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Krebs-Risiko: Jüngere Generationen altern schneller

Wissenschaft

"Immer mehr Krebserkrankungen" Studie entdeckt möglichen neuen Krebsfaktor Von Lynn Zimmermann Aktualisiert am 22.07.2026 - 18:26 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Immer mehr Menschen erkranken bereits vor dem 55. Lebensjahr an Krebs. Forscher haben nun einen möglichen einen Zusammenhang festgestellt, der auf einer grundlegenden Veränderung des gesamten Körpers beruht. Krebs gilt eigentlich als Erkrankung des höheren Alters. Doch seit Jahren beobachten Wissenschaftler weltweit einen gegenläufigen Trend: Darmkrebs, Gebärmutterkrebs und einige andere Krebsarten treten immer häufiger auch bei jüngeren Erwachsenen auf. Warum das so ist, war bislang weitgehend unklar. Eine jetzt im Fachjournal "Nature Medicine" veröffentlichte Studie aus den USA liefert einen neuen Erklärungsansatz. Demnach scheint der Körper vieler jüngerer Generationen biologisch schneller zu altern als der früherer Jahrgänge – und genau das könnte das Krebsrisiko erhöhen. Körper jüngerer Generationen altern offenbar schneller Für die Studie analysierte ein Forschungsteam der Washington University School of Medicine (USA) die Gesundheitsdaten von mehr als 154.000 Erwachsenen aus der britischen Datenbank "UK Biobank" sowie von über 10.000 Teilnehmern des US-Forschungsprogramms "All of Us". Die Wissenschaftler interessierte dabei nicht nur das tatsächliche Alter der Teilnehmer, sondern vor allem ihr biologisches Alter. Es beschreibt, wie alt der Körper aufgrund verschiedener Blutwerte und anderer biologischer Merkmale wie des Blutdrucks oder der Lungenfunktion ist. Das biologische Alter kann vom chronologischen Alter, also den gelebten Lebensjahren, abweichen. Die Autoren bezeichnen diese Abweichung als Alterslücke. Dabei zeigte sich ein deutlicher Generationeneffekt: Menschen, die zwischen 1965 und 1974 geboren wurden (Generation X), waren biologisch etwas älter als Personen der Geburtsjahrgänge 1950 bis 1954 (Babyboomer). In der US-Stichprobe zeigte sich dieser Trend noch ausgeprägter. Menschen, die zwischen 1990 und 1999 (Millennials und Gen Z) geboren wurden, wiesen im Durchschnitt deutlich stärkere Anzeichen einer beschleunigten biologischen Alterung auf als Menschen der Jahrgänge 1965 bis 1969. Was beeinflusst das biologische Alter? Die Autoren gehen davon aus, dass viele Einflüsse zusammenwirken. Dazu zählen unter anderem Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder Alkoholkonsum. Auch Luftverschmutzung, Umweltchemikalien und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus könnten den Alterungsprozess beeinflussen. Ob Sie vorzeitig gealtert oder jung geblieben sind, können Sie mit diesem Test herausfinden. Größere Alterslücken stehen mit Krebsrisiko in Verbindung Die Analyse zeigt außerdem einen Zusammenhang der Alterslücke mit dem Krebsrisiko: Je älter der Körper im Vergleich zum tatsächlichen chronologischen Alter erschien, desto höher war das Risiko für bestimmte Krebsarten. In Zahlen ausgedrückt, steigt bei den jüngeren Generationen dadurch das Risiko für sogenannte frühe solide Tumoren um acht Prozent. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Lungenkrebs, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts und Gebärmutterkrebs. Menschen mit der stärksten biologischen Alterung hatten sogar ein um 15 Prozent höheres Risiko für eine frühe Krebserkrankung als diejenigen mit der geringsten biologischen Alterung. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst nachdem die Forschenden genetische Risikofaktoren berücksichtigt hatten. Bestimmte Organe altern unterschiedlich schnell Die Wissenschaftler untersuchten zudem Hinweise auf mögliche Ursachen. Ein biologisch stärker gealtertes Immunsystem ging mit einem höheren Risiko für frühen Lungenkrebs einher. Ein stärker gealtertes Fettgewebe stand mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko in Verbindung. Warum das so ist, lässt sich bislang nicht sicher beantworten. Die Forscher vermuten, dass chronische Entzündungen, Stoffwechselveränderungen und Veränderungen des Immunsystems eine Rolle bei der Entstehung der Krebserkrankungen spielen könnten. David Scott, Direktor der globalen Initiative Cancer Grand Challenges, erklärt in einer Pressemeldung: "Studien wie diese helfen uns dabei, das Gesamtbild zu erfassen; sie zeigen, dass Krebs möglicherweise nicht nur durch Veränderungen in einzelnen Zellen beeinflusst wird, sondern auch durch umfassendere Veränderungen im gesamten Körper." Effekte schon nach vier Wochen: Diese Ernährung könnte das biologische Alter senken Bislang unterschätzter Faktor: Was Hundertjährige biologisch von anderen Alten unterscheidet Was bedeutet das für den Alltag? Die Forscher hoffen, dass sich biologische Alterungsmarker künftig nutzen lassen, um Menschen mit einem besonders hohen Krebsrisiko frühzeitig zu erkennen. Bis dahin bleibt allerdings noch viel Forschungsarbeit. Die Autoren betonen selbst, dass die Studie einen statistischen Zusammenhang zeige, aber keine Ursache beweise. Bevor biologische Alterstests in der Krebsvorsorge eingesetzt werden können, müssten weitere Untersuchungen die Ergebnisse bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen aufklären. Auch unabhängige Fachleute bewerten die Ergebnisse als wichtigen Fortschritt – warnen aber davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. John Riches vom Barts Cancer Institute erklärt dem Science Media Center: "Diese Studie liefert einen wichtigen neuen Anhaltspunkt dafür, warum bei jüngeren Erwachsenen immer mehr Krebserkrankungen diagnostiziert werden." Gleichzeitig betont er, dass die Untersuchung nicht belege, dass beschleunigte biologische Alterung Krebs direkt verursache. Vielmehr zeige sie einen Zusammenhang, der nun genauer erforscht werden müsse.

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