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Krieg gegen die Ukraine: Bundeswehr weiß von in Deutschland desertierten ukrainischen Soldaten

Nation

Das Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben Kenntnis von Fällen ukrainischer Soldaten, die bei ihrer Ausbildung in Deutschland desertiert sind. »Dass sich vereinzelt Angehörige der ukrainischen Streitkräfte während der Ausbildung in Deutschland entfernt haben, ist dem Bundesministerium der Verteidigung bekannt«, sagte eine Sprecherin des Ausbildungskommandos in Strausberg bei Berlin. Weitere Details nannte sie nicht.

Die Bundeswehr habe bei der Feststellung ukrainischer Fahnenflüchtiger keine Rolle, sagte die Sprecherin weiter. Es handle sich um »interne Angelegenheiten der ukrainischen Streitkräfte«, für die ukrainische Stellen zuständig seien.

Das Ministerium reagiert mit der Erklärung auf jüngst veröffentlichte Informationen der ZEIT, wonach allein in Sachsen-Anhalt 80 Fälle desertierter ukrainischer Soldaten bekannt sind. Bundesweit gehen Behörden von einigen Hundert Soldaten aus. In Deutschland wurden nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine bislang rund 29.000 ukrainische Soldaten ausgebildet. Deutschland ist damit ein wesentlicher Träger der EU-Ausbildungsmission, an der 22 Länder beteiligt sind. Insgesamt sind darin bisher 87.000 ukrainische Soldaten aus- oder weitergebildet worden.

Mindestens 60.000 ukrainische Deserteure seit Kriegsbeginn

Handelte es sich dabei in den ersten beiden Kriegsjahren vor allem um erfahrene Soldaten, so entsendet die Ukraine inzwischen auch Rekruten zur Ausbildung in EU-Staaten. Weil inzwischen, anders als 2022 und 2023, kaum noch Freiwillige dem ukrainischen Militär beitreten und es sich bei den Rekruten größtenteils um eingezogene Männer handelt, ist seitdem auch in der Ukraine die Zahl der Fahnenflüchtigen gestiegen.

Nach Angaben aus Kyjiw sind seit Kriegsbeginn mindestens 60.000 Soldaten desertiert. Wie viele Soldaten seit Kriegsbeginn dem Militär beigetreten sind oder eingezogen wurden, ist nicht bekannt. Es dürfte sich allerdings um deutlich mehr als eine Million handeln. Gegen 250.000 von ihnen laufen Verfahren wegen unerlaubten Fernbleibens von ihren Einheiten, oftmals mit anschließender, jedoch verspäteter Rückkehr. Zwei Millionen weitere Männer verstecken sich innerhalb des Landes vor der Mobilmachung.

Rekrutierung ist innerhalb der Ukraine schwer umstritten

Die Rekrutierungspraxis der zuständigen Einberufungsbehörden gehört zu den am stärksten umstrittenen Themen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft. Viele Menschen halten etwa Regelungen für ungerecht, wonach bestimmte Berufe als systemrelevant eingestuft sind und in ihnen arbeitende Männer nicht eingezogen werden. Zudem kommt es immer wieder zu Skandalen über Korruption bei den Rekrutierungsbehörden.

Regelmäßig tauchen zudem Videos auf, in denen die Rekrutierer körperliche Gewalt anwenden oder selbst zum Ziel von Angriffen von Passanten werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete dieses Vorgehen der Behörden mehrmals als »schändlich«. Bei einer angedachten Reform der Rekrutierungsbehörden, die dem Militär unterstehen, gibt es jedoch kaum Fortschritte.

Zu den größten dabei ungeklärten Fragen gehört etwa, wie sich die Dienstzeit der teilweise inzwischen jahrelang eingesetzten Soldaten verbindlich begrenzen lässt, ohne den benötigten Nachschub an neuen Rekruten zu bedrohen. Unter anderem hat die Ukraine seit vergangenem Jahr besonders gut bezahlte und zeitlich beschränkte Freiwilligenverträge ins Leben gerufen, die jedoch kaum Anklang fanden.

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