Leben noch einmal einen ganz neuen Job beginnen? Für viele ein Unding, da zu kompliziert, zu zeitaufwendig oder zu teuer. Die Kraillingerin Pia Weßling hat es gewagt und nicht bereut. Die Mutter von drei noch schulpflichtigen Söhnen und langjährige Gemeinderätin für die CSU eröffnete vor knapp zwei Jahren ihre eigene Praxis für Psychotherapie.

Krailling – Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, erzählt Pia Weßling im Merkur-Gespräch. Ein Psychologie-Studium, so Weßling, war ihr vor ein paar Jahren mit drei kleinen Kindern zu viel gewesen. „Außerdem hatte ich bereits ein abgeschlossenes Studium.“ Die heute 53-jährige Kraillingerin studierte in den 90er-Jahren Soziologie mit den Schwerpunkten Sozialpsychologie, Statistik und Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Parallel zum Studium arbeitete sie bei einem Forschungsprojekt, das sich mit sozialer Infrastruktur beschäftigte. „Wir haben Menschen zu ihren Freundeskreisen und ihrem Umfeld befragt. Es hat mich einfach schon immer interessiert, was Menschen wie und warum tun.“ Nach Abschluss des Studiums begann Weßling beim Hessischen Rundfunk in der Medienforschung zu arbeiten. Sie war 26 und hatte einen Job gefunden, der ihr sehr viel Spaß machte. „Es ging primär um das Analysieren von Zuschauerzahlen in enger Zusammenarbeit mit der Intendanz.“

Nach drei Jahren wollte sie jedoch weg von den Zahlen. Über einen Umweg, sie arbeitete einige Zeit als Redakteurin bei einer Zeitung und für den Rundfunk, zog es Weßling jedoch wieder zurück in die Medienforschung. Als Projektleiterin für die ARD-Programmforschung analysierte sie unter anderem die damals bekannten Vorabendserien „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“. „Wir haben etwa neue Geschichten oder Darsteller beim Publikum getestet“, erinnert sich Weßling. Es wurde bei Zuschauern abgefragt, was ihnen bei den Serien zusagt und was nicht. Sie habe damals viele, viele Interviews zum Nutzerverhalten gemacht und Gruppendiskussionen moderiert. Dafür sei sie oft quer durch die Republik gereist.

Diese Arbeit habe ihr gelegen, so Pia Weßling. Es ging immer um Menschen und ihre Motivationen und Emotionen. Deshalb sei ihre „neue Profession“ kein Bruch in ihrer beruflichen Vita, sondern das Interesse an Menschen zöge sich wie ein roter Faden durch ihr berufliches Leben.

Warum dann noch einmal einen neuen Beruf erlernen, büffeln und Examen schreiben? Nach zehn Jahren bei der ARD-Programmforschung in Frankfurt kam das Leben dazwischen, erzählt Pia Weßling. Sie bekam ihre Kinder und zog mit der Familie nach Krailling. Mit kurzen Stippvisiten bei RTL II, auch in der Medienforschung, und einer Beratungsfirma engagierte sich Weßling insbesondere in den vergangenen Jahren in der Kommunalpolitik. Seit 2020 sitzt sie für die CSU im Kraillinger Gemeinderat und war bis 2026 auch Dritte Bürgermeisterin im Ort. „Den Gedanken, etwas mit Psychologie zu machen, hatte ich da aber schon lange.“

Pia Weßling kannte damals die Ausbildung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ allerdings nicht. Erst ein Fachbuch bei einer Freundin machte sie auf diese Möglichkeit aufmerksam. Das war dann der Moment, erinnert sich die Kraillingerin. Innerhalb einer halben Stunde sei die Entscheidung gefallen.

Für Pia Weßling setzten sich alle Puzzleteile zusammen. Sie suchte sich direkt ein passendes Ausbildungsinstitut in München. „Das Praktikum dann in der Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität, die Ausbildung in Verhaltenstherapie – alles hat sich so richtig für mich angefühlt“, sagt sie. Mittlerweile hat Pia Weßling schon richtig gut in ihrer Praxis zu tun, wobei sie ihren therapeutischen Schwerpunkt auf Lebenskrisen, Belastungen, Angststörungen, depressive Symptome und Begleitung bei Kinderwunsch gelegt hat. Unterstützung bietet sie auch Eltern von Kindern mit Behinderung an.

Ob sie diesen Schritt noch einmal gehen würde? Definitiv. Es sei immer legitim, seinen ursprünglichen Job zu hinterfragen, ist Weßling überzeugt. Natürlich muss der Berufswunsch realistisch bleiben. Weßlings Tipp: viel recherchieren und sich mit Freunden oder der Familie austauschen.

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