Kretschmer: So geht man nicht miteinander um
Landtag
Kretschmer zu Schließungsplänen von Pharmawerk GSK: So geht man nicht miteinander um
Stand: 16.09.2026 16:12 Uhr
In Dresden sollen 2028 rund 650 Menschen ihren Job verlieren, und zwar beim Impfstoffhersteller GSK. Das will die Staatsregrierung so nicht hinnehmen. Sie kündigte im Landtag vollen Einsatz für die Rettung des Traditionsstandortes an.
von MDR SACHSEN
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat umfassende Unterstützung für die Rettung des GSK-Werkes in Dresden angekündigt. In einer von der Staatsregierung kurzfristig beantragten Debatte im Landtag sagte der CDU-Politiker: "Meiner Meinung nach kann unser Land auf so einen Standort nicht verzichten." Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Corona-Pandemie. Kretschmer kritisierte, dass der britische Konzern GSK bisher nicht bereit sei, andere Produkte in Dresden herzustellen oder gemeinsam mit der Staatsregierung nach neuen Betreibern zu suchen. Er kritisierte auch die Art und Weise, wie die 650 Mitarbeiter über die Schließung informiert wurden. Die Beschäftigten hätten nichtsahnend auf dem Hof ihres Betriebes von den Plänen erfahren. "So geht man nicht miteinander um."
Zugleich mahnte Kretschmer bessere Wettbewerbsbedingungen in Deutschland an. Am Produktionsstandort von GSK in Kanada sei zum Beispiel der Strom billiger, es gebe auch weniger bürokratische Hürden. Die Frage laute deshalb: "Was können wir tun, um unseren Wirtschaftsstandort Deutschland zu verbessern?"
AfD vermisst konkrete Vorschläge
AfD-Fraktionschef Jörg Urban sprach von einem Schmierentheater. Man dürfe sich nicht nur auf das GSK-Werk in Dresden konzentrieren. Es stehe stellvertretend für die aktuellen Probleme deutscher Unternehmen. "Mir fehlt in der Debatte die Demut vor der Verantwortung der Politik für diese Entwicklung," sagte Urban weiter. Er vermisse konkrete Vorschläge, wie Deutschland wieder attraktiv gemacht werden kann.
Homann: Kalte Unternehmensentscheidung
Das sei jetzt nicht die Zeit für politische Ränkespiele, konterte SPD-Fraktionschef Henning Homann. "Die heutige Debatte ist ein Signal an den Betriebsrat, dass wir gemeinsam für die Arbeitsplätze und den Standort in Dresden kämpfen." Homann sprach von einer "kalten Unternehmensentscheidung," die man so nicht hinnehmen könne. Seiner Ansicht nach ist der Standort Dresden im GSK-Spektrum durchaus konkurrenzfähig.
BSW: Mehr auf Kleinbetriebe und Mittelstand setzen
Neben der Koalitionspartei SPD stellten sich auch die weiteren Parteien hinter die Rettungsabsichten der Staatsregierung, übten aber trotzdem Kritik. Der wirtschaftspolitische Sprecher der BSW-Fraktion, Ralf Böhme sagte, das Vertrauen in internationale Großkonzerne sei nicht gerechtfertigt. Das Augenmerk müsse viel mehr auf kleine und mittelständische Unternehmen gerichtet werden. Böhme forderte zudem, die "wirtschaftspolitische Irrfahrt der letzten Jahre" zu korrigieren.
Grüne und Linke bringen Staatsbeteiligung ins Gespräch
Der Sprecher für Landesentwicklung der Grünen-Fraktion, Thomas Löser, sprach GSK die soziale Verantwortung ab. "Es geht um 650 Schicksale." Man müsse jetzt unter anderem auch über Überbrückungshilfen oder sogar eine staatliche Beteiligung nachdenken. Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Linken, Susanne Schaper. Es gehe hier nicht nur um eine Standortfrage, sondern um die öffentliche Gesundheit. Sie rief die Staatsregierung zudem auf, die Nachfrage nach Impfungen zu stärken, etwa durch gezielte Kampagnen.
MDR (jak/dpa)