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Krieg gegen die Ukraine: Ukraine will nicht mehr über Zahlen russischer Raketen informieren

Welt

Das ukrainische Militär will künftig deutlich weniger transparent über Zahlen zu russischen Raketenangriffen berichten. Die Militärführung habe beschlossen, in Morgenberichten der Luftwaffe die Zahl eingesetzter sowie abgewehrter russischer Raketen nicht mehr zu nennen, teilte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat auf Facebook mit. Zugleich versicherte er, die Bevölkerung werde weiterhin in Echtzeit über Bedrohungen informiert. Die Ankündigung folgt auf mehrere Tage, in denen das ukrainische Militär die bislang angewendete Praxis, sowohl Zahlen zu eingesetzten als auch zu abgewehrten Raketen zu nennen, ausgesetzt hat – vor Ihnats Statement ohne begleitende Erklärung. Bislang hatte die Luftwaffe stets beide Zahlen genannt. Damit war sie deutlich transparenter vorgegangen als das russische Militär. Dieses nennt stets nur die Anzahl von ukrainischen Drohnen oder Raketen, die abgeschossen worden seien, schweigt jedoch zur Zahl eingeschlagener Flugkörper. Die Änderung in den Morgenberichten der Luftwaffe sind in den vergangenen Tagen sowohl ukrainischen Militärbloggern als auch internationalen Medien aufgefallen. So hatte etwa das US-Portal Bloomberg bereits am Dienstag darüber berichtet. Es handle sich um eine »Sicherheitsmaßnahme«, zitierte das Portal eine anonyme Quelle in ukrainischen Militärkreisen. Ukrainisches Militär erhält kaum noch Abfangraketen Hintergrund der Entwicklung dürfte die schwierige Lage der ukrainischen Raketenabwehr sein. Während die Ukraine weiterhin die meisten russischen Drohnen und Marschflugkörper abwehren kann, schießt das Land seit Wochen kaum noch ballistische Raketen ab. Diese sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und teils wenige Minuten kurzer Flugzeiten sehr schwierig abzufangen. US-Raketenabwehrsysteme des Typs Patriot sind die einzigen im ukrainischen Arsenal, die dazu in der Lage sind. Allerdings erhält die Ukraine kaum noch Nachschub an Flugkörpern für die Patriot-Systeme. Jährlich werden nur etwa 600 Abfangraketen für die Systeme produziert, fast ausschließlich in den USA. Da in der Regel zwei Flugabwehrraketen nötig sind, um eine ballistische Rakete abzuwehren, reicht die weltweite Jahresproduktion somit nicht aus, um den Bedarf der USA, ihrer Verbündeten und der Ukraine zu decken: Allein seit Jahresbeginn hat Russland mehr als 650 ballistische Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. Die Abfangrate der Ukraine ist dabei von knapp 40 Prozent zu Jahresbeginn auf kaum mehr als ein Prozent im August gesunken: Von mindestens 58 eingesetzten Raketen konnte das Land nach eigenen Angaben nur eine abwehren. Diese Zahl bildet den Kenntnisstand vom vergangenen Samstag ab; seitdem veröffentlichte die Luftwaffenführung in Kyjiw keine genauen Zahlen mehr dazu. US-Bestände nach Irankrieg deutlich geschmälert Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bemühte sich zuletzt, Nachschub an Patriot-Raketen aus den USA zu erhalten. Am Wochenende sagte er, mit der US-Regierung monatliche Lieferungen vereinbart zu haben, die jedoch nicht ausreichen würden. Letzteres ist plausibel: Im Krieg gegen den Iran hat das US-Militär laut Medienberichten sowie einer Schätzung des Instituts CSIS etwa zwei Drittel seiner Patriot-Abwehrraketen verschossen und soll selbst nur noch über etwa 800 verfügen. Zum Vergleich: Die mutmaßlich verschossenen mehr als 1.600 Raketen sind etwa dreimal mehr, als die Ukraine seit Kriegsbeginn von den USA und seinen europäischen Verbündeten erhalten hat. Infolge des Mangels sind zuletzt bei mehreren sogenannten kombinierten Luftangriffen Russlands, bei denen zugleich Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt werden, die meisten ballistischen Raketen eingeschlagen. In der Ukraine führt das zu höheren Opfern in der Zivilbevölkerung, auch die Wirtschaft und insbesondere die Rüstungsindustrie des Landes sind von den Angriffen bedroht. Ukraine ist russischen Raketen nahezu schutzlos ausgeliefert Hohe Chancen auf Besserung hat die Ukraine dabei nicht. Russland produziert jährlich nach Einschätzung der ukrainischen Geheimdienste mehr als 700 ballistische Kurzstreckenraketen sowie mehr als 100 Hyperschallflugkörper, die ähnlich schwierig abzuwehren sind. Im Winter werden zudem noch härtere Angriffe vor allem auf den ukrainischen Energiesektor erwartet. Um diese zuverlässig abwehren zu können, bräuchte die Ukraine Hunderte Patriot-Abfangraketen und damit einen bedeutenden Teil der verbliebenen US-Bestände. Zwar arbeitet das Land zusammen mit europäischen Partnern, darunter Deutschland, an einem eigenen Abwehrsystem. Das System mit dem Namen Freyja, für das die Ukraine selbst entwickelte Abfangraketen und Hightechkomponenten wie Radare aus Partnerländern einsetzen will, soll nach Angaben aus Kyjiw im kommenden Jahr Einsatzfähigkeit erreichen. Zum größeren Faktor für die Raketenabwehr dürfte das neue System mutmaßlich aber auch im Erfolgsfall angesichts der notwendigen Produktionsmengen erst in mehreren Jahren werden. Auch auf eine Ausweitung der Produktion von Patriot-Abfangraketen kann die Ukraine nur langfristig hoffen. Zwar will die US-Industrie die Produktionsmengen auf bis zu 2.000 Stück pro Jahr fast verdreifachen, allerdings soll diese Zahl erst um 2030 erreicht werden. US-Präsident Donald Trump hatte der Ukraine zuletzt zwar zugesagt, Lizenzen freizugeben, damit das Land die Raketen selbst herstellen kann, nahm seine Zusage anschließend jedoch zurück.

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