Krieg – mit globalen Folgen
Startseite Politik Diktator im „Aufstieg“: Wie Putin Kim Jong-un im Ukraine-Krieg belohnt – mit globalen Folgen Von: Florian Naumann Uns auf Google folgen Der einstmals isolierte Kim Jong-un half Russland aus einer selbst verschuldeten Patsche. Eine neue Analyse zeigt: Putins Dankbarkeit hat weitreichende Folgen. Donald Trump weiß, wie man seine eigenen Verbündeten erschüttert. Zuletzt schockte der US-Präsident statt der Europäer allerdings Südkorea: Der US-Präsident kündigte Einschnitte bei gemeinsamen Manövern an. Möglicherweise als Retourkutsche für mangelnde Hilfe im Iran-Krieg – vielleicht aber auch als Verbeugung vor dem von ihm offenbar hochgeschätzten Kim Jong-un. Dabei hat der nordkoreanische Diktator dank Russland zuletzt bereits einen „strategischen Aufstieg“ erlebt, wie ein neues Papier der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) darlegt. Die Analyse – sie lag unserer Redaktion vorab exklusiv vor – zeigt Gefahren, aber auch neue Optionen für die Demokratien in Europa und Asien auf. Im Zentrum steht die neue Rolle Nordkoreas – mit Ausgangspunkt in Russlands Fehleinschätzungen beim Überfall auf die Ukraine: „Das Scheitern eines schnellen Krieges stellte Russland vor erhebliche logistische und industrielle Herausforderungen“, schreibt KAS-Autor Philipp Havlicek. Lücken etwa bei der russischen Munitionsproduktion habe ab 2023 teils Nordkorea gestopft, das sei wegen „umfangreicher Bestände und Produktionskapazitäten für sowjetische Kaliber“ möglich gewesen. Die Kooperation der Autokraten Putin und Kim scheint aber noch lange nicht am Ende. Genauso wie die Kim mutmaßlich hochwillkommene russische Dankbarkeit samt ihrer Auswirkungen. Ukraine-Krieg verändert die Lage in Asien: „Russischer Technologietransfer“ nach Nordkorea Bis zu 33.000 Container etwa an Munition, Artilleriesystemen und ballistischen Kurzstreckenraketen habe Nordkorea bis Februar 2026 nach Russland verschifft, heißt es in dem Papier unter Verweis auf den südkoreanischen Verteidigungsgeheimdienst in dem Papier. Hinzu kamen bis zu 15.000 Soldaten, offenbar vor allem zum Einsatz in der russischen Oblast Kursk. Zuletzt warnte Wolodymyr Selenskyj vor einer neuerlichen Verlegung von 30.000 bis 50.000 nordkoreanischen Streitkräften nach Russland. „Erstmals können sie keinen Krieg führen, ohne Nachschub aus Nordkorea“, sagte der ukrainische Präsident. Er warnte zugleich, Nordkoreas Schlagkraft wachse durch den Ukraine-Krieg. Ein passendes Beispiel führt die neue KAS-Expertise an: Die nordkoreanische ballistische Kurzstreckenrakete KN-23 sei nach ukrainischen Angaben im Verlauf ihres Einsatzes wesentlich treffgenauer geworden. Anfangs habe die Streuung mehr als einen Kilometer betragen, später noch 50 bis 100 Meter. Kims Militär lernt also auf dem Schlachtfeld. Noch schwerer wiegen aber wohl technologische Erkenntlichkeiten Moskaus. „Die Qualität und Geschwindigkeit, mit der Pjöngjang seine neuesten Waffensysteme vorstellt und erprobt, sprechen für einen russischen Technologietransfer“, lautet das Urteil. So habe Nordkorea seit 2023 etwa einen Aufklärungssatelliten ins All gebracht, eine besonders leistungsfähige Interkontinentalrakete und Hyperschallraketen getestet, aber auch ein nuklearbetriebenes U-Boot präsentiert und seinen bislang „größten und modernsten“ Zerstörer in Dienst gestellt. Als größten „strategischen Wandel“ sieht die Analyse dabei das perspektivisch wohl mit maximal zehn ballistischen Raketen samt Atomsprengköpfen ausstattbare U-Boot. Nukleargetriebene Unterseeboote könnten sich über Monate in den Weltmeeren verstecken – und die Drohung einer verheerenden nuklearen Antwort hochhalten. Wenn das U-Boot die versprochenen Fähigkeiten einlöse und dauerhaft einsatzbereit sei, könne es „die strategische Stabilität auf der koreanischen Halbinsel grundlegend verändern“, urteilt Havlicek. Mit den neuen Überwasserschiffen könne Nordkorea den Süden zudem vom Wasser aus angreifen, etwa mit Marschflugkörpern. Hinzu kommt: Auch das gesamte US-Festland ist wohl in Reichweite. Und Sicherheitskreise gehen davon aus, dass Kims Regime mittlerweile über Atomsprengköpfe verfügt. Putin hilft Nordkorea – Südkorea könnte Europa bei Abschreckung gegen Russland helfen Havlicek macht aber auch ein Möglichkeitsfenster aus: für eine vertiefte Kooperation zwischen Europa und Staaten wie Südkorea und Japan. Gerade Südkorea könne Interesse daran haben, den Ukraine-Krieg zu beenden, um weitere Techniktransfers Richtung Kim zu unterbinden, schreibt er. Insofern könnte Selenskyj einen Ansatzpunkt haben – er forderte Japan und Südkorea zuletzt auf, der Ukraine mit Luftabwehr zu helfen. Südkorea besitzt etwa die Luftabwehrsysteme M-SAM und L-SAM. Seoul dürfte weitere für ganz Europa nützliche Techniken parat haben: Zur Abschreckung dringend benötigte Langstreckenwaffen etwa hat Südkorea bereits. Und als Reaktion auf Nordkoreas neue Stärke plane die Regierung, zusätzliche Drohnenabwehrsysteme zu entwickeln, so die KAS-Analyse. Gemeinsame Rüstungsprojekte könnten zudem die Abhängigkeit von den USA verringern und zugleich durch hohe Stückzahlen die Kosten senken. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Rüstung sehen Experten weiterhin als ein Problem für Europa. Mit gemeinsamen Übungen, etwa in Sachen Drohnen- und Luftabwehr, sei man in der Lage, Zeichen an Russland und Nordkorea zu senden. Der Rat der Expertise: Eine auf europäischer Ebene gestaltete Zusammenarbeit mit den Demokratien im Indopazifik.