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Krieg in der Ukraine: Russlands größter Trumpf wird zum Problem

Welt

Krieg in der Ukraine Russlands größter Trumpf wird zum Problem Von Martin Küper 14.07.2026 - 11:08 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die Ukraine hat den Schwerpunkt ihrer Angriffe von der Front ins russische Hinterland verlagert. Bislang findet der Kreml kein Mittel gegen Kiews Drohnen. Allmählich scheint die Ukraine im Krieg gegen Russland die Oberhand zu gewinnen. Größere Erfolge an der Front konnte Kiew seit der Befreiung von Cherson im Herbst 2022 zwar nicht mehr vermelden, doch inzwischen beeinträchtigen die ukrainischen Drohnenschläge gegen Russlands Ölindustrie und Kriegslogistik offenbar auch die Fähigkeiten der russischen Truppen an der Front. Seit Anfang 2024 greift die Ukraine immer wieder russische Raffinerien und Öldepots an, doch erst in diesem Jahr hat die Kampagne deutlich an Intensität gewonnen. Mit ihrem wachsenden Arsenal an Langstreckendrohnen haben Kiews Truppen inzwischen sämtliche großen Raffinerien in Russland getroffen, selbst die Anlage im mehr als 2.400 Kilometer entfernten Omsk, die bislang verschont geblieben war. Nun mehren sich die Hinweise, dass auch Putins Truppen in der Ukraine zunehmend der Treibstoff ausgeht. Newsblog zum Krieg in der Ukraine: Alle Entwicklungen im Überblick Unter Prigoschin-Sohn: Wagner-Söldner betreiben Drogenimperium in Afrika Treibstoffkrise erfasst auch Russlands Truppen an der Front Denn mit ihren Drohnenangriffen zielen die Ukrainer nicht nur auf die Produktionsanlagen, sondern auch auf die Treibstofflogistik der russischen Armee. So gelten die Fernstraßen im besetzten Süden der Ukraine schon seit Wochen als Todeszone für russische Militär- und Tanklaster. Jetzt nehmen Kiews Truppen auch Transportschiffe im Asowschen Meer ins Visier. Diese sollten Treibstoff und andere Güter auf die besetzte Halbinsel Krim schaffen. Aber die Ukraine beschädigte bislang mindestens 116 der Binnenschiffe und verschärft damit die Lage der russischen Frontsoldaten. So berichtete der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrsky kürzlich, dass die russischen Truppen zurzeit "nur noch an höchstens sechs oder sieben Frontabschnitten" Offensiven ausführten – statt zuvor 13 Frontabschnitten. Auch das in Washington ansässige Institute for the Study of War (ISW) berichtet von Problemen der russischen Truppen: So sei infolge der ukrainischen Angriffe auf die Nachschubrouten die Versorgung der Russen mit Diesel und Drohnen an mehreren Frontabschnitten gestört, heißt es. Gefährlich bleibt die Lage für die ukrainischen Verteidiger aber in der Frontstadt Kostjantyniwka, die zum sogenannten Festungsgürtel im Donbass gehört. Ukrainischer Armeechef warnt vor zu viel Zuversicht Ob, wann und wie die ukrainischen Truppen die Lage für sich ausnutzen können, ist aber fraglich. Erhöhte Ausfallerscheinungen der russischen Besatzungstruppen gibt es bislang nicht. Größere mechanisierte Angriffe wie noch im Herbst 2022 gelten inzwischen ohnehin als wenig ratsam: Russische Überwachungsdrohnen würden jede ukrainische Truppenkonzentration schnell erkennen. Und auf offenem Feld haben Panzerfahrzeuge nur geringe Überlebenschancen gegen die allgegenwärtigen Kamikazedrohnen, mit denen sich beide Seiten bekämpfen. Auch der ukrainische Armeechef warnte vor zu viel Zuversicht. Zwar seien seine Truppen gut aufgestellt, eine Kriegswende sei aber noch in weiter Ferne, so Syrsky. Auch dürfe der Feind nicht unterschätzt werden. Kiew verfolge eine "Strategie der Auszehrung". Statt auf überstürzte Offensiven an der Front wie im Sommer 2023, als viele ukrainische Soldaten in russischen Minenfeldern aufgerieben wurden, dürfte Kiew also weiter auf Schläge hinter der Front und tief in Russland setzen. Russlands enorme Größe wird zum Problem Mit ihren selbst entwickelten und produzierten Langstreckendrohnen hat die Ukraine Russlands größten Vorteil in einen Nachteil verwandelt: seine Größe. Bislang konnte der Kreml seine kriegswichtige Produktion und wertvolles Kriegsgerät außerhalb der Reichweite Kiews stationieren. Inzwischen können die Ukrainer aber immer tiefere Schläge ausführen, ohne dass Russland dies verhindern kann. Zu ausgedünnt ist die russische Flugabwehr, um alle wichtigen Ziele schützen zu können. Das zeigt allein der Angriff auf die Raffinerie in Omsk: Fast einen ganzen Tag lang waren die langsamen ukrainischen Drohnen auf dem Weg zu ihrem Ziel im russischen Luftraum, ohne dass sie abgeschossen wurden. Doch auch wenn die enorme Größe Russlands langsam zum Problem für den Kreml wird: Für die Ukrainer ist ein Ende des Leidens nicht in Sicht. China: Keine Diskussion über Atomwaffeneinsatz So ist das größte Problem der Ukraine derzeit ein Mangel an Patriot-Flugabwehrraketen. Mit keinem anderen Waffensystem lassen sich Russlands ballistische Raketen abfangen. Zwar arbeitet die ukrainische Firma Fire Point an einem eigenen Abwehrsystem namens Freya, das dürfte aber frühestens im kommenden Jahr einsatzbereit sein. Aktuell hat die Ukraine wohl nicht mehr genügend Patriot-Abfangraketen, um Städte und wichtige Militäreinrichtungen gleichermaßen zu schützen. Dass Russland die Ukraine mit seinen Attacken in die Knie zwingen kann, erscheint allerdings fraglich. Angesichts der erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Ölindustrie wächst nicht nur im Westen die Sorge, dass Kremlchef Putin zu Atomwaffen greifen könnte, sollten Russlands Truppen in der Ukraine ernsthaft in Bedrängnis geraten. Russische Kriegsblogger fordern immer wieder den Einsatz von Kernwaffen. Doch das ginge wohl selbst Russlands wichtigstem Verbündeten China zu weit. Loading... Loading... Loading... Wie der ukrainische Präsident Selenskyj nach dem Nato-Gipfel in Ankara vorige Woche berichtete, soll China Russland "eine Art Ultimatum" gestellt haben. Demnach reagierte Peking in russischen Medien sehr harsch auf die Forderung nach einem Atomwaffeneinsatz. Peking habe klargemacht, dass "über den Einsatz von Atomwaffen keinerlei Diskussion stattfinden darf", sagte Selenskyj unter Berufung auf europäische Diplomaten in Kontakt mit China. Freilich ist auch eine Intervention aus China keine Garantie gegen einen russischen Atomwaffeneinsatz in der Ukraine. Doch der Vorgang zeigt, dass selbst Russlands wichtigster Verbündeter nicht an dessen Sieg in Europa glaubt.

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