Krieg in Nahost: Schüsse im Roten Meer und Bomber in Bereitschaft
Neue Eskalation Trump entsendet wohl Spezialeinheiten nach Nahost Von dpa, afp Aktualisiert am 23.07.2026 - 10:06 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die USA greifen erneut den Iran an und senden Verstärkung in die Region. Derweil attackieren die Huthis ein Schiff im Roten Meer. In der Nacht zu Donnerstag haben die Huthis nach eigenen Angaben zwei saudi-arabische Öltanker angegriffen, welche die ausgerufene "Blockade" im Roten Meer verletzt hätten. Das berichtete die von der Miliz kontrollierte Nachrichtenagentur Saba. Die Schiffe "Encelia" und "Layla" seien mit Raketen und Drohnen attackiert worden. Auf beiden Schiffen brachen demnach Feuer aus, etwa zehn Schiffe seien zur Umkehr gezwungen worden. Zur gleichen Zeit erklärte die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO), das Schiff einer Reederei aus Saudi-Arabien sei im Roten Meer angegriffen worden. Nach Angaben des Kapitäns sei das Schiff von einem unbekannten Geschoss getroffen worden, das ein Feuer ausgelöst habe, Verletzte gebe es nicht. Ein Beamter der saudi-arabischen Verkehrsbehörde TGA sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Spa, der Brand sei am Bug der "Encelia" ausgebrochen, die Besatzung in Sicherheit. Der Angriff verstoße gegen Völkerrecht und das Prinzip der sicheren Passage von Handelsschiffen. Der Vorfall ereignete sich laut UKMTO knapp 130 Kilometer südwestlich des Küstenorts Al-Schukaik in Saudi-Arabien. Der Ölexport Saudi-Arabiens – des größten Rohölexporteurs der Welt – ist bereits durch die Blockade der Straße von Hormus durch Teheran stark eingeschränkt. Allerdings ermöglichte es der saudi-arabische Hafen Yanbu am Roten Meer dem Land bisher, Öl zu exportieren, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen. Dies ist bei einer Seeblockade durch die Huthis allerdings nicht mehr möglich. Trump kritisiert: Iran sei noch nicht bereit für einen Deal Das US-Militär attackierte nach eigenen Angaben derweil die zwölfte Nacht in Folge militärische Ziele im Iran. Die fünfstündige Angriffswelle sei um 22.30 Uhr US-Ostküstenzeit (6 Uhr Ortszeit im Iran) beendet worden, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom über die Plattform X mit. Zu den Zielen zählten demnach Raketen- und Drohnenlager, Anlagen zur Küstenüberwachung sowie die Flugabwehr des Landes. Die Angriffe sollten künftige Attacken auf Handelsschiffe und zivile Seeleute verhindern, hieß es. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Marietta im US-Bundesstaat Georgia betont, dass der Iran aus seiner Sicht noch nicht bereit für einen Deal sei. Immer wenn Teheran einen Kompromiss schließe, wollten die Iraner ihn danach wieder ändern, kritisierte Trump. "Sie sind noch nicht bereit. Sie werden aber sehr bald bereit sein", betonte er – was sich als indirekte Drohung interpretieren ließ. Bereits am Mittwochmorgen (US-Ostküstenzeit) hatte Trump dem Iran sehr deutlich gedroht: Die Vereinigten Staaten würden künftig jedes Mal eine Brücke oder ein Kraftwerk im Iran "bombardieren und zerstören", wenn die Islamische Republik ein Schiff in der Straße von Hormus beschießt, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Dabei würden auch Brücken und Kraftwerke in Teheran oder in der Nähe der Hauptstadt ins Visier genommen werden. Iran greift US-Stützpunkte an Auch der Iran flog offenbar neue Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region: In Jordanien seien nach iranischen Angaben US-Raketensysteme sowie Waffen- und Treibstofflager die Ziele gewesen. In Kuwait seien die Stützpunkte Al-Adiri, Doha und Arifdschan sowie die Luftwaffenbasis Ali al-Salem ins Visier genommen worden. Zu etwaigen Schäden oder Opfern lagen zunächst keine Angaben vor. Die Armee von Kuwait teilte in der Nacht mit, dass sie "feindliche Drohnenangriffe" bekämpfe. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten zudem, drei Öltanker seien an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus gehindert worden. Die drei Schiffe seien von der US-Armee "verleitet" worden, die mit Minen versehene südliche Route in der Meerenge zu passieren, hieß es in einer von den staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. "Doch nachdem eines von ihnen explodiert war und Feuer gefangen hatte, drehten die beiden anderen rasch um und kehrten zurück." Bericht: USA entsenden Spezialeinheiten, Bomber in Bereitschaft Wegen des Streits um die für den weltweiten Handel mit Energieträgern wie Öl und Flüssiggas wichtige Straße von Hormus eskaliert der Iran-Krieg seit Anfang des Monats wieder. US-Medien berichten seit Tagen über Indizien für eine mögliche Ausweitung der US-Angriffe – etwa über die Verlegung weiterer Kampfflugzeuge in die Region. Das "Wall Street Journal" berichtet nun über weitere Anzeichen dafür. So seien in der vergangenen Woche laut Flugverfolgungsdaten und Aussagen von US-Beamten Spezialeinheiten in die Region entsandt worden. Zudem befänden sich Bomber auf Stützpunkten in den USA und Großbritannien in höchster Einsatzbereitschaft, zitiert die Zeitung einen der Beamten. Außerdem seien in den vergangenen Tagen mehr als 150 Sanitäter im Landstuhl Regional Medical Center in Rheinland-Pfalz eingetroffen, der wichtigsten Anlaufstelle für die Behandlung von im Nahen Osten verletzten US-Soldaten. Loading... Loading... Loading... Nach Einschätzung des "Wall Street Journal" könnte die Truppenverstärkung auch darauf abzielen, Trump mehr Handlungsspielraum zu geben, um gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen vorzugehen. Die Islamisten hatten am Montag eine "Blockade" für saudische Schiffe angekündigt – rund eine Woche nach einer neuen Konfrontation mit dem Königreich Saudi-Arabien, das an den Jemen grenzt und seit mehr als zehn Jahren Krieg gegen die Miliz führt. Trump unter Druck US-Präsident Trump sieht sich starkem politischem Druck ausgesetzt, den Konflikt zu beenden. Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte am Dienstag erklärt, der Krieg habe die USA bereits 37,5 Milliarden Dollar (knapp 33 Milliarden Euro) gekostet. Umfragen, die auf eine zunehmende Ablehnung des Krieges hinweisen, wies Trump am Mittwoch zurück. "Die US-Bürger wollen keine hohen Benzinpreise, aber sie sind nicht gegen den Krieg", sagte er beim Aufbruch zu einem Luftwaffenstützpunkt, wo er die sterblichen Überreste von vier im Iran-Krieg getöteten US-Soldaten in Empfang nehmen wollte.