Kreditkartenbetrug: „Operation Chargeback“ - hochriskantes Geschäft oder doch Betrug?
Düsseldorf. Martin D. (Name geändert) sitzt in der JVA Frankenthal und will reden. Er habe den Haftbefehl gegen sich gelesen, erklärt der damals 43-Jährige am 13. März 2026 der Staatsanwältin. Die Lektüre habe ihn schockiert, sagt D. In den Akten will er sogar ein Betrugsmodell gefunden haben, das die Ermittler bislang übersehen hätten. Das Protokoll der Vernehmung liegt dem Handelsblatt vor. Es dokumentiert einen Schlüsselmoment in einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Bundesrepublik. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen mutmaßliche Kreditkartenbetrüger, die über Jahre den deutschen Finanzmarkt unterwandert haben sollen. Codename: „Operation Chargeback“. Im November 2025 durchsuchten Behörden mehr als 60 Objekte in neun Ländern und nahmen 18 Personen fest. Stimmt ihre These, haben die 44 Beschuldigten Zahlungsdienstleister wie Wirecard, Payone, Heidelpay (heute Unzer) und Concardis (heute Nexi) zu Schleusen für ihre mutmaßlich betrügerischen Transaktionen gemacht. Im Kern sollen die Netzwerke illegal erlangte Kreditkartendaten genutzt haben, um mehr als 18 Millionen kostenpflichtige Abonnements abzuschließen – ohne Wissen der Karteninhaber. So sollen sie mehr als drei Millionen Menschen aus 193 Ländern um mehr als 260 Millionen Euro gebracht haben.